Luftreinigung per Filter

E-Auto fängt CO2 aus der Luft ein

29. Juli 2022, 11:46 Uhr | Irina Hübner
Das E-Auto Zem, das CO2 aus der Luft aufnehmen kann.
© Bart van Overbeeke / TU Eindhoven

Das Studierendenteam TU/ecomotive der TU Eindhoven hat einen Elektro-Pkw entwickelt, der mehr CO2 einfängt als er während der Fahrt ausstößt. Es handelt sich um einen Prototyp namens Zem, der die Luft durch einen speziellen Filter reinigt.

Pkw sind für mehr als 60 Prozent der Emissionen des Verkehrssektors verantwortlich. Um diese Emissionen zu verringern, entwarfen, entwickelten und bauten 35 Studierende ein Auto, das sowohl während des Produktionsprozesses als auch auf der Straße weniger oder gar keine Emissionen verursacht. Darüber hinaus strebt das Team eine optimale Wiederverwendbarkeit von Materialien in der Zukunft an.

Die Studierenden beabsichtigen, das Fahrzeug in den kommenden Jahren weiter zu verbessern. Das Ziel: Das Fahrzeug soll während seines gesamten Lebenszyklus klimaneutral werden.

In großem Maßstab gedacht

Das Auto kann bei 20.000 gefahrenen Kilometern pro Jahr 2 Kilogramm CO₂ durch einen speziellen Filter einfangen. Das bedeutet, dass zehn Autos so viel Kohlendioxid speichern können wie ein durchschnittlicher Baum. Das mag nicht viel erscheinen, aber die Gesamtausbeute ist beträchtlich, wenn man das System in großem Maßstab in jedem Pkw einsetzen würde, argumentiert das Team. Immerhin fahren mehr als eine Milliarde Pkw auf der Welt, die netto CO₂ einfangen könnten, anstatt es auszustoßen.

Filterkapazität weiter erhöhen

Der Filter, durch den die Außenluft strömt, ist einzigartig: Die Studenten sind dabei, ein Patent für diese Innovation anzumelden. »Es handelt sich zwar noch um ein Proof-of-Concept, aber wir sehen schon jetzt, dass wir die Kapazität des Filters in den nächsten Jahren erhöhen können. Das Auffangen von CO₂ ist eine Voraussetzung für die Kompensation der Emissionen während der Produktion und des Recyclings«, erklärt Teamleiterin Louise de Laat.

TU/ecomotive denkt an eine Zukunft, in der der volle Filter einfach über die Ladestation entleert werden kann, wenn das Auto aufgeladen wird. Derzeit kann das Auto 320 Kilometer fahren, bevor der Filter voll ist.

Ziel: CO₂-Neutral über den gesamten Lebenszyklus

Mit Hilfe einer Lebenszyklusanalyse mit der Software SimaPro ermittelt das Team, inwieweit der Lebenszyklus des Fahrzeugs – von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Nachnutzung – CO₂-neutral ist. Mehrere Innovationen tragen zu diesem Ziel bei. Zum Beispiel die 3D-Drucktechniken, die von den Studierenden eingesetzt werden.

Karosserie per 3D-Druck hergestellt

Das Monocoque und die Karosserieteile werden im 3D-Druckverfahren hergestellt, wodurch fast kein Restmüll anfällt. Darüber hinaus druckt das Studierendententeam runde Kunststoffe, die geschreddert und für andere Projekte wiederverwendet werden können.

Das elektrische und nachhaltige Vierrad hat einen sportlichen Look. Aus gutem Grund, sagt das Team, denn auf die Automobilindustrie wartet eine sportliche Herausforderung. Schließlich muss der Straßenverkehr deutlich nachhaltiger werden.

Aufforderung an die Industrie

Nikki Okkels, Außenbeauftragte der TU/ecomotive: »Wir wollen die Industrie kitzeln, indem wir zeigen, was bereits möglich ist. Und zusammenarbeiten. Wenn 35 Studierende in einem Jahr ein fast klimaneutrales Auto entwerfen, entwickeln und bauen können, dann gibt es auch Chancen und Möglichkeiten für die Industrie.«

»Wir rufen die Industrie auf, die Herausforderung anzunehmen, und natürlich denken wir gerne mit. Auch wir sind mit der Entwicklung noch nicht fertig und wollen in den nächsten Jahren weitere Schritte machen. Wir laden die Automobilhersteller herzlich ein, sich das anzuschauen.«

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