Eine Fettleber bleibt meist unentdeckt, bis sich daraus eine Fibrose entwickelt. Mit dem CE-zertifizierten »Adapt«-Algorithmus bringt Roche einen neuen digitalen Biomarker ins Leberpanel der Navify-Algorithm-Suite: für eine frühere Diagnose direkt als Bluttest, vom Hausarzt bis zur Leberambulanz.
Jeder vierte Deutsche leidet laut aktuellen Studien unter einer Fettleber – und die wenigsten wissen es. Alkohol, Zucker und Fette setzen dem Reinigungsorgan zu, doch die Leber besitzt keine Schmerzrezeptoren. Tückisch wie gefährlich spürt der Patient folglich keine Warnzeichen. Während er sich völlig gesund fühlt, kann sich im Hintergrund über Jahre eine Fibrose aufbauen, die im schlimmsten Fall in einer Leberzirrhose oder auch Krebs endet.
Bemerkt der Hausarzt einen auffälligen Leberwert, steht Betroffenen zudem ein langer Weg durch das deutsche Gesundheitssystem bevor: Überweisung zum Gastroenterologen für eine Elastografie, bei Erhärtung des Verdachts eine weitere Überweisung an die Leberambulanz. An jedem dieser Übergabepunkte heißt es warten, manchmal monatelang, während die Erkrankung weiter fortschreitet.
Genau hier will Roche Diagnostics mit dem neuen »Adapt«-Algorithmus für die Leber ansetzen, der ab sofort Teil des Leberpanels der Navify-Algorithm-Suite ist