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Kommentar

"Wird´s besser, wird´s schlimmer"?

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Karin Zühlke, Leitende Redakteurin, Cluster Electronics
© WEKA Fachmedien

Erstmals seit Pandemiebeginn haben wir wieder live die Herausforderungen der Elektronikdienstleister beim EMS-Forum diskutiert. Beschäftigt hat uns u. a. die Frage nach der Liefersituation und der Zukunft der Fertigung in Europa.

„Wird’s besser wird’s schlimmer? fragt man alljährlich (…)“, sicher kennen Sie den viel zitierten Vers aus Erich Kästners Gedichtzyklus „13 Monate“, der sich den alljährlich wiederkehrenden und unabänderlichen Herausforderungen des täglichen Lebens widmet. Alle, die sich im (Berufs-) Leben mit der Lieferkette auseinandersetzen, dürften sich nun, da das dritte Quartal 2021 zu Ende ist, über diese Frage intensiv Gedanken machen. Antwort? Ungewiss …

Natürlich hat uns die Frage nach der Liefersituation auch in unserem EMS-Forum beschäftigt. Wir haben uns zwar in kleinerem Rahmen als vor der Pandemie, aber immerhin wieder live zur Diskussionsrunde rund um die aktuellen Herausforderungen der Elektronikfertigung in Mitteleuropa getroffen. Der Live-Austausch hat allen gut gefallen, auch wenn die Teilnehmer für einige Bereiche die Möglichkeit von Online-Meetings nicht mehr missen wollen. Insofern wird sich die Arbeitswelt für die Elektronikdienstleister auch nachhaltig verändern.

Positiv berichten die Diskussionsteilnehmer, dass die logistischen Kapriolen einige Firmen zum Umdenken bewegen, für den Bedarf in Europa auch wieder in Europa zu fertigen. Die Kehrseite der Medaille: Wer zwei Jahre im Voraus planen muss, dem können lange Transportzeiten schon fast egal sein. Das ist freilich eher eine theoretische Diskussion. Kaum ein Industrieunternehmen wird seine Bedarfe für die nächsten 24 Monate genau avisieren können. Das wissen wir allerspätestens seit Beginn der Corona-Pandemie in Europa. Von einem Tag auf den anderen war fast nichts mehr wie vorher und sämtliche Forecasts wurden damit obsolet.
Bedenkt man, dass wir uns 2020 in der dramatischsten Krise seit dem 2. Weltkrieg befunden haben, so ist der wirtschaftliche Aufschwung erstaunlich schnell vonstatten gegangen. Über prall gefüllte Auftragsbücher darf sich auch die EMS-Industrie freuen! Wäre da nicht das Materialproblem.

Aber um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Wie sich die Supply Chain in Richtung Jahresende und darüber hinaus präsentiert, ist momentan nur schwer einzuschätzen. Seien wir ehrlich: So ganz reibungslos klappt es in den letzten Jahren eigentlich selten in der Lieferkette –Vulkanausbruch, Erdbeben, … – irgendwas ist immer. Und am Ende kommen wir in sämtlichen Diskussionen immer wieder zum selben Schluss: Der Bedarf von Europas Industrie ist zu unbedeutend, als dass er im globalen Ringen um die Ware eine maßgebliche Rolle spielen könnte. Das bekommt seit Monaten bekanntlich die Auto-Industrie zur Genüge und sehr öffentlichkeitswirksam zu spüren. Allerdings sind die Automobil-OEMs selbst auch nicht unschuldig an der Situation: Wer in punkto Zulieferteile (und dazu zählen nun eben auch die elektronischen Komponenten) buchstäblich von der Hand in den Mund lebt und das Risiko zum Großteil auf die Lieferkette(n) abwälzt - im Fachjargon heißt das euphemistisch "Just-in-Time/Just-in-Sequence-Belieferung" - braucht sich über den Mangel nicht zu wundern. Ausbaden müssen die Situation nun die Zulieferer und deren Angestellte - und am Ende die Kunden.

Trotz aller Herausforderungen in der Lieferkette und darüber hinaus: Nur den Humor nicht verlieren! Denn der ist der „Regenschirm der Weisen“; zumindest wenn es nach Erich Kästner geht.

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