Hackathon der Bundesregierung #WirvsVirus

Hackathon der Bundesregierung; #WirvsVirus

Der Hackathon der Bundesregierung ging viral. Die kreativen Ergebnisse im öffentlichen Kampf gegen COVID-19 waren ansteckend: Designer, Entwickler und Programmierer fanden Lösungen zur Corona-Krise. Teams, auch außerhalb des Hackathons, konnten sich bis zum 2. April auf eine Förderung bewerben.

Fast 43 Tausend angemeldete TeilnehmerInnen unterschiedlichen Alters und aus vielen Bereichen der Gesellschaft, die an 48 Problemstellungen Tag und Nacht arbeiteten, bildeten die Grundlage des Massen-Hackathons, vom 20. bis 22. März. Zuvor hatte das Organisationsteam (bestehend aus Code for Germany, Initiative D21, Impact Hub Berlin, project together, Prototype Fund, Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und Tech4germany) vor dem Start des Hackathons mit 30 Freiwilligen aus den vorab gesammelten 1.900 Herausforderungen die besten 588 Problemfälle extrahiert und in ein Schema mit 48 Problemfällen gepresst. Meist genannt waren medizinische Versorgung, Krisenmanagement für Unternehmen und digitales Lernen.

Social distanced Hacking

Wie lässt sich das Abstandhalten im Alltag in den nächsten Wochen besser realisieren? Wie können Menschen aus der Risikogruppe beim Einkaufen unterstützt werden? Wie können die bundesweiten Kapazitäten an Krankenhausbetten auf einer Plattform gebündelt werden? Der #WirvsVirus-Hackathon der Deutschen Bundesregierung war ein Paradebeispiel für eine fluide und flexible Organisationsform, die vom Koordinationsmechanismus der gegenseitigen Abstimmung profitiert. Aufgaben zu verteilen und zuzuweisen sowie Informationen bereitzustellen verlangt nach kreativem und spontanem Agieren in der virtuellen Gruppe, die eine flexible Struktur geradezu provoziert. Ein perfektes Umfeld für Persönlichkeiten vor dem Bildschirm, die in Corona-Zeiten daheim ihren Ideen am PC freien Lauf lassen können. Auch die Bundesregierung, vertreten durch Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, begleitete die zahlreichen TeilnehmerInnen.

Digitale Kommunikation gegen Corona

Das Organisationsteam hat die Herausforderungen vorab veröffentlicht und jede dieser Herausforderungen wurde von ein bis drei ModeratorInnen begleitet. Darüber hinaus gab es außerdem 2.922 MentorInnen, deren Aufgabe es war, einzelne Teams mit ihrer Expertise zu unterstützen. Ein Zeichen setzend gegen Corona galt es, proaktiv, flexibel und kreativ das Wochenende zu nutzen, über eine Teambildung dann die Herausforderungen und Lösungen virtuell zu erarbeiten und mit Video-Pitch und Eintrag in Devpost bis Sonntagnacht zu finalisieren. Vier Check-in Live-Youtube-Calls waren die Meilensteine, die diesen Event strukturiert haben.

Im Gegensatz zur Industrie, die in der derzeitigen Situation fast ohnmächtig scheint, geht der Hackathon - unabhängig von gefährdetem Produktionsumfeld, Shutdown und weiteren Pandemiebefürchtungen - in Digitalisierung sowie Motivation und Inspiration auf. Das Ziel des Events war es, digitale Lösungsansätze zu verifizieren und erarbeiten, mit denen sich, die durch den Virus hervorgerufenen Probleme mildern und lösen lassen.

Symptome systematisch verfolgen per App

Wie man tatsächlich „gruppendynamisch on the web“ Ergebnisse gegen COVID-19 erzielt hat und mit Software und kreativer Hartnäckigkeit dabei gewesen ist, demonstriert die 30-köpfige Gruppe um den sogeannten Symptom Tracker. Mit der während des Hackathons entwickelten App können Patienten und Ärzte, die Symptome einer Corona-Infektion systematisch verfolgen. Die von ITQ, einem unabhängigen Dienstleistungsunternehmen für Software- und Systems Engineering in Garching bei München, eingereichte Challenge hat bewiesen, wie das Arbeiten in remote-verteilten Teams funktioniert.

