Traco Power legt den Schwerpunkt seiner Entwicklungen, wie CEO Sebastian Fischer erklärt, zukünftig auf Netzteile mit Ausgangsleistungen über 1 kW. Mittelfristig sollen DC/DC-Wandler und Netzteile im gleichen Maße zum dreistelligen Millionen-Dollar-Umsatz des Schweizer Unternehmens beitragen.
Markt&Technik: Russland führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter fort, und im Nahen Osten attackieren sich die USA und Iran weiter. Nach dem ersten Halbjahr 2026 – wie stellt sich da die Situation für Traco dar? War das schon eingepreist in die Jahresplanung oder muss diese angepasst werden?
Sebastian Fischer: Fakt ist, sowohl im globalen Geschehen als auch auf der Kundenseite ist die Unsicherheit nach wie vor hoch – es ist das neue „New Normal“. In den letzten Wochen und Monaten stiegen sowohl die Energie- und Frachtkosten als auch die Frachtzeiten. In der Schweiz sagt man: »Es hat geharzt«. Wir haben unsere Jahresplanung 2026 trotzdem nicht geändert. Lieber legen wir uns inzwischen wieder etwas mehr aufs Lager – aber bei Weitem nicht auf dem Niveau wie zu Corona-Zeiten.
Welche Erwartungen haben Sie heute für das zweite Halbjahr? Werden wir eine »normale« electronica 2026 erleben, oder wird es wieder eine electronica der Eskalationsgespräche auf höchster Managementebene werden?
Es mag sich komisch anhören, aber wir erleben eigentlich ein sehr ordentliches Jahr. Wir werden wieder, wie bereits 2025, zweistellig wachsen. Global betrachtet ist die Stimmung am Markt gut. Blickt man differenziert auf Europa, zeigt sich, dass die Stimmung etwa in Frankreich, Italien, Großbritannien und den skandinavischen Ländern deutlich besser ist als in Deutschland. Deutschland tut sich weiter schwer mit dem Aufschwung, die Trendwende ist noch nicht geschafft. Es ist schwer, sich der allgemeinen Situation im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sowie der Chemieindustrie zu entziehen. In der Elektronikbranche ist die Stimmung dagegen positiv, es gibt aktuell noch keine Lieferengpässe. Konkret würde ich sagen die Versorgungssicherheit ist aktuell gut, aber einige Bauteile stehen bei uns unter Beobachtung. Aktuell erwarte ich deshalb noch eine gute, entspannte electronica 2026.
Welchen Umsatz konnte Traco 2025 weltweit erzielen? Wie verteilt sich dieser Umsatz regional? Welches sind Ihre wichtigsten Anwendungsmärkte?
Wir werden auch 2026 wieder einen deutlich dreistelligen Millionen-Dollar-Umsatz erzielen. Auf Europa entfallen dabei über 50 Prozent des Umsatzes, auf Nordamerika etwa 25 Prozent. Der Rest verteilt sich weltweit, wobei vor allem Asien stark zu unserem Umsatz beiträgt. Aktuell wachsen Asien und Nordamerika am stärksten. Ich erwarte allerdings 2026 in allen Regionen Wachstum. Unser wichtigstes Absatzsegment ist nach wie vor der Bereich Industrieelektronik mit etwa 60 Prozent, gefolgt von der Bahn- und Medizintechnik mit jeweils 15 Prozent. Etwa 10 Prozent entfallen auf den Bereich Gebäudetechnik und -automatisierung. Interessant ist, dass gut die Hälfte unseres Bahntechnikumsatzes aus Anwendungen außerhalb der klassischen Bahntechnik stammt. Da geht es oft darum, etwa höhere Schock- und Vibrations- aber auch höhere Temperaturanforderungen zu erfüllen.
Traco ist vor allem für Wandler im kleinen und mittleren Leistungsbereich bekannt. Wie sieht hier die Umsatzverteilung zwischen Wandlern mit kleinerer und größerer Ausgangsleistung sowie zwischen AC und DC bei Traco aus?
Sie haben Recht, historisch sind wir vor allem für kleine DC/DC-Wandler mit niedriger Leistung bekannt. Fast schon ikonisch ist dabei die TNE5-Wandler-Familie. Umsatztechnisch entfallen etwa zwei Drittel auf DC/DC-Wandler. Unser größtes Wachstumspotenzial liegt allerdings im AC/DC-Bereich. Aus diesem Grund haben wir darauf auch unseren Entwicklungsschwerpunkt gelegt, und das vor allem auf Geräte mit 1 kW und mehr Ausgangsleistung.
Traco hat vor Kurzem so etwas wie einen neuen Fünfjahresplan festgelegt. Was beinhaltet er? Wurde die Strategie geändert? Welche Veränderungen sind zu erwarten?
Unsere Vision ist es, auch nach 80 Jahren weiterhin als Familienunternehmen am Markt aktiv zu sein. Wir wollen weiter der Problemlöser für unsere Kunden sein. Dazu müssen wir den Markt sehr genau beobachten, und mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unseres Produktspektrums auf anwendungstechnische Veränderungen am Markt reagieren. Eines steht unverrückbar fest: Das Verständnis für Analogtechnik nimmt weiter ab, daraus erwächst eine immer größere Verantwortung für uns als Stromversorgungsspezialist. Es geht aber nicht nur darum, produkt- und entwicklungstechnisch den Finger am Puls der Zeit zu haben, sondern auch geopolitische Risiken frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Greater China ist so ein Fall – da versuchen wir uns auf alle nur denkbaren Szenarien vorzubereiten.
