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Embedded Computing 2021

Kompakt, KI-fähig, kundenspezifisch

25. Januar 2021, 08:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Kompakt, KI-fähig, kundenspezifisch
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Im Jahr 2020 beherrschten Anwendungen rund um künstliche Intelligenz den Embedded-Markt. Auch 2021 wird sich der Trend fortsetzen, wie Gespräche mit Experten aus der Branche zeigen. Welchen Trends die Unternehmen der Branche sonst noch folgen, zeigen wir Ihnen hier.

Heitec – »Das Wichtigste sind konstante und sichere Lieferketten«

Herr Chochoiek, wie ist Heitec durch das Corona-Jahr gekommen und wie hat sich Ihr Umsatz entwickelt?

Wir haben das Jahr mit »einem kleinen blauen Auge« gut überstanden. Da wir insgesamt sehr breit aufgestellt sind, haben die Effekte der Corona-Krise uns nur zum Teil getroffen. Zum einen haben wir ein breites Produkt- und Dienstleistungsangebot – von Entwicklungs- und Fertigungsdienstleistungen bis hin zu umfassenden Gehäusetechnikprodukten und Systemplattformen.

Roland Chochoiek ist Prokurist und Geschäftsgebietsleiter Elektronik bei Heitec.
© Heitec

Roland Chochoiek ist Prokurist und Geschäftsgebietsleiter Elektronik bei Heitec.

Zum anderen bedienen wir unterschiedliche Branchen: von der Industrieauto-matisierung über die Energie-, Verkehrs- und Medizintechnik bis hin zur Verteidigungs- sowie der Luft- und Raumfahrttechnik. Ein weiterer positiver Aspekt: Wir bedienen globale Märkte. Insgesamt beliefern wir mehr als 50 Länder weltweit mit unseren Lösungen. So konnten wir schlechter laufende Bereiche mit besser laufenden nahezu kompensieren. Unser Umsatz wird somit im Jahr 2020 lediglich etwa zehn bis 15 Prozent unter dem des Vorjahres liegen.

Als Spezialist für Embedded-Komplett­lösungen bedienen Sie sich ganz
unterschiedlicher Technologien. Was wünschen Sie sich im Jahr 2021 von Ihren Lieferanten?

Das Wichtigste in meinen Augen sind konstante und sichere Lieferketten. Gerade im Embedded-Bereich sind die Zielanwendungen oft sehr komplex und teuer. Deshalb sind sowohl wir als auch unsere Kunden darauf angewiesen, zuverlässig und über Jahre hinweg zu liefern beziehungsweise beliefert zu werden. Ein Ausfall beziehungsweise die Nichtverfügbarkeit einer kleinen, vielleicht kostengünstigen Komponente, kann das Fertigstellen eines großen und teuren Zielsystems verhindern und hiermit großen Schaden anrichten. Mithilfe von Second Sourcing und einem umfassenden Obsolescence-Management versuchen wir, solche Effekte abzufedern.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei Ihrer Produktausrichtung?

Künstliche Intelligenz (KI) findet mehr und mehr Einzug in nahezu alle zuvor angesprochenen Branchen. Neue Komponenten zum Einsatz und Nutzen von KI in Embedded-Anwendungen erscheinen mit hoher Frequenz am Markt. Um dem schnellen Wandel und der rasanten Entwicklung gerecht zu werden, setzen wir auf Systemplattformen. Sie bieten ein hohes Maß an Modularität
auf Basis offener Plug-in-Standards. So unterstützt beispielsweise unsere Systemplattform »HeiSys« die offenen Standards COM-Express, SMARC und m.2 in einem System. HeiSys-Anwender profitieren somit von der Vielzahl an Modulprodukten unterschiedlicher Hersteller mit aktuellen Technologien, reduziertem Integrationsaufwand und schnellerem Realisieren ihrer Anwendungen.

Inwieweit beeinflusst der 5G-Ausbau Ihre Strategie im Bereich Embedded Computing?

Ähnlich rasant wie Entwicklungen rund um KI sind ebenfalls die Fortschritte bei den Funkstandards. Hier sehen wir, dass drahtlose Kommunikation in unterschiedlicher Form eine immer wichtigere Rolle spielt – über verschiedene Branchen hinweg. Neben den unterschiedlichen LPWAN-Technologien und Wifi 6, spielt 5G und der damit verbundene Ausbau eine wesentliche Rolle. Auch hier greift unser modularer Ansatz: Systemplattformen bereitstellen, die die unterschiedlichen Standards unterstützen und mit der technischen Entwicklung migrieren können.

Portwell – »Kompakte Rechner liegen im Trend«

Herr Ahne, Software ist für Embedded-Systeme essenziell. Welche Kriterien stellen Sie im Jahr 2021 an die Software?

Nicht wir als Hardware-Hersteller setzen die Kriterien. Diese kommen von unseren Kunden, bei denen Hard- und Software zu einem System wird. Jedoch unterstützen und beraten wir unsere Kunden, wenn es darum geht, Systeme (Hard- und Software) optimal zu konfigurieren. Gerne helfen wir ebenso bei der Beschaffung und Betriebssystemkonfiguration. Unser Ziel ist, den Kunden bestmöglich zu unterstützen, immer getreu dem Motto – alles kann, nichts muss.

Peter Ahne ist Director Marketing Europa bei der Posiflex Gruppe
© Posiflex | Portwell

Peter Ahne ist Director Marketing Europa bei der Posiflex Gruppe.

