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Kommentar zu Kraftstoffpreisen

Weiter so?

Irina Hübner ist Redakteurin bei der Elektronik automotive
Irina Hübner ist Redakteurin bei der Elektronik automotive
© Elektronik | WEKA Fachmedien

Der steigende Benzin- und Dieselpreis erhitzt die Gemüter. Diverse Politiker fordern eine Deckelung des Kraftstoffpreises oder eine Erhöhung der Pendlerpauschale.

Das Umweltbundesamt kontert und pocht hingegen auf einschneidendere Maßnahmen: Neben noch höheren Spritpreisen durch stärkere CO2-Bepreisung und einer kompletten Abschaffung der Pendlerpauschale seien Tempolimits, eine Pkw-Maut auf allen Straßen sowie der massive Ausbau von Bussen und Bahnen nötig, um die selbst gesetzten Ziele aus dem Klimaschutzgesetz bis 2030 im Verkehrsbereich überhaupt erreichen zu können. Der Verkehrssektor sei auch der einzige Sektor in Deutschland, der seine Treibhausgasemissionen seit 1990 nicht verringert habe.

Der ADAC hält dagegen. Er wirft dem Umweltbundesamt vor, die Verbraucher mit einer zusätzlichen Abgabenorgie belasten zu wollen. Die Belastungsgrenze von Teilen der Bevölkerung sei längst erreicht. Weitere drastische Preissteigerungen – insbesondere die von der Behörde geforderte Verdopplung des CO2-Preises ab dem kommenden Jahr – würden die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen gefährden.

Ohne Frage leiden viele Menschen unter Preiserhöhungen wie steigenden Energie- und Spritpreisen, Inflation oder wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Doch die Pendlerpauschale weiter zu erhöhen, wäre ein falsches Signal. Bei der Bevölkerung käme eine solche Maßnahme wie eine Aufforderung zum »Weiter so!« an. Ein Anreiz, auf immer noch größere Autos mit hohem Verbrauch zu verzichten oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, ist das nicht – auch weil nachweislich hauptsächlich Besserverdiener von der Pendlerpauschale profitieren.

Zumindest mittelfristig gäbe es doch andere Wege, die Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Das Umweltbundesamt schlägt zum Beispiel strengere CO2-Flottenzielwerte bei Pkw oder eine nationale E-Quote sowie den schnellen Ausbau des ÖPNV vor. Darüber hinaus könnte man moderne Mobilitätskonzepte fördern: umweltfreundliche Transportlösungen für die letzte Meile, innovative Sharing-Dienste oder autonome Shuttles für den Personen­nahverkehr in ländlichen Regionen. Nicht zuletzt ließen sich durch mehr Homeoffice – in Tätigkeiten, wo das möglich ist – Sprit und dadurch Emissionen einsparen.

Übrigens steigt die Pendlerpauschale unabhängig von der aktuellen Diskussion sowieso ab diesem Jahr. Ab dem 21. Kilometer beträgt sie nun 35 ct pro Kilometer, von 2024 bis 2026 sogar 38 ct pro Kilometer.


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