Nachhaltiger Reifenbau

Continental schenkt PET-Flaschen ein zweites Leben

3. August 2021, 10:34 Uhr | Kathrin Veigel
Continental Reifenbau PET
Gemeinsam mit dem chinesischen Faserspezialisten Otiz macht Continental aus PET-Abfall ein zukünftiges Produktionsmaterial für seine Reifen.
© Continental

In seiner Reifenproduktion will Continental ab 2022 wiederaufbereitetes Polyester verwenden, das aus recycelten Kunststoffflaschen stammt. Das neue Polyestergarn wird über einen mechanischen Prozess aus PET-Flaschen gewonnen und soll im Aufbau der Reifenkarkasse zum Einsatz kommen.

Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner und Lieferanten Otiz, einem Faserspezialisten und Textilhersteller, hat der Reifenhersteller Continental eine spezielle Technik entwickelt, um PET-Flaschen ohne bisher notwendige, chemische Zwischenschritte wiederaufzubereiten und das Polyestergarn für die hohen mechanischen Anforderungen des Reifens funktionsfähig zu machen. Im Rahmen des sogenannten Upcyclings wird so aus einer einfachen PET-Kunststoffflasche ein PET-Hochleistungswerkstoff.

»Bereits ab 2022 sind wir in der Lage, aus recycelten PET-Flaschen gewonnenes Material in der Reifenproduktion einzusetzen. In unserem neuartigen Recyclingprozess werden die Fasern aus recyceltem PET gesponnen, ohne dass das Material zuvor in seine Komponenten zerlegt werden muss«, sagt Dr. Andreas Topp, der in Continentals Geschäftsfeld Tires den Bereich Material, Prozessentwicklung und Industrialisierung verantwortet. »Bereits auf der diesjährigen IAA Mobility in München werden wir einen Konzeptreifen mit Polyestergarn aus recycelten PET-Flaschen vorstellen. Mit dem Einsatz von recyceltem Polyestergarn gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung produktübergreifendes zirkuläres Wirtschaften.«

Wiederaufbereitung für hohe mechanische Anforderungen

Im Rahmen des Recycling-Prozesses werden die Flaschen zunächst sortiert, Verschlusskappen entfernt und schließlich maschinell gereinigt. Nach einer mechanischen Zerkleinerung werden sie eingeschmolzen und granuliert; es folgen die Festkörper-Polymerisation und ein modifizierter Spinnprozess. Der modifizierte Herstellungsprozess ermöglicht es, Polyestergarn für den Reifenbau aus PET-Flaschen ohne Polymerisationsprozess aus Monomeren zu gewinnen.

Bisherige Labor- und Reifentests von Continental zeigen, dass Fasern aus Sekundärrohstoffen ebenso leistungsfähig sind wie die bisher verwendeten Fasern. Sie haben die gleiche Qualität wie PET-Neuware, sind ebenso stabil und aufgrund ihrer Bruchfestigkeit, Zähigkeit sowie thermischen Stabilität gut für Reifen geeignet.

Herkömmliches PET wird seit Langem als Werkstoff im Pkw-Reifenbau eingesetzt, da es auch unter hoher Belastung und Temperatur formstabil bleibt und somit bei allen Fahrgeschwindigkeiten für Sicherheit sorgt. Durch den Einsatz von recyceltem PET werden wertvolle Ressourcen im Reifenbau geschont: Ein herkömmlicher Pkw-Reifen besteht heutzutage aus circa 400 Gramm Polyestergarn. Umgerechnet können so zukünftig mehr als 60 recycelte PET-Flaschen für einen vollständigen Fahrzeugreifensatz verwendet werden. Bis spätestens 2050 will Continental sukzessive 100 Prozent nachhaltig erzeugte Materialien in seinen Reifenprodukten einsetzen. 


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