Security-Aspekte werden oft unterschätzt. Wie sehen Sie das und wie gewährleisten Sie die Sicherheit Ihrer Produkte?

Security ist ein spannendes, jedoch auch schwieriges Thema. Aktuell setzen wir auf die meist verbreitete und einfach zugängliche Trusted Platform Module (TPM)-Technik. Ebenfalls gilt hier: Der Kunde hat die Option, TPM mit entsprechender Softwareunterstützung einzusetzen. Wir unterstützen ihn dabei, jedoch ist es seine Entscheidung in welchem Umfang er das in Anspruch nimmt. Zusätzlich zu TPM bieten wir unseren Kunden Features wie SecureBoot an – wir unterstützen ebenfalls beim Implementieren in sein System.

Ein wichtiger Punkt ist jedoch nicht allein die Sicherheit des Systems, sondern ebenfalls die Vertrauenswürdigkeit des Herstellers. Portwell entwickelt und produziert selbst – die Module, Boards und Systeme sind alle 100 Prozent »Made in Taiwan«. Unsere Entwicklung und Produktion erfüllen hierbei hohe Sicherheitsstandards und unsere Lieferanten unterliegen strengen Kontrollen.

Welche Trends im Embedded-Computing sehen Sie im kommenden Jahr?

Der Trend nach kompakteren Rechnern wird weiter anhalten. Bei x86-basierten Anwendungen werden diese vor allem vom neuen Intel Atom Prozessor – Elkhart Lake – angefeuert. Bei Arm-basierten Systemen ist die NXP i.MX8-Prozessor-Familie sehr angesagt. Gerade wenn sich Kunden für Linux als Betriebssystem entscheiden, kommt Arm immer stärker ins Spiel. Kompakte Rechner sind allerdings nicht allein in der Einstiegsklasse gefragt, der Trend zum kompakten Gerät wird ebenso bei leistungsstarken Rechnern anhalten. Als physikalische Grenze sind hierbei die Maße der Anschlüsse entscheidend. Jedoch werden diese ebenfalls zunehmend kompakter und leistungsfähiger, so zum Beispiel mit USB-C.

Phytec – »Jede Krise birgt ebenfalls Chancen«

Herr Berghoff, setzt sich der Trend rund um künstliche Intelligenz
aus dem letzten Jahr im neuen Jahr fort?

Ja, absolut. Aus dem bisherigen vagen Interesse an der neuen Technologie werden konkrete Projekte. Inzwischen können wir bei Phytec sogar Produkte anbieten. Sie sind in der Lage, die hohen Rechenanforderungen für die Algorithmen zu befriedigen. Was bislang eine Aufgabe für Spezialchips war, wird jetzt von einem speziellen Kern im eigentlichen Mikrocontroller erledigt.

Axel Berghoff leitet die Stabsstelle Großkundenakquise und ist Pressesprecher bei Phytec
© Phytec

Axel Berghoff leitet die Stabsstelle Großkundenakquise und ist Pressesprecher bei Phytec.

Unseren Kunden kommt gerade die Zeit- und Kostenersparnis zugute, die ihnen mit unserem neuen Modul auf Basis des i.MX8Mplus-Prozessors von NXP inklusive Softwareunterstützung entsteht. So werden Projektrealisierungszeiten verkürzt sowie konkrete An­wendungen im neuen Jahr in der Breite am Markt erscheinen.

Gerade im Bereich IoT werden Security-Aspekte immer wichtiger. Wie gewährleisten Sie die Sicherheit Ihrer Produkte?

Unsere Kunden profitieren von einem breiten Portfolio an Vorleistungen aus unserem Haus für die komplette Chain-of-Trust. Beispielsweise stehen Gateways als Fertiggeräte mit Trusted Platform Module (TPM)-Chips und implementierten Security-Mechanismen zur Verfügung. In unserem neuen Produktionszentrum in Mainz verfügen wir über geeignete räumliche und logistische Vorkehrungen für ein sicheres Handling von Kundenschlüsse

ln im Produktionsprozess. Unser umfassendes Software-Lifecycle-Management stellt Security-Patches zur Verfügung und schafft Sicherheit über frühzeitiges Wissen über mögliche Herausforderungen neuer Betriebssystemversionen. Außerdem regelt das Device Management gezielte Updates unterschiedlicher Gerätevarianten unserer Kunden unter deren Verantwortung und Kontrolle.

Wird der Embedded-Markt im Jahr 2021 noch stärker umkämpft sein, gerade aufgrund der Corona-Krise?

Ja – allerdings fühlen wir uns für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt. Jede Krise birgt ebenfalls Chancen. Wir haben mit Investitionen in Innovationen und kundennahen Angeboten gute Voraussetzungen geschaffen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. So war es in den Krisenjahren der Vergangenheit und so wird es ebenfalls dieses Jahr sein. Die Trends, die wir bereits jetzt sehen, bestätigen uns.

Apropos Trends: Welchen werden Sie im kommenden Jahr folgen?

Kontinuität, langfristiges Denken und Handeln, Berechenbarkeit und agiles Entwickeln von Anwendungen auf Basis moderner Technologien – das war schon immer unsere Leitlinie und wird es ebenfalls in diesem Jahr sein. Wir bauen konsequent die Breite unseres Angebots für unsere Kunden aus und übernehmen noch mehr Verantwortung. Sowohl im gesamten Entwicklungsprozess unserer Kunden, als auch beim Fulfillment.

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1. Kompakt, KI-fähig, kundenspezifisch
2. Diesen Trends folgen Congatec und Advantech

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