Nach Datenpanne Todesstoß für »Google Plus«

Zwei Männer gehen an den Büros von Google vorbei. Eine Software-Panne beim Online-Netzwerk Google Plus hat App-Entwicklern unberechtigten Zugang zu einigen privaten Nutzerdaten gewährt.
Zwei Männer gehen an den Büros von Google vorbei. Eine Software-Panne beim Online-Netzwerk Google Plus hat App-Entwicklern unberechtigten Zugang zu einigen privaten Nutzerdaten gewährt.

Schon vor einem halben Jahr gabe es eine Datenleck bei »Google Plus«, das erst jetzt öffentlich wurde. Als Konsequenz will Google den Dienst für Verbraucher schließen.

Ein Softwarefehler beim Online-Netzwerk Google Plus hat App-Entwicklern unberechtigten Zugang zu privaten Nutzerdaten gewährt. Die Entwickler hatten Zugriff auf Namen, E-Mail-Adresse sowie Informationen über Beschäftigung, Geschlecht und Alter gehabt, räumte Google am Montag ein. Zugleich kann Google den Kreis der betroffenen Nutzer nicht genau eingrenzen. Potenziell könnten Profile von bis zu 500 000 Konten bei Google Plus betroffen sein, erklärte der Internet-Konzern  Der Fehler sei im März 2018 entdeckt und umgehend behoben worden, hieß es. Die Lücke bestand aber bereits seit 2015, wie als erstes das »Wall Street Journal« berichtete.

Der Konzern habe sich im März dagegen entschieden, die Öffentlichkeit gleich über die Entdeckung zu informieren. Ein Faktor sei die Sorge vor erhöhter Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden gewesen – die Google jetzt gewiss sein dürfte. In der EU schreibt die Ende Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung strikt vor, Betroffene zu informieren.

Totgeburt als Facebook-Konkurrenz

Das soziale Netzwerk »Google Plus« wurde 2011 als Konkurrenz zu Facebook eingeführt, konnte sich allerdings nie durchsetzen. Zwar hatte Google Plus schnell eine hohe Anzahl von Teilnehmern, aber der Spruch war: »Jeder hat es, niemand nutzt es,« weil die Zahl der Interaktionen schon immer gering war. Auch Google bestätigt, dass der Dienst kaum genutzt wird – und 90 Prozent der Interaktionen dauerten weniger als fünf Sekunden. Nun soll als eine der Konsequenzen aus dem Datenleck der Plus-Dienst bis August kommenden Jahres für Verbraucher geschlossen werden.

Einschränkungen für Android-App-Entwickler

Größere Auswirkungen für Verbraucher dürften die Änderungen beim Mobil-Betriebssystem Android haben. Die Nutzer werden präziser bestimmen können, welche Daten sie mit einer App teilen wollen, wie Google ankündigte. Grundsätzlich würden weniger Apps Zugriff auf Anruflisten und SMS-Daten bekommen.

Außerdem werde auch der Zugriff von App-Entwicklern auf die E-Mails in Googles GMail-Dienst stärker eingeschränkt. Das »Wall Street Journal« hatte im Sommer berichtet, App-Entwickler verwendeten zum Teil E-Mails von Nutzern, um Algorithmen etwa für automatische Antworten zu trainieren. Das hatte für Kritik gesorgt.

Dem »Wall Street Journal« zufolge wiesen Googles Juristen das Top-Management nach Entdeckung der Schwachstelle darauf hin, dass eine Offenlegung vermutlich »sofortiges Interesse von Regulierern« und Vergleiche mit dem Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica auslösen würde. Ein internes Gremium habe entschieden, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, Google-Chef Sundar Pichai sei darüber informiert gewesen. Ein Google-Sprecher sagte der Zeitung, ausschlaggebend bei solchen Entscheidungen sei unter anderem, ob es Hinweise auf Missbrauch gebe und ob man betroffene Nutzer identifizieren könne.

Schnittstellen für App-Entwickler hatten auch eine zentrale Rolle in dem Mitte März ausgebrochenen Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica gespielt. Das Online-Netzwerk erlaubte es App-Entwicklern bis 2015, auch auf Daten von Freunden eines Nutzers zuzugreifen.