Studie des Öko-Institutes

Wir sind eine Wegwerfgesellschaft

27. Oktober 2015, 11:35 Uhr | Karin Zühlke
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Obsoleszenz hat viele Gesichter: Derzeit untersucht das Öko-Instituts und die Universität Bonn im Auftrag des Umweltbundesamtes in einer Studie die Lebensdauer von Consumer-Produkten und deren Auswirkungen auf die Umwelt.

Die ersten Ergebnisse belegen: Wir sind eine Wegwerfgesellschaft.

Immer neue Modelle von Smartphones, Tablets, Elektrogeräten im Haushalt, TV- und anderem Home-Entertainment, immer neue Hightech-Funktionen, immer neue Trend-Versprechen: Die ersten Zahlen der Analyse machen deutlich, dass bei Haushaltsgroßgeräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken und Wäschetrocknern der Anteil der Geräte, die aufgrund eines Defektes in den ersten Jahren ersetzt werden, gestiegen ist. Gleichzeitig tauschen jedoch viele Verbraucher noch funktionierende Geräte vorzeitig aus, weil sie sich von den neuen Modellen innovative Funktionen und einen Imagegewinn erhoffen.  Das zeigt sich besonders deutlich bei den Fernsehern: Während Röhrenfernseher in deutschen Haushalten etwa zehn bis zwölf Jahre liefen, werden moderne Flachbildschirme schon nach etwa fünf bis sechs Jahren ersetzt. Aber: Nur ein Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher kauft ein neues Gerät, weil das alte defekt ist. Im Jahr 2012 haben über 60 Prozent ihre noch funktionierenden Flachbildschirmfernseher durch ein noch besseres Gerät ersetzt. Und auch ein Drittel der großen Haushaltsgeräte werden ersetzt, obwohl sie noch funktionsfähig sind. Damit tragen sowohl Hersteller als auch Konsumentinnen und Konsumenten dazu bei, dass Produkte kürzer genutzt werden.

Langlebige Produkte schonen Umwelt und Klima

Der Vergleich von langlebigen zu kurzlebigen Notebooks verdeutlicht dies: Jährlich verursacht ein langlebiges Notebook rund 25 kg weniger Treibhausgase als die kurzlebige Variante. Die Analyse zeigt für Fernsehgeräte vergleichbare Zahlen: Ein einziges langlebiges TV-Gerät verursacht pro Jahr knapp 60 kg weniger Treibhausgase als ein kurzlebiges. Mit Blick auf die gesamten Verkaufszahlen, wonach allein in Deutschland im Jahr 2014 knapp 5,5 Millionen Notebooks und über 8 Millionen Fernsehgeräte verkauft wurden, wird die Dimension der gesamten möglichen Treibhausgaseinsparungen bei einer längeren Nutzung deutlich.

Anforderungen an die Qualität …

»Die Zahlen unserer Studie zeigen, dass wir im Sinne des Ressourcen-, Klima- und Umweltschutzes Mindestqualitäts- und Haltbarkeitsanforderungen an die Produkte stellen müssen«, schlussfolgert Siddharth Prakash, Projektleiter am Öko-Institut, dann würden die Hersteller gefordert sein, die erwartete Lebensdauer ihrer Produkte transparent zu machen. Einschränkend fügt er hinzu, dass eine Lebensdauerangabe voraussetze, dass die Produktlebensdauer vergleichbar gemessen und durch die Marktaufsichtsbehörden verlässlich überprüft werden kann. Solche Messungen sind jedoch noch nicht für jede Produktgruppe möglich oder in angemessenem Zeitaufwand durchführbar. Jedoch könnten Mindestanforderungen an Qualität und Reparierbarkeit bzw. Informationsanforderungen an besonders kostenrelevante oder störanfällige Komponenten ein erster wichtiger Schritt sein. Dazu gehört auch eine Information, falls ein Bauteil nur für eine bestimmte Belastung ausgelegt und nicht auswechselbar ist. Dies könnte beispielweise die EU-Ökodesign-Richtlinie festschreiben.

… und verantwortliche Nutzung 
verlängern die Lebensdauer von Geräten

Strategien gegen Obsoleszenz sollten auch Anreize für private und öffentliche Verbraucher schaffen, einmal angeschaffte Geräte länger zu nutzen. Die Politik kann auch hierfür beispielsweise über Verbraucherinformationen und Vorgaben zur Reparaturfähigkeit sowie Ersatzteilverfügbarkeit Rahmenbedingungen setzen. »Neben den Standards für eine Mindestlebensdauer müssen hochwertige Produkte in jedem Fall länger genutzt werden, denn werden sie vorzeitig ersetzt, kann es aus ökologischen Gesichtspunkten zu negativen Wirkungen kommen«, so Prakash. »Denn für erstklassige Modelle werden hochwertige Materialien verwendet, Ersatzteile müssen hergestellt und für mehrere Jahre vorgehalten werden, es sind aufwändige Lebensdauerprüfungen notwendig.«

Die „Obsoleszenz-Studie“ des Öko-Instituts 

Die Studie „Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen Obsoleszenz“ soll im Auftrag des Umweltbundesamtes eine fundierte Datengrundlage zur Beschreibung und Beurteilung der Erscheinung „Obsoleszenz“ schaffen und darauf aufbauend Strategien gegen Obsoleszenz entwickeln. Die Studie wird Ende Januar 2016 veröffentlicht.


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