Arbeitsentlastung durch ein digitales Tool: Der Symptom Tracker ermöglicht, den bereits positiv getesteten COVID-19-Patienten sowie Verdachtsfällen, das Tracking der COVID-19-Symptome in einer Art Tagebuch. Daraus ergibt sich für den Patienten ein Überblick des Krankheitsverlaufs. Auch Ärzte und Gesundheitsämter werden durch die digitale Erfassung der Symptome deutlich entlastet. Behördliche Kontrollanrufe lassen sich durch den Aufruf eines Dashboards ersetzen. Beiden Seiten – Patient und Gesundheitsamt – gewährt man somit einen digitalen Einblick entweder per Website oder mobiler App. Situationsbedingt hilft man Behörden an Notruftelefonen, verkürzt die Wartezeiten von Testprozessen und kann somit Betroffenen die Unsicherheit nehmen.

Digitale Zusammenarbeit auch nach Corona

Unter den eingereichten Vorschlägen befindet sich auch ein Lösungsansatz der Gruppe IndustryvsVirus.  Die ursprüngliche Idee dieser Gruppe war es Beatmungsgeräte mit den freien Kapazitäten der Industrie zu fertigen. Auf einer LinkedIn-Gruppe wurden während des Hackathons bereits Experten aus unterschiedlichen Bereichen involviert. Diese wurde schnell weiterentwickelt zu folgender Idee:  Auf einer sogenannten Marketplace & Collaborations-Plattform werden Bedarfe von Unternehmen und Behörden in Zusammenhang zunächst mit Fokus auf CoVid-19 mit Angeboten aus der Industrie (z.B. Fertigungskapazitäten von Komponenten), Wissen von Experten, potentiellen Lieferanten oder Herstellern synchronisiert. Weiterhin sollen dort auch Informationen wie Teilespezifikationen, und Bauanleitungen zu finden sein. Es sollen neue regionale und nationale Supply Chains und Netzwerke entstehen. Zusammenarbeit ist wichtig, nicht nur in Zeiten von Corona, sondern zu jeder Zeit, um Innovationen voranzutreiben. Die Initiative Bayern Innovativ greift dem Projekt mit seinem Netzwerk nachhaltig unter die Arme und unterstützt mit Kontakten aus den Clustern Automotive und Medizintechnik, um das gemeinsame Vorgehen zu verstärken und freie Kapazitäten in der Produktion beispielsweise der Automobilzulieferindustrie und Komponentenfertigern zu nutzen.

Die Bundesregierung sowie die Organisatoren haben mittlerweile die Projekte gesichtet und 20 Gruppen in der Youtube-Playliste prämiert, wobei alle Projekte auf Youtube inhaltlich abgebildet sind. Das Interesse an #WirVsVirus ist auch bei den Regierungen anderer Länder groß. Nach Angaben der Bundesregierung haben sich bereits sieben weitere Länder gemeldet, die in den kommenden zwei Wochen einen Hackathon unter dem Titel #WirvsVirus beziehungsweise #WevsVirus organisieren wollen. Geplant seien ähnliche Aktionen in Indien, Schweiz, Belgien, Kanada, Argentinien, Kolumbien und Brasilien.

 

Wie geht es weiter?

Die Dringlichkeit der Herausforderungen fordert eine schnelle Umsetzung der relevantesten Lösungen, damit sie schnell für die Menschen nutzbar werden, die sie am meisten brauchen.
Die Organisatoren starten deshalb das unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes stehende #WirVsVirus Solution Enabler Programm. Neben den Top 20, die direkt einen Platz im sogenannten Solution Enabler Programm erhalten haben, konnten sich bis Donnerstagabend, den 2. April 2020 weitere Teams aus dem Hackathon sowie weitere Lösungen, die außerhalb des Hackathons entstanden sind, bewerben. Ziel des Solution Enabler Programms ist es, Lösungen schnell umzusetzen und breitflächig zugänglich zu machen. Bereits ab kommender Woche werden 100 bis 150 Teams bei der Umsetzung unterstützt. Alle Details zum Solution Enabler sind hier zu finden.