Deutsche Bauelementedistribution Zweistelliges Minus droht

Georg Steinberger, FBDi
»Wenn wir als Handel in der Zukunft eine vernünftige Rolle spielen wollen, müssen wir unser Geschäftsmodell permanent hinterfragen und optimieren.«
Georg Steinberger, FBDi: »In keinem Land Europas oder keinem der OECD-Länder ist die Stimmung so mies wie in Deutschland, obwohl die Konjunktur bei weitem noch nicht so schlecht ist.«

Deutsche Bauelemente-Distribution schrumpft laut Fachverband Bauelemente-Distribution im dritten Quartal 2019 um 12,6 Prozent. Auch die Aufträge gehen zurück.

Im Gleichschritt mit dem allgemeinen Komponentenmarkt und der Konjunktur in Deutschland ging der Umsatz in der deutschen Bauelementedistribution im letzten Quartal deutlich zurück. Der Umsatz der im Fachverband Bauelemente-Distribution (FBDi e.V.) organisierten Distributionsunternehmen ging um 12,6 Prozent auf 808 Millionen Euro zurück. Die Aufträge schrumpften um 34 Prozent auf 674 Millionen Euro. Damit fällt die Book-to-Bill-Rate auf einen historisch niedrigen Wert von 0,83.

Am stärksten unter dem Umsatzrückgang litten die Halbleiter (-13,3 % auf 566 Millionen Euro) und die Elektromechanik (-14,6 % auf 87 Millionen Euro), dagegen konnten sich Passive Bauelemente mit -8,1 Prozent und 103 Millionen Euro Umsatz noch halbwegs behaupten. Stromversorgungen schrumpften um 11,5 Prozent, Displays um 13 Prozent, Baugruppen und Systeme um 10,9 Prozent. Sensoren dagegen wuchsen erneut, dieses Mal um 8,7 Prozent. An der Marktverteilung änderte sich nichts: Halbleiter 70 Prozent, Passive 13 Prozent, Elektromechanik 11 Prozent, der Rest kam zusammen auf 6 Prozent.

Miese Stimmung in Deutschland

»Der erwartete Umsatzrückgang im Sommerquartal ist leider etwas stärker ausgefallen. Ein solches Minus zeigte sich zum letzten Mal in der Zeit der Bankenkrise von 2008. Tendenziell blicken wir auf eine Mischung von drastisch reduzierten Lagerbeständen, Übervorsicht bei der Planung und konjunkturelle Bremsspuren in den Zielmärkten unserer Kunden. 2019 droht damit ein zweistelliges Minus in unserer Branche«, erklärt FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger. Ein großes Problem identifiziert Steinberger in der übergroßen »deutschen« Skepsis: »In keinem Land Europas oder keinem der OECD-Länder ist die Stimmung so mies wie in Deutschland, obwohl die Konjunktur bei weitem noch nicht so schlecht ist.«

Von Januar bis Oktober sei der PMI (Production & Manufacturing Index von IHS Markit) von gut 50 auf 41,7 Punkte gefallen – 50 gilt als Schwelle zwischen Abschwung und Aufschwung. Selbst in einem krisengeplagten Land wie Italien sei die Stimmung weitaus besser. Oder in Großbritannien.

Zudem sei Deutschland derzeit nicht sehr innovativ im Umgang mit einer klimagerechteren Infrastruktur. »Die Energiewende, ein möglicher Technologietreiber, hat seit 2011 nicht nur nicht stattgefunden, sondern wird regelrecht verhindert. Das hilft der deutschen Hightech-Industrie nicht, Klimaziele werden verfehlt und Deutschland droht den Anschluss in punkto Umweltschutz zu verlieren.«

Positiver Trend für 2020?

Wenigstens für die Bauelementebranche sieht der FBDi nach Meinung von Steinberger Lichtblicke: »2019 ist sicherlich schlechter ausgefallen als erwartet, aber wir rechnen – aller Skepsis und der politischen Lähmung zum Trotz - mit einem positiven Trend im nächsten Jahr und einer Rückkehr zu alter Stärke in 2021. Der Aufschwung beginnt im Kopf.«