Die Gaia-X Federation Services

So können Unternehmen mit Gaia-X entwickeln

22. Februar 2022, 7:30 Uhr | Ute Häußler
Der Ruf nach Gaia-X
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Die europäische Dateninfrastruktur Gaia-X hat Ende 2021 ihr technisches Herzstück veröffentlicht: die Federation Services. Nun kann die Implementierung von Use Cases beginnen und zeigen, wie souveräner Datenaustausch datenbasierte Geschäftsmodelle und Dienstleistungen in die Praxis bringt.

Daten sind das wichtigste Werkzeug der Digitalisierung und derzeit wichtigste Quelle von Innovation. Immer wieder betonen Firmen, wie wichtig es ist, beim Arbeiten mit Maschinen-, Prozess- oder Produktionsdaten die Hoheit über dieses (über-)lebenswichtige Asset und die daraus entstehenden Anwendungen zu behalten.

Erklärtes Ziel und Versprechen von Gaia-X ist, dass Firmen mithilfe der seit 2019 entstehenden Infrastruktur geschützt Daten austauschen können. So sollen neue Kooperationen und Geschäftsmodelle nach europäischen Werten entstehen. Herzstück der technischen Umsetzung sind die in im September veröffentlichten »Federation Services« (GXFS). Die Code-Entwicklung ist auf Gitlab einsehbar und soll im April abgeschlossen sein, mit einem anschließenden Qualitätscheck bis Juni.

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Andreas Weiss sagt: »Mit der Umsetzung der Federation Services sind wir unserem Ziel, einer gemeinschaftlichen Datenverarbeitung und -verwertung, einen großen Schritt nähergekommen. Wir schaffen jetzt eine Referenzimplementierung auf der Basis von Open-Source. Anwendungsfälle sind beispielsweise Datenservices am Edge«.
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Geschütze Räume für datenbasierte Co-Kreation

Doch wie gestaltet sich eine Zusammenarbeit für diese industriellen Use Cases in Gaia-X überhaupt? Dazu schließen sich Unternehmen oder Institutionen in sogenannten Föderationen zusammen, die dann als eigenständige und selbstbestimmte Gruppen agieren und unter einem gemeinsamen Ziel datenbasierte Anwendungen entwickeln.  Ein Beispiel für einen solchen Zusammenschluss ist Catena-X, eine Vereinigung von 64 Unternehmen der Automobilbranche. Mithilfe der entstehenden Datenintelligenz sollen im über Gaia-X geschützten Raum Mehrwerte für die Partner sowie neue Dienstleistungen entstehen.

Am Ende kann natürlich auch der freien Markt profitieren. Bei Catena-X beispielsweise arbeiten Partner wie BMW, Schäffler, Siemens, Fraunhofer, der ADAC, Unternehmensberatungen und auch Infrastruktur- und IT-Anbieter an einer datentransparenten Lieferkette zwischen Zulieferern und Herstellern, um die Produktivität und Nachvollziehbarkeit in der Automobilbranche zu steigern. Die exakten Regeln und Vorgehensweisen bestimmen sie als Föderation dabei selbst, am Ende können sie daraus entstehende Produkte und Dienstleistungen auch über die Grenzen der ursprünglichen Entwicklergruppe hinaus anbieten und verkaufen.

Entwickeln mit den Federation Services

Die Gaia-X-Förderationen sollen über ein gemeinsames Regelwerk allen Teilnehmenden Schutz durch Datensouveränität, Datenschutz und Vertraulichkeit, Sicherheit, Technologieneutralität und Interoperabilität bieten. Nur so können Daten zwischen den Partnern geteilt werden, um Produkte und Dienstleistungen gemeinsam zu entwickeln. Die Federation Services wurden in den vergangenen zwei Jahren als Softwarekomponenten definiert und entwickelt, um solch ein föderiertes System einzurichten, zu organisieren und zu betreiben (Bild 1).

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Bild 1. Die vier definierten Gaia-X Federation Services.
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Der Nutzen der Federation Services

Die Förderationsdienste bewirken, dass im gesamten Netzwerk der Gaia-X-Gruppen und Ökosysteme die jeweils voneinander unabhängigen Daten sowie die entwickelten Angebote und Services interoperabel sind, miteinander verbunden werden können und den gleichen definierten Regeln und Voraussetzungen entsprechen.

Basierend auf diesem Gaia-X-Infrastruktur-Ökosystems steht es allen Nutzern offen, vernetzt zusammenarbeiten, ihre Daten auszutauschen und in der Gesamtheit einen besseren Einblick in spezifische Liefer- oder Produkt-/Dienstleistungs-Wertschöpfungsketten zu bekommen. Auf diese Weise entstehen wiederum neue Infrastrukturdienste, die allen Beteiligten einen Mehrwert bieten. So könnte beispielsweise ein bei Catena-X implementierter Dienst unkompliziert auf eine andere Branche übertragen und dort weiterentwickelt werden.

Unternehmen, welche die Möglichkeiten von Gaia-X ausloten und ausprobieren wollen, können in der Federation-Services-Software die Implementierung eines Werkzeugkastens sehen, der die technischen Mindestanforderungen bereitstellt, um Föderationen und Gruppen lauffähig und betriebsbereit zu machen. Die Federation Services Toolbox definiert damit eine Reihe von notwendigen Diensten, um Vertrauen und Interoperabilität zu schaffen und sicherzustellen, dass die Teilnehmer die Hoheit über ihre Daten behalten.


  1. So können Unternehmen mit Gaia-X entwickeln
  2. Die vier Federations Services und ihre Dienste

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