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Power-to-Gas kommt

Koexistenz von Batterien und Wasserstoff

31. März 2020, 10:12 Uhr   |  Heinz Arnold

Koexistenz von Batterien und Wasserstoff
© MAN Energy Solutions

Synthetisches LNG wird mit dem Power-to-X Verfahren aus erneuerbarer Energie gewonnen und kann Schiffe in Zukunft regenerativ antreiben.

Wasserstofftechnologien können ein Schlüssel zu neuen, erfolgversprechenden Geschäftsmodellen für Energieversorger werden.

So hat sich das Vertrauen in die positive Entwicklung durch Power-to-Gas in den vergangenen zwei Jahren laut der neusten Studie »Strategieentwicklung von Energieversorgern« der Managementberatung Horváth & Partners verdoppelt. Aktuell rechneten rund 60 Prozent der Versorgungsunternehmen mittel- und langfristig mit hohen bis sehr hohen Margen. An der Studie haben sich 44 Unternehmen beteiligt, die gemessen an der Anzahl der Zählpunkte rund 55 Prozent des deutschen Energiemarktes vertreten.

Noch ist der Durchbruch nicht gelungen, aber Power2X könnte gleich mehrere Probleme lösen. Der Begriff bezeichnet unterschiedliche Technologien zur Speicherung oder Nutzung von Stromüberschüssen aus erneuerbaren Energien. Hierzu zählt auch die Wasserstofftechnologie, die auf dem Verfahren der Elektrolyse basiert. Dabei wird Wasser mit Strom in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. In der Power-to-Gas-Variante wird der dabei freigesetzte Wasserstoff in einem nächsten Schritt zu einem synthetischen Gas umgewandelt, das zum Heizen oder für Antriebe, zum Beispiel auf Schiffen verwendet werden kann. Aber auch als Speichermedium kommt Wasserstoff in Frage. Überschüssiger Strom aus Wind- und Solarkraft kann in Wasserstoff verwandelt entweder gespeichert oder weiterverwendet werden.

Steigende Volatilität – mehr Speicher erforderlich

Damit könnte die Wasserstofftechnologie auch bei der Energiewende eine bedeutende Rolle spielen. Bis zum Jahr 2025 werden etwa 47 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien erzeugt, so die Prognose der Energieversorgungsunternehmen. Damit würde das Ziel der Bundesregierung von 40 bis 45 Prozent bis 2025 noch übertroffen. Wachstum erwarten die Versorger den Studienergebnissen zufolge etwa im Bereich Photovoltaik. 80 Prozent sehen in der Energiewende eine Chance für ihren Betrieb. Durch diesen starken Ausbau der Erzeugungskapazitäten steige die Volatilität in der Stromerzeugung und damit der Bedarf für Energiespeicher. Eine dieser Lösungen könnte Wasserstoff sein.

Vielversprechende Margen

Die Studie belegt, dass die Versorger Power-to-Gas unter den Top drei der Flexibilisierungsoptionen des Stromversorgungssystems sehen. Kaum eine andere Flexibilisierungsoption verspricht zukünftig ähnlich hohe Margen. Diese Einschätzung hat sich bei Power-to-Gas in den vergangenen zwei Jahren stark verändert: Heute messen 60 Prozent der Versorger der Technologie hohes Potenzial zu, vor zwei Jahren waren es 25 Prozentpunkte weniger. »Allerdings ist der Weg, diese Potenziale zu heben, oftmals noch nicht eindeutig geklärt. Die Energieversorger suchen noch ihre Strategie und weisen bezüglich ihrer Zukunftsprojekte einen sehr heterogenen Reifegrad auf«, sagt Matthias Deeg, Leiter des Beratungsbereichs für die Energiewirtschaft von Horváth & Partners.

Koexistenz der Technologien

Auch mit Blick auf Mobilitätskonzepte steht noch nicht fest, wohin die Reise geht. Unternehmen setzen nicht nur auf Batteriebetrieb, sondern geben auch Brennstoffzellen eine Chance. In den Bereichen Bus und LKW sehen mehr als 75 Prozent der Befragten in Hybriden und Brennstoffzellen ein größeres Potenzial als bei reinem Batteriebetrieb. »Wir haben es mit einer Co-Existenz verschiedener Technologien zu tun. Je größer das Fahrzeug und je länger die Strecke, desto mehr Vorteile kann der Wasserstoff bieten«, sagt Horváth-Experte Deeg. Seine Prognose für die Bereiche Mobilität und Logistik, aber auch die Energieversorgung: »Wir werden sehen, dass die Speicherung von Energie aus überschüssigem Öko-Strom im Energieträger Wasserstoff an Bedeutung gewinnt. Mit steigenden Preisen für CO2-Zertifikate wird das auch für die Stadtwerke und Energieproduzenten immer reizvoller.«

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