Thema Regionalisierung: Traco entwickelt in der Schweiz und Irland und fertigt in Asien/China. Wie reagiert man auf ein Kundenverhalten, das vor allem in den USA klar in Richtung No-China geht? Sieht man sich nach alternativen Fertigungsstandorten um?
Ich glaube, das ist in den USA kein ideologisches, sondern ein wirtschaftliches Thema. Das Zollchaos des letzten Jahres hat sich in den USA in Form einer tiefen Verunsicherung eingebrannt. Dazu kommt der Versuch, sich in puncto Supply Chain unabhängiger zu machen. Nimmt man dann noch Taiwan unter der Prämisse »Greater China« hinzu, kommen jahrzehntelange Partnerschaften ins Wanken. Niemand weiß wirklich, was dort in den nächsten Jahren passieren wird. Vor diesem Hintergrund sieht man sich nach Alternativen in Asien wie Vietnam, Thailand oder den Philippinen um. Auch wir tun das.
In diesen geopolitisch herausfordernden Zeiten steht die Sicherung und Resilienz von Lieferketten im Vordergrund. Wie reagiert Traco in diesem Punkt?
Sich bezüglich Fertigungsalternativen in Asien umzusehen, ist noch der einfachere Teil. Wo es wesentlich schwieriger wird, sich von China zu emanzipieren, ist das Thema Rohstoffe und Bauelemente. Unsere Produkte china-frei in puncto Rohstoffe zu bekommen, halte ich für eine Illusion! Sollten sich die Industrienationen wirklich zu so einem Schritt entschließen, wird das ein teurer und mühsamer Weg, der sich über Jahre hinziehen wird.
Ich schätze, Traco dürfte nur am Rande vom Boom der KI-Rechenzentren profitieren? Wie wird der Sog, der durch diesen Boom am Komponentenmarkt entsteht, sich auf Ihr Geschäft und Ihre Lieferfähigkeit auswirken?
Wir sehen uns die Entwicklung am Markt sehr genau an und haben dafür ein Sensorium entwickelt. Aktuell kann man steigende Lieferzeiten bereits bei ICs und MLCCs beobachten.
Infineon hat vor Kurzem Modul 4 in Dresden eröffnet und erwartet, dieses Modul fertigungstechnisch bis 2028/29 füllen zu können. In Japan erhöhen die Kondensatorhersteller die Preise um bis zu 20 Prozent. Läuft die Branche Gefahr, die Fehler der Pandemie zu wiederholen?
Es werden sicher nicht wieder solche Versorgungsschwierigkeiten wie während der Corona-Krise auftreten. Damals kam es letztlich fast weltweit von heute auf morgen zu einem Produktionsstillstand. Wir werden sicher durch einen neuen Schweinezyklus gehen. Sollte doch etwas Außergewöhnliches passieren, werden sich die Komponentenhersteller sicher auf Höhere Gewalt berufen.
Ein realistischer Blick auf die Marktsituation in Deutschland und Europa. Ist wirklich ein Bedarfszuwachs zu erkennen, oder sprechen wir hier in erster Linie über eine technische Reaktion, die auf sich leerende Lager, nicht aber auf einen konjunkturbedingten Bedarfsanstieg ausgeht?
Im Jahresvergleich, unser Geschäftsjahr geht von 1. April bis 30. März, liegen wir im 1. Quartal um 20 Prozent über dem Vorjahr. Schaut man auf die Bookings, ist der Jahresvergleich sogar noch deutlicher. Zum einen tragen nun neue Produktreihen erstmals Früchte, angesichts der geopolitischen Entwicklungen erhöhen viele Kunden aber auch wieder ihre Sicherheitsbestände.
In den USA nähern sich die Midterms. Hatte die Politik von Trump in den letzten eineinhalb Jahren irgendwelche konkreten positiven oder negativen Auswirkungen für Traco im US-Geschäft? Wird das Ihrer Ansicht nach in Zukunft so bleiben, oder rechnen Sie da noch mit Veränderungen?
Was alles passieren kann, haben wir im letzten Jahr am 2. April, dem zweiten Tag unseres neuen Geschäftsjahres, gemerkt, als Trump seinen Liberation Day mit den bekannten Importsteuern verkündete. Das hatte für alle Beteiligten riesige administrative Folgen. Nachdem der Oberste Gerichtshof diese Zölle als ungültig bezeichnet hat, versuchen auch wir nun Zölle, die uns abgenommen wurden, wieder zurückzubekommen. Ich glaube allerdings nicht, dass wir mit einer Rückkehr zur Wirtschaftspolitik der Vor-Trump-Ära rechnen können, sollte Trump die Midterms verlieren.
Technologien dienen keinem Selbstzweck, aber welche Bedeutung haben Wide-Bandgap-Technologien für Sie? Spielt GaN im Kleinleistungsbereich eine Rolle, oder wird es eine Rolle spielen? Wie sieht es beim Thema SiC aus?
Als Premium-Lieferant müssen wir uns mit diesen Technologien beschäftigen. Meine klare Meinung dazu ist, bei hohen Eingangsspannungen setzen wir auf SiC, und wenn es um maximale Leistungsdichte geht auf GaN. Allerdings sehe ich keinen Sinn darin, GaN bei Ausgangsleistungen unter 50 W einzusetzen.