Schwerpunkte

Projekt gegen Lebensmittelverschwendung

Datenplattform für komplexe Wertschöpfungsketten

10. August 2021, 13:50 Uhr   |  Dr. Steffen Wischmann

Datenplattform für komplexe Wertschöpfungsketten
© VDI/VDE Innovation + Technik

Dr. Steffen Wischmann

Für die Lebensmittelindustrie entwickelt das Projekt REIF eine Plattform, die den Daten- und Informationsaustausch über alle Wertschöpfungsstufen hinweg verbessert und Dienste auf KI-Basis ermöglicht, mit denen sich Überproduktion effektiver verhindern und Ausschuss leichter vermeiden lässt.

Jährlich landen in Deutschland mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Studien zeigen dabei, dass sowohl in Produktion und Verarbeitung als auch im Handel eine große Menge von Lebensmitteln verloren geht. Ein Teil der Verluste ist auf Informationsbrüche in der Wertschöpfungskette zurückzuführen: Sie hindern Unternehmen in vielen Fällen daran, flexibel auf unvorhergesehene Änderungen in den jeweils vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungsstufen zu reagieren. Lebensmittelverluste können dann eine logische Folge sein.

Hier setzt das Projekt REIF (das Akronym steht für „Resourceefficient, Economic and Intelligent Foodchain“) an, das im Rahmen des Innovationswettbewerbs „Künstliche Intelligenz“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Ziel von REIF ist es, den Daten- und Informationsfluss in der Wertschöpfungskette zu verbessern und damit zugleich die Datenbasis für die Entwicklung KI-basierter Dienste zu legen. Mit diesen Diensten lassen sich sowohl lokal als auch global über die Wertschöpfungskette hinweg Herstellung, Verarbeitung und Vertrieb von Lebensmitteln optimieren.

Datenplattform auf KI-Basis

Im Mittelpunkt von REIF steht eine Datenplattform. Sie bildet die technische und organisatorische Basis für ein Ecosystem für Daten und KI-Services, das die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittelindustrie abdeckt. Das Besondere an der REIF-Plattform: Auf ihr liegen gar keine Daten, diese verbleiben nämlich bei den jeweiligen Unternehmen. Die Plattform ist also kein „Data Lake“, sondern fungiert als neutraler Vermittler zwischen Datenanbietern auf der einen und Datennachfragern auf der anderen Seite. Hierfür bietet die Plattform einen Katalog, in dem die darüber verfügbaren Daten gelistet und beschrieben sind, sowie Schnittstellen, mit denen die Daten bezogen werden können, wenn sich Anbieter und Nachfrager handelseinig geworden sind. Über das Ob und Wie – besonders über den Preis der Daten – entscheiden nur sie und nicht die Plattform. Die Rolle der Plattform lässt sich damit am besten als die eines Datentreuhänders interpretieren, beschreibt Dirk Mayer, Senior Director Research bei der Software AG, die für die Realisierung der REIF-Plattform verantwortlich ist.

Vorteile und Nutzwert der REIF-Plattform für verschiedene Glieder der Lebensmittel-Wertschöpfungskette
© REIF

Vorteile und Nutzwert der REIF-Plattform für verschiedene Glieder der Lebensmittel-Wertschöpfungskette

Neutrale Plattform als Broker für Daten und Dienste

Weil die Plattform keinen Zugriff auf die über sie fließenden Daten hat, müssen die Datenanbieter nicht befürchten, dass ihre Daten von ihr analysiert oder gar genutzt werden. Diese Rolle der Plattform als Datentreuhänder soll nicht nur ihre Akzeptanz am Markt sichern, sondern nimmt auch die anstehende Plattform-Regulierung auf europäischer Ebene vorweg. Es zeichnet sich ab, dass die Europäische Kommission mit ihrem geplanten Data Governance Act (DGA) das Geschäftsmodell sogenannter Datenintermediäre auf die reine Datenvermittlung und die Unterstützung des Datentransfers begrenzen wird. Sollte es tatsächlich so kommen, wofür derzeit alles spricht, dürfen Datenintermediäre in der EU nach dem Vorbild der REIF-Plattform künftig weder eigene Daten anbieten noch die Daten Dritter auswerten oder aufwerten.

Vermittlung über programmierbare Schnittstellen

Wie aber lassen sich die Daten effizient austauschen, wenn sie nicht direkt auf der Plattform liegen? Die REIF-Plattform setzt dafür auf APIs, die den Zugriff auf Daten und Services regeln. Datennachfrager finden auf der Plattform einen API-Katalog. Diesen können sie nach nützlichen Services und Datenangeboten für ihre individuellen Anforderungen durchsuchen. Werden sie fündig und mit dem Datenanbieter handelseinig, kaufen sie die entsprechende API von der Plattform. Zu den großen Vorteilen des Systems gehört, dass auf diese Weise stets die Datenhalter selbst entscheiden, welche Daten sie freigeben. Die Datenweitergabe an Konkurrenten beispielsweise lässt sich so ausschließen. Zur Vertragsabwicklung stehen den Partnern Smart Contracts auf Basis von Blockchain-Technologien zur Verfügung.

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1. Datenplattform für komplexe Wertschöpfungsketten
2. Warum ist die Plattform notwendig?

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