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Materialeffizienz und CO2-Einsparungen

»Wir sind die Kümmerer in puncto Bauteil-Entwärmung«

Alutronic
Tim und Florian Schlachtenrodt, beide Geschäftsführer von Alutronic, legen einen besonderen Schwerpunkt auf Umweltschutz. Seit 2018 ist ihre Firma klimaneutral. Trotzdem oder gerade deswegen haben sie in puncto Klimaschutz noch vieles vor.
© Alutronic

Tim und Florian Schlachtenrodt, beide Geschäftsführer von Alutronic, sprechen im Interview über die (kosten-) effiziente Entwärmung mittels Aluminium-Kühlkörpern, Optimierungspotenziale und über die Klimaneutralität ihres Unternehmens.

Markt&Technik: Momentan beherrscht ein Thema den Markt: die Materialbeschaffung. Inwieweit war oder ist Alutronic von Engpässen und Preiserhöhungen bei Vormaterialien betroffen?

Tim Schlachtenrodt: Die Verknappung war schon drastisch. Sie ging im zweiten Quartal einher mit steigender Nachfrage. Ich denke, wir konnten die Umstellung auf längere Beschaffungszeiten für unsere Kunden etwas abfedern. Da war Kreativität von unserem Einkauf und unseren Lieferanten gefordert. Wir arbeiten selten mit Materialteuerungszuschlägen und bieten dadurch Preisstabilität. Für bestätigte Aufträge haben wir daher die Verteuerungen geschluckt. Also ja, wir waren betroffen, aber das liegt jetzt hinter uns.

Das heißt, Sie sind derzeit zufrieden mit der aktuellen Geschäftsentwicklung?

Florian Schlachtenrodt: Zufriedenheit klingt manchmal ein bisschen nach Zurücklehnen und Planerfüllung. Wir liegen tatsächlich gut über unserem Plan für 2021. Aber zurücklehnen können wir uns nicht. Denn die Zufriedenheit unserer Kunden ist uns wichtiger als unsere eigene. Der Beschaffungsmarkt ist weiterhin zäh und wir konnten im Sommer das Personal nicht in der Geschwindigkeit aufbauen, die wir gebraucht hätten. Jetzt ist die Liefersituation stabil anspruchsvoll. Unser Team wurde erweitert. Wir könnten 2021 einen Rekordumsatz machen.

Ihr Metier ist die Bauteile-Entwärmung mithilfe von Aluminium-Kühlkörpern. Wie differenzieren Sie sich in diesem speziellen Geschäftsumfeld von Wettbewerbern am Markt?

Tim Schlachtenrodt: Ein Geschäftsfreund hat mir einmal attestiert: „Alutronic ist der Kümmerer auf dem Markt.“ Das klingt nicht nach einer rühmlichen Aufgabe. Er meinte aber nicht unsere Selbstwahrnehmung, sondern die Kundenwahrnehmung. Dann ist das ok! Ich denke, die Treue unserer Kunden bestätigt das. Im Vergleich zu den Marktbegleitern haben wir wohl die modernste und schnellste Eloxalanlage im Einsatz. Wir sind gute, effiziente Zerspaner mit einer Schwäche für knifflige Projekte. Auf der Produktseite erfahren wir beispielsweise mit hocheffizienten, großdimensionierten Stiftkühlkörpern nicht viel Wettbewerb.

Ist die Bauteilentwärmung eine Aufgabe, die manchmal unterschätzt wird?

Tim Schlachtenrodt: Ich denke, schon. Die Aufgabe der Entwärmung landet oft am Ende des Entwicklungsprozesses, und das bedeutet, dass der Bauraum dann meist schon eingeschränkt ist und dass der Entwickler nicht mehr viel Zeit für die Konzeption der Entwärmung zur Verfügung hat. Auch fällt das Thema oft zwischen die Stühle der Ressorts Elektronik und Konstruktion. Unsere Empfehlung ist es deswegen, einen Fachmann möglichst früh ins Boot zu holen und die Bedingungen für eine Entwärmung früh abzustecken – damit das Thema eben die Bedeutung bekommt, die ihm auch zusteht.

Dies ist wahrscheinlich auch vor dem Hintergrund wichtig, dass sich die Anforderungen im Bereich der Bauteilentwärmung über die letzten Jahre stetig verändert haben.

Tim Schlachtenrodt: Ja klar, da gibt es verschiedene Entwicklungen aus unserer Perspektive. Im Embedded-Bereich zum Beispiel sind Kühlkörper nun auch meist Teil des Gehäuses. Für die Entwärmung von Leistungselektronik auf Leiterplatten wird die Zerspanung der Montagefläche der Kühlkörper filigraner und auch komplexer. Früher kamen scheinbar mehr Gap Pads zum Einsatz. Heute spiegelt die Montageoberfläche des Kühlkörpers oft in groben Zügen die Leiterplattentopografie wider.

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Aluminiumkühlkörper von Alutronic für die Bauteilentwärmung. Insgesamt geht der Trend zu immer kosteneffizienteren und materialeffizienteren Kühlprodukten. Das Einsparen von Aluminium bedeutet nicht nur, Kosten zu reduzieren, sondern es ist auch ein großer Hebel, um den CO2-Fußabdruck eines Produkts zu senken.
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Wo sehen Sie die größten Optimierungspotenziale bei der Auslegung der Kühlkörper, wenn Sie sich die Applikationen ihrer Kunden ansehen?

Tim Schlachtenrodt: In der Reduzierung von Material und Zerspanungsaufwand – also so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Meist gelingt das durch das Umwandeln von Standardkühlkörpern in Sonderprofile.

Der Kunde setzt also zu oft auf Kühlkörper von der Stange?

Florian Schlachtenrodt: Der Kunde möchte meist Werkzeugkosten sparen und auch Zeit. Dadurch wird der Kühlkörper schnell schwerer, als er muss, und es bedarf zusätzlicher Bearbeitung. Doch Werkzeugkosten müssen nicht hoch sein. Und beim Sparen von Entwicklungszeit helfen wir unseren Kunden gerne.

Sie haben ein großes Portfolio an Standardprofilen im Programm – verkaufen aber viel mehr Sonderlösungen. Kann man sagen, der Trend geht zum kundenspezifischen Kühlkörper?

Florian Schlachtenrodt: Den Trend zu Sonderprofilen können wir bestätigen. Viele Kunden nutzen ein eigenes Sonderprofil für verschiedene Anwendungen. Die Kühlkörpervarianten unterscheiden sich dann nur durch die mechanische Bearbeitung. Der Kunde entwickelt so seinen eigenen Kühlkörperstandard und spart Kosten, Entwicklungszeit und optimiert den Beschaffungsprozess.

Tim Schlachtenrodt: Aber diese Effekte kann man natürlich auch mit einem Standard erzielen, sofern dieser perfekt passt. Für unser Standardportfolio haben wir eine richtig geniale Suchmaschine entwickelt, den Heat Sink Finder, der auf unserer Webseite zur Verfügung steht. Mit dieser Applikation weiß man schnell, ob es einen passenden Standard aus unserem Portfolio gibt.


  1. »Wir sind die Kümmerer in puncto Bauteil-Entwärmung«
  2. CO2-Fußabdruck eines Produkts

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