Bosch Jahresbilanz 2019 Umsatz flach, Ergebnis fast halbiert

Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH: »Die Konjunkturschwäche und der starke Einbruch der Automobilproduktion haben  auch bei Bosch Spuren hinterlassen«.
Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH: »Die Konjunkturschwäche und der starke Einbruch der Automobilproduktion haben auch bei Bosch Spuren hinterlassen«.

Der Bosch-Konzern konnte im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz bei 77,9 Mrd. Euro stabilisieren, allerdings trübte das widrige konjunkturelle Umfeld das Ergebnis mit einem Minus von 45 Prozent.

Die in Stuttgart ansässige Bosch-Gruppe konnte 2019 trotz Konjunkturschwäche in der Automobilbranche das hohe Umsatzniveau des Vorjahres halten. Nach vorläufigen Zahlen erzielte das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen 2019 einen Umsatz von 77,9 Mrd. Euro. Die Erlöse entsprechen damit dem Vorjahreswert, gaben wechselkursbereinigt jedoch um 1,1 Prozent nach. »Die Konjunkturschwäche und der starke Einbruch der Automobilproduktion haben zwar auch bei Bosch Spuren hinterlassen«, räumte Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, anlässlich der Vorstellung der vorläufigen Geschäftszahlen ein. »Die breite Aufstellung des Unternehmens wirkt angesichts dieser Herausforderungen stabilisierend und hilft, bestehendes Geschäft auszubauen und neues zu erschließen. Trotz der herausfordernden wirtschaftlichen Lage investieren wir weiter in wichtige Wachstumsfelder.« Alleine in diesem Jahr will Bosch mehr als eine Milliarde Euro für die elektrifizierte, automatisierte und vernetzte Mobilität der Zukunft aufwenden.

EBIT bricht auf 3 Mrd. Euro ein

Im Geschäftsjahr 2019 lag das Ergebnis (EBIT) bei rund 3 Mrd. Euro, ein Minus von 45 Prozent gegenüber 5,4 Mrd. Euro im GJ 2018. Die EBIT-Rendite liegt damit voraussichtlich bei knapp 4 Prozent vom Umsatz. Die rückläufige Automobilproduktion insbesondere in den wichtigen Märkten China und Indien, weiter gesunkene Diesel-Nachfrage bei Pkws, hohe Restrukturierungskosten vor allem in der Mobilitätssparte sowie steigende Vorleistungen für Zukunftsprojekte belasteten das Ergebnis. »Das laufende Jahr bleibt für viele Unternehmen herausfordernd, insbesondere in der Automobilbranche und im Maschinenbau – und somit auch für Bosch«, erklärte Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. »Dennoch wollen wir auch 2020 in den für uns wichtigen Branchen und Regionen stärker als die Märkte wachsen«, betonte Asenkerschbaumer. Zudem werde Bosch weiterhin konsequent an seiner Ertragskraft arbeiten und Produktionskapazitäten anpassen müssen.

Globale Automobilproduktion schrumpft das dritte Jahr in Folge

»Die Mobilität von morgen wird nicht nur elektrifiziert und automatisiert sein, sondern auch vernetzt und personalisiert«, erklärte Denner. Aufgrund seines vielfältigen Portfolios sei Bosch wie kaum ein anderes Unternehmen auf die verschiedenen Szenarien und Entwicklungen vorbereitet. Der Weg zur Mobilität der Zukunft stellt die Automobilbranche aus Sicht von Denner allerdings vor zentrale Herausforderungen. Erstens verhinderten emotionale Debatten um das Auto eine faktenorientierte, differenzierte Sicht auf den Straßenverkehr. Zweitens benötige die Branche mehr Zeit, um den Wandel zu bewerkstelligen. Denner betonte: »Vor allem bei der Beschäftigung könne ein so fundamentaler Veränderungsprozess wie der zur Elektromobilität nicht von heute auf morgen gelingen.« Und drittens verschärfe die Konjunktur den strukturellen Veränderungsbedarf der Branche. Bosch rechnet damit, dass die globale Automobilproduktion 2020 das dritte Jahr in Folge schrumpfen wird. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr einen weiteren Rückgang von 2,6 Prozent auf weltweit noch rund 89 Mio. Fahrzeuge – gegenüber 2017 fast 10 Mio. Einheiten weniger. Bosch stellt sich auf ein gleichbleibendes Niveau in den kommenden Jahren ein und rechnet nicht vor 2025 mit einer Steigerung der globalen Automobilproduktion.
Das Unternehmen will seine Kostenstrukturen und die Beschäftigung möglichst sozialverträglich an die drastischen Veränderungen und Überkapazitäten der Branche anpassen. »Entsprechende Vereinbarungen sind gemeinsam mit den Sozialpartnern bereits an großen Standorten wie Bamberg, Schwieberdingen und Stuttgart-Feuerbach gelungen«, sagte Denner. Ziel sei ein differenziertes Vorgehen, um individuelle Wachstumschancen der Standorte zu bewahren und möglichst viele Mitarbeiter mit ihren Kompetenzen im Unternehmen zu halten.

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Boschbilanz 2019

Bei Umsatz auf Vorjahresniveau brach das Ergebnis fast um die Hälfte ein.

Weltweiter Personenverkehr wächst bis 2030 um 50 Prozent

»Die Mobilitätswende bringt nicht das Mobilitätsende – schon gar nicht das Ende des Autos«, stellte Denner fest. Bosch stelle sich auf dem Weg zum führenden Anbieter für Mobilitätslösungen weiterhin stark auf. »Der fundamentale Umbruch der Automobilbranche birgt große Chancen für Bosch«, so Denner. Dazu zähle der künftig steigende Mobilitätsbedarf. Um fast 50 Prozent soll laut dem Weltverkehrsforum ITF bis 2030 der weltweite Personenverkehr gegenüber 2015 ansteigen. »Das Auto bleibt auf absehbare Zeit Verkehrsmittel Nummer eins – mit besten Voraussetzungen, ein noch sichereres, komfortableres und klimafreundlicheres Verkehrsmittel zu werden«, erklärte der Bosch-Chef. Auch neue Technologien wie das Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz (KI) oder die Brennstoffzelle werden die Mobilitätswende weiter voranbringen. Als Innovationsführer profitiert Bosch von seinem frühen Einstieg in diese Entwicklungen. Neue Fahrzeughersteller auf dem Markt der Elektromobilität benötigen darüber hinaus verstärkt Komplettlösungen statt Komponenten. »Mehr Systemgeschäft bedeutet für uns als Vollanbieter Umsatzpotenzial in Milliardenhöhe. « Zudem profitiert Bosch künftig vom Trend zu mehr Elektronik und Software: Der Markt für softwareintensive Elektroniksysteme wird nach Einschätzung des Unternehmens bis 2030 jährlich um 20 Prozent wachsen. Bosch investiert in die Software-Entwicklung etwa 3,7 Mrd. Euro im Jahr und beschäftigt derzeit 30 000 Software-Entwickler.