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Interview mit Jochen Metz

Über Stecker-Trends, Rohstoff-Engpass und DigitalPakt Schule

Jochen Metz
Jochen Metz: »Die Digitalisierung im schulischen Bereich wird auch nach Corona eine große Bedeutung einnehmen. Wir unterstützen Installateure, die bereits mit Schulen zusammenarbeiten, bei der Umsetzung einer zukunftsoffenen, leistungsstarken Netzwerktechnik – sowohl auf Basis von Kupfer und Glasfaser als auch WLAN.«
© Metz Connect

Jochen Metz, Geschäftsführender Gesellschafter von Metz Connect, spricht im Interview darüber, wie sich der Markt für Steckverbinder sowie das eigene Unternehmen während der Pandemie verändert haben und wie die Firma künftig den „DigitalPakt Schule“ unterstützen wird.

Markt&Technik: Ihr Unternehmen hat sich trotz Pandemie gut behauptet. Der Umsatz von Metz Connect liegt über dem Niveau der „Vor-Corona“-Zeit. Was waren dafür die entscheidenden Faktoren?

Jochen Metz: Wir haben erstens von unserem breiten Sortiment sowie unserer Branchenausrichtung profitiert. Insbesondere die Gebäudeautomation und die Datennetzwerktechnik sind Wachstumsmärkte. Digitalisierungsprojekte haben dieses Wachstum weiter befeuert und für uns auch neue Märkte eröffnet. Daher blicken wir sehr optimistisch in die Zukunft. Zweitens haben Faktoren wie Schnelligkeit und Lieferfähigkeit stark an Bedeutung gewonnen. Durch unsere im Branchenvergleich kurzen Lieferzeiten können wir einen Wettbewerbsvorteil ausspielen. 

Damit sprechen Sie ein Thema an, das momentan viele Unternehmen umtreibt – die Verfügbarkeit von Produkten und Rohmaterialien. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

Am Steckverbindermarkt sind derzeit gleich mehrere Materialien von einem Engpass betroffen, darunter Kunststoffgranulate, Bandstahl, Schrauben für Klemmen sowie unbestückte Leiterplatten. Auch trifft uns zum Teil die Verknappung von elektronischen Bauteilen wie Prozessoren. Doch wir haben vorausschauend bereits Anfang November in die Beschaffung und Sicherung eines Lagerbestands investiert, Ersatzprodukte getestet und alternative Lieferanten geprüft, um die Produktion weiterhin zu gewährleisten. Aktuell profitieren wir von diesen Maßnahmen, die wir frühzeitig ergriffen haben, ebenso wie von unserer hohen Wertschöpfungskette. 

Sie erwarten also nicht, dass Metz Connect durch Verfügbarkeitsprobleme, z.B. bei den Rohstoffen, im Wachstum ausgebremst wird?

Wir verfügen über große Lagerbestände, sodass wir unsere eigene Produktion nicht gefährdet sehen. Im Bereich der Datennetzwerktechnik besteht allerdings eine Abhängigkeit von der Bauindustrie. Falls sich Bauprojekte aufgrund der Rohstoffknappheit verzögern oder Projekte zurückgehalten werden, wird sich das natürlich auch auf die Nachfrage unserer Produkte und somit auf unser Geschäft auswirken. 

Sie haben die hohe Fertigungstiefe Ihres Unternehmens angesprochen. Unterscheiden Sie sich dadurch von Wettbewerbern am Markt?

Wir unterscheiden uns durch Qualität, die typisch „Made in Germany“ ist. Unsere hohe Wertschöpfungstiefe ermöglicht es uns, schnell und flexibel komplette Lösungen aus einer Hand liefern zu können. An unserem Stammsitz in Blumberg beschäftigen wir rund 650 Mitarbeiter. Die Fertigungstiefe reicht hier von einer eigenen Stanzerei und Kunststoff-Spritzgießerei über den Betriebsmittel- und Werkzeugbau sowie einen Sondermaschinenbau bis hin zum eigenen Labor. Neben Produkten, die den Standards am Markt entsprechen, entwickelt Metz Connect individuelle Kundenlösungen, unter anderem für Industriesteuerungen und für die Gebäudeautomation. In diesen Bereichen steigt die Nachfrage kontinuierlich. 

Aber auch wegen der Weltwirtschaftspolitik und dem USA-China-Konflikt gewinnen Firmen- und Produktionsstandorte in Europa wieder zunehmend an Bedeutung. Wie wichtig Versorgungssicherheit ist, hat die Pandemie überdeutlich gezeigt. Neben unserem Stammsitz in Deutschland verfügt die Unternehmensgruppe über Produktions- und Vertriebsstandorte in Ungarn, Frankreich, den USA und China. Somit können wir einerseits die Nähe zu unseren Kunden garantieren, andererseits weitgehend autark produzieren. Gleichzeitig gewinnt die räumliche Nähe zu den Kunden im Hinblick auf Beratungsleistungen an Bedeutung. Und nicht zuletzt wächst aktuell wieder das Qualitätsbewusstsein und damit der Wert von „German Engineering“ sowie „Made in Germany“. Unsere Kunden schätzen uns als Partner auf Augenhöhe. Größte Priorität hat für uns, dass unsere Produkte für Robustheit und Qualität bis ins kleinste Detail stehen. 

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigen technischen Trends im Bereich der Anschlusstechnik?

In der Anschlusstechnik zeichnet sich allgemein ein Trend zur Federklemmtechnik ab. Unsere Anschlusslösungen mit Federklemme ermöglichen unseren Kunden eine spürbare Zeitersparnis durch kürzere Anschlusszeiten und damit eine höhere Effizienz. 
Die Produktfamilie rund um Ethernet-M12 ist ein weiterer wichtiger Wachstumsmarkt. Hier geht der Trend zu höheren Übertragungsraten. Zudem gewinnen Ethernet-Verbindungen durch die Zunahme von IP-gestützten Systemen derzeit an Bedeutung. 
Um das für uns wichtige Zukunftsthema „Single Pair Ethernet“ mitgestalten zu können, sind wir im „SPE Industrial Partner Network“ aktiv und bauen das Produktportfolio für Single Pair Ethernet sukzessive aus.

Ihr Unternehmen unterstützt auch aktiv den „DigitalPakt Schule“, warum?

Wir glauben, dass die Digitalisierung auch nach Corona im schulischen Bereich eine große Bedeutung einnehmen wird und wollen dazu beitragen, jetzt die wichtigen Voraussetzungen für digitales Lernen und Homeschooling zu schaffen. Dass diesbezüglich ein Aufholbedarf besteht, wurde uns durch die Pandemie ja deutlich vor Augen geführt. Als eines der führenden Unternehmen im Bereich der Datennetzwerktechnik können wir hier einen Beitrag leisten, der mehrere wichtige Faktoren abdeckt. Unser Angebot umfasst neben einer Vielzahl an Produkten und Systemen für die Netzverkabelung an den Schulen zum Beispiel die Informationsbereitstellung und nützliche Hinweise zu den Fördermöglichkeiten der einzelnen Länder und zum Medienentwicklungsplan. 

Wie gehen Sie vor bzw. welche Fördermittel stehen zur Verfügung?

Wir unterstützen Installateure, die bereits mit Schulen zusammenarbeiten, bei der Umsetzung einer zukunftsoffenen, leistungsstarken Netzwerktechnik – sowohl auf Basis von Kupfer und Glasfaser als auch WLAN. Und hier gibt es noch großes Potenzial: Mit dem im Mai 2019 in Kraft getretenen DigitalPakt stehen insgesamt mindestens 5,5 Mrd. Euro bereit. Rein rechnerisch stehen somit jeder der ungefähr 40.000 Schulen in Deutschland im Durchschnitt ein Betrag von 137.000 Euro zur Verfügung, wobei die genaue Aufteilung der Mittel vom Bemessungsprinzip abhängt, das jedes Land in seiner Förderbekanntmachung festgelegt hat. Darüber hinaus sind noch weitere Förderungen für einen Breitbandanschluss im Rahmen des BMVI-Förderprogramms möglich. Der DigitalPakt Schule und die Breitbandförderung des BMVI ergänzen sich. Über das Breitbandprogramm wird die Internetanbindung bis in den Keller eines Schulgebäudes unterstützt. Die Vernetzung innerhalb des Gebäudes sowie zwischen mehreren Schulgebäuden auf demselben Schulgelände und die WLAN-Verfügbarkeit wird also durch den DigitalPakt finanziert. 

Im letzten Jahr haben sich für Ihr Unternehmen neue Geschäftsfelder eröffnet. Wie hat sich Ihr Unternehmen intern gewandelt, z. B. durch die angesprochene Digitalisierung?

Die Pandemie war für uns definitiv ein Beschleuniger neuer Arbeitsformen, mit denen wir die Zukunft des Unternehmens effizienter gestalten können. Wir haben neue Strukturen und Formen der Zusammenarbeit entwickelt, sowohl intern als auch mit unseren Kunden. Da wir viele kundenspezifische Anschlusslösungen realisieren, sind wir in den jeweiligen Entwicklungsprojekten unserer Kunden stark eingebunden und daher haben wir über digitale Meetings weiterhin sehr eng mit unseren Kunden zusammengearbeitet. Die Abstimmungen fanden in einer höheren Frequenz statt als zuvor. 

Heißt das, Sie konnten ausgefallene Kundenbesuche kompensieren?

Ich denke, wir haben an Effizienz gewonnen, beispielsweise sind Reisezeiten weggefallen und zugleich war eine gemeinsame Terminfindung schnell und einfach möglich. Gleichzeitig haben wir in neue digitale Services investiert, wie in eine virtuelle Welt, die verschiedene Anschlusslösungen im jeweiligen Anwendungskontext digital inszeniert. Unsere Kunden und Interessenten können über eine virtuelle 360-Grad-Produktpräsentation unsere Produkte erlebnisorientiert, spielerisch und zugleich informativ kennenlernen. Themenspezifische Webinare mit Livechats ermöglichen zusätzlich einen direkten Kontakt zu den Experten des Produktmanagements und des Vertriebs. 

Außerdem haben wir durch digitale Produktkonfiguratoren unsere Serviceleistungen weiter erhöht. Der Kunde kann auf diese Weise schnell und intuitiv die passende Schnittstelle für seine Anwendung finden, indem er online Schritt für Schritt die verschiedenen Konfigurationen durchspielen kann. Das dargestellte Produktportfolio reicht von vorkonfektionierten Glasfaser- und Kupfer-Installationskabeln über Patchkabel bis hin zu IP-geschützten Konfektionen. Wir laden jeden dazu ein, unsere neuen digitalen Services kennenzulernen, die übrigens auch in Zukunft Bestandteil unseres Geschäfts bleiben werden. 

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