GPV fusioniert mit Enics

»Mit Enics der zweitgrößte Elektronikhersteller Europas«

31. Oktober 2022, 14:36 Uhr | Karin Zühlke
GPV
Bo Lybaek, GPV: »Wir streben einen raschen Zusammenschluss am Markt an - das steht bei uns gezielt im Mittelpunkt. Diese Aufgabe gehen wir mit großem Respekt an, arbeiten aber auch zielgerichtet darauf hin, gemeinsam eines der führenden EMS-Unternehmen in Europa zu schaffen.« / Thomas Kaiser, GPV: »Enics konzentriert sich stark auf die Elektronikproduktion und ist hier sehr gut aufgestellt, während die GPV neben Elektronik auch Produktdesign, eigene Mechanik und Kabelbaumproduktion zu ihren Stärken zählt.«
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Im August konnte GPV mit einem Umsatz von rund 286 Millionen Euro eine Rekordbilanz für das erste Halbjahr 2022 vorlegen, ein Plus von 43 Prozent gegenüber 2021. Und der Zusammenschluss mit dem Elektronikdienstleister Enics dürfte das Wachstum weiter beflügeln.

 Warum die beiden Firmen gut zusammenpassen, erläutern GPVs CEO Bo Lybaek und EVP Thomas Kaiser.

Markt&Technik: Wie ist das Jahr für die GPV bisher insgesamt verlaufen?

Bo Lybaek: Wir sind mit unserem starken organischen Wachstum in den vergangenen zwölf Monaten sehr zufrieden. Die Umsatzsteigerung ist teils auf Preiserhöhungen in der gesamten Wertschöpfungskette und die solide Nachfrage seitens unserer Bestandskunden, teils aber auch auf neue Kunden zurückzuführen, die sich insbesondere aufgrund unserer Service-Exzellenz und unseres markanten Nachhaltigkeitsprofils für uns entschieden haben. In diesen Bereichen wollen wir eine Vorreiterrolle einnehmen und werden unsere diesbezüglichen Bemühungen in den kommenden Jahren weiter verstärken, vorangetrieben von unserem ehrgeizigen Ziel einer 50-prozentigen CO2-Reduzierung bis 2050, gemessen an unserer Ausgangsbasis 2020.

Auch unter dem Strich hat sich das Jahr 2022 besser entwickelt als erwartet. Im ersten Halbjahr 2022 hat das Unternehmen einen Gewinn bzw. ein EBITDA von rund 25 Mio. Euro erwirtschaftet, gegenüber etwa 20 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2021. Das ist ein Anstieg um 24 Prozent.

Und welches Bild zeichnet sich speziell in der Region D/A/CH ab?

Thomas Kaiser: An allen Märkten und in allen Segmenten, und damit auch in der DACH-Region, wo viele unserer langjährigen Kunden ansässig sind, verzeichnen wir ein solides Wachstum.

Was hat jüngst den Ausschlag dafür gegeben, dass GPV durch den Zusammenschluss mit Enics weiter expandiert?

Lybaek: Enics und GPV passen gut zusammen, und beide Unternehmen werden von den Stärken des anderen profitieren. Enics konzentriert sich mit einer robusten und überaus bewährten Betriebsstruktur und einem gut entwickelten Testsystem auf die Elektronikproduktion, während GPV neben Elektronik auf Produktdesign, eigene Kabelbaumproduktion und Mechanik spezialisiert ist. Wir erzielen solide Erfolge mit unseren Box-Build-Mechatronikprodukten, einem Bereich, in dem wir ein starkes Zukunftspotenzial sehen, dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf den bestehenden Kundenstamm von Enics. Durch den Zusammenschluss können wir unseren Kunden vermehrt Komplettlösungen anbieten und dem Unternehmen an einem sich schnell verändernden EMS-Markt somit eine erfolgreiche Entwicklung sichern.

Kaiser: Wir sind an vielen der gleichen Märkte tätig; auch das ist ein Vorteil. Enics betreibt über sieben Produktionsstätten in China, Estland, Finnland, Malaysia, der Slowakei und Schweden, während GPV über insgesamt zwölf Produktionsstandorte in Dänemark, der Schweiz, Deutschland, Österreich, Sri Lanka, Thailand, Mexiko und der Slowakei verfügt. Im Rahmen der Gespräche zwischen Enics und GPV hat sich die Möglichkeit einer gegenseitigen Nutzung unserer jeweiligen Kompetenzen immer deutlicher herauskristallisiert, und auch die Unternehmenskulturen der beiden Unternehmen passen gut zueinander – für beide birgt der Zusammenschluss kurz- und langfristig Vorteile.

Ist der Zusammenschluss mit Enics nun vollständig abgeschlossen, liegen alle kartellrechtlichen Genehmigungen vor?

Lybaek: Aktuell haben die Wettbewerbsbehörden den Zusammenschluss noch nicht genehmigt, und wie bei Bekanntgabe der Transaktion im Juni 2022 mitgeteilt gehen wir davon aus, dass es einige Monate dauern wird, bis die Genehmigung vorliegt. Das Genehmigungsverfahren dürfte jedoch problemlos verlaufen.

Die GPV ist durch die Übernahme von CCS bereits in die Top Ten in Europa aufgestiegen. Wo steht die Unternehmensgruppe heute?

Lybaek: Zusammen mit Enics werden wir der zweitgrößte Elektronikhersteller in Europa sein. Wir haben uns das strategische Ziel vorgegeben, bis 2026 auf 1,4 Mrd. Euro zu wachsen. Angesichts der Stärke beider Unternehmen sehen wir das als realistisches Ziel. Nach dem Zusammenschluss werden wir über ein einzigartiges, überaus hochwertiges Leistungsangebot verfügen. Und das stimmt uns überaus zuversichtlich, trotz der Unwägbarkeiten im heutigen Geschäftsumfeld, die sowohl für uns als auch die Branche eine Herausforderung darstellen.

Welche Rolle spielt die Größe eines Konzern im EMS-Segment?

Kaiser: In der EMS-Branche spielt die Größe tatsächlich eine wichtige Rolle. So etwa ist eine starke Präsenz in Asien, Europa und Nord- und Südamerika von entscheidender Bedeutung. Und angesichts der aktuellen Regionalisierungstendenzen wird diese Präsenz künftig noch schwerer ins Gewicht fallen. Deshalb gilt es in den kommenden Jahren vor allem, von den jeweiligen Stärken des anderen zu profitieren. Enics ist branchenweit führend beim Design, der Produktion und der Entwicklung von Testsystemen für einige der größten Kunden weltweit. GPV ist ein EMS-Komplettanbieter mit gezielter und starker Marktausrichtung und spezialisiert in der Handhabung von High-Mix-Produktportfolios, Produktdesign und -entwicklung. Unter einem Dach vereint sind wir ein noch stärkerer Spieler.

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