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Einkaufsmanager-Index

Der Aufschwung pausiert

04. Dezember 2020, 12:30 Uhr   |  Karin Zühlke

Der Aufschwung pausiert
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Mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Oktober schließt der Einkaufsmanager-Index - EMI - für November ab.

Die Geschäfte im Verarbeitenden Gewerbe florierten auch im November. Das zeigt der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der mit 57,8 Punkten weiter fest in der Wachstumszone notierte. Kleiner Wermutstropfen war der leichte Abfall vom 2,5-Jahreshoch im Oktober (58,2) und der damit verbundene erste Rückgang des EMI seit sieben Monaten, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit mit.

Den EMI-Daten zufolge verlor die deutsche Industrie leicht an Schwung, da sowohl Produktion als auch Auftragseingang aufgrund der zweiten Corona-Welle und neuer Lockdowns im In- und Ausland etwas langsamer anstiegen.

„Noch ist unklar, wie lange die Corona-Krise dauert und wie hart der jüngste Lockdown die Industrieunternehmen trifft. Mut macht uns aber, dass viele Umfrage-Teilnehmer ihre Geschäftslage auch im November positiv beurteilt haben“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Freitag in Eschborn. Aufmerksam verfolge der BME zudem die weitere Entwicklung der Einkaufspreise, die binnen vier Wochen deutlich gestiegen sind. Sie seien ein Indiz dafür, dass der Kostendruck in der Industrie weiter zunimmt.

„Nach einer fulminanten Gegenbewegung des BIP-Wachstums im dritten Quartal von 8,5 Prozent zum Vorquartal stellt sich jetzt die Frage, inwieweit der Lockdown Light aus dem November auch die Industrie beeinträchtigt. Bislang sind die Indikatoren noch gut“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Freitag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Auch der EMI habe sich im November im Vergleich zur Stimmung in den Dienstleistungssektoren recht gut halten können. „Wir erwarten, dass das vierte Quartal leicht rückläufig sein wird – nichts im Vergleich zum Frühjahr. Im Jahresdurchschnitt ergäbe sich daraus ein Rückgang um 5,4 Prozent. Damit unsere Prognose für 2021 von fünf Prozent BIP-Wachstum eintreten kann, dürfen die Beschränkungen nicht auf die Industrie ausgeweitet werden. Es gilt also weiterhin ein großes Abwägen zwischen Kontaktbeschränkungen, Lockdowns etc. und einer dynamischen Wirtschaft“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Wir erhalten gegenwärtig einen weiteren Erklärungsbaustein für die Frage, ob kurze harte Lockdowns aus ökonomischer Sicht besser sein könnten als gemäßigtere, aber länger währende. Die deutsche Corona-Strategie der zweiten Welle führt bei den Unternehmen insbesondere zu einer Eintrübung der Erwartungen, was verdeutlicht, dass diese mit längeren Einschränkungen auch noch weit ins nächste Jahr hinein rechnen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Freitag dem BME.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Freitag dem BME: „Die Weltrohstoffpreise zogen im November 2020 auf Dollarbasis zum Vormonat um 4,6 Prozent an, was sich auch quer über alle Warengruppen zeigt. Die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen Covid-19 beflügelte ebenso wie der Wahlausgang in den USA, mit der man die Hoffnung auf einen zuverlässigeren Umgang mit den Handelspartnern verbindet. Aber auch die deutlich verbesserte Auftragslage vieler Stahlwerke erlaubte Preisanhebungen im November. Die Spotmarktpreise für Eisenerz hatten zuletzt einen erheblichen Margendruck auf die Stahlpreise aufgebaut. Dieser konnte nun teilweise – Produktgruppen spezifisch divergierend – weitergegeben werden. Auch im ersten Quartal 2021 werden weitere Preissteigerungen bei etlichen Metallen sowie Rohöl möglich sein.“

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1. Der Aufschwung pausiert
2. Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

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Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)