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Smart Cities und Automatisierter Verkehr

Das Auto muss geteilt werden

20. April 2020, 09:38 Uhr   |  Ute Häußler

Das Auto muss geteilt werden
© Daimler und Benz Stiftung

Automatisiertes Fahrenr wird nach Ansicht einer Studie der TU Wien nur auf großen Straßen möglich sein.

Automatisierte und vernetzte Fahrzeuge sollen den Verkehr sicherer und effizienter machen. Eine Studie der TU Wien zeigt, dass dafür die automatisierten Fahrzeuge als Erweiterung des ÖPNV dienen müssen, also Fahrzeuge und Fahrten geteilt werden. Andernfalls nimmt der Verkehr zu – und zwar erheblich.

Die bislang umfangreichste Studie, die sich mit dieser Fragestellung aus interdisziplinärer Perspektive befasst, ist soeben als Buch »AVENUE21. Automatisierter und vernetzter Verkehr: Entwicklungen des urbanen Europa« als Open-Access-Publikation erschienen. Das Forschungsprojekt AVENUE21 und die Buchpublikation wurden von der Daimler und Benz Stiftung gefördert. »Es ist dringend notwendig, dass sich alle, die an der Entwicklung europäischer Städte beteiligt sind, mit dem Thema ‚Automatisierte Fahrsysteme‘ auseinandersetzen«, so Mitherausgeber Prof. Rudolf Scheuvens, Dekan der Fakultät Architektur und Raumplanung an der Technischen Universität Wien.

Angesichts der globalen Klimakrise und des Ziels, lebenswerte Städte zu schaffen, könne es sich unsere Gesellschaft schlichtweg nicht leisten, eine Technologie zuzulassen, die zusätzliches Verkehrsaufkommen generiere. Es gebe zahlreiche verkehrs- und siedlungspolitische Probleme, die angesprochen werden müssten, um eine gezielte und menschengerechte Stadtentwicklung zu ermöglichen.

Das Wissenschaftler-Team der TU Wien, das mehr als zwei Jahre in dem Forschungsprojekt arbeitete, vertritt die Ansicht, dass in den kommenden Jahrzehnten die technologischen Einschränkungen automatisierter Fahrzeuge eine neue Ungleichheit verursachen könnten. Diese entsteht durch die Heterogenität und oftmals hohe Komplexität des Straßennetzes in europäischen Städten. Die Forscher sind selbst überrascht, dass ihre Studie wohl die erste ihrer Art ist, welche die Wirkungen und Potenziale von automatisierten und vernetzten Fahrzeugen untersucht und dabei die Straße nicht allein als Verkehrsraum, sondern auch als Lebensraum betrachtet. »Deswegen kommen wir auch vielfach zu anderen Ergebnissen als Studien, die die Straße allein auf ihre Transportfunktion reduziert haben«, so Scheuvens. Autobahnen, Industrie- oder Gewerbestraßen könnten relativ schnell automatisiert befahren werden. Aber Straßen, die durch Gärten, anliegende Parks oder Schulen belebt sind, werden, so ist das Forscher-Team überzeugt, langfristig nicht automatisiert befahren werden können. Automatisierte Services würden deswegen sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr nur für ausgewählte Personen und Betriebe zur Verfügung stehen.

Dieser Zustand muss seitens Politik und Planung anerkannt und bestehende Hoffnungen müssen relativiert werden. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass – unabhängig von der technologischen Machbarkeit – die meisten negativen Effekte von automatisierten Fahrzeugen nur dann vermieden werden können, wenn ausschließlich bestimmte Straßenzüge für deren Einsatz geöffnet würden.

Die Publikation »AVENUE21. Automatisierter und vernetzter Verkehr: Entwicklungen des urbanen Europa« fasst die wesentliche Erkenntnisse der Studie zusammen und erörtert, welche Fragen der Stadt- und Mobilitätsentwicklung in den nächsten fünf bis zehn Jahren beantwortet werden müssen.

»Gezielt eingesetzt, können automatisierte Fahrzeuge hochqualitative Mobilitätsservices in Gebieten ermöglichen, in denen der klassische öffentliche Nahverkehr scheitert«, fasst Dr. Mathias Mitteregger, Koordinator des Forschungsprojekts die Studie zusammen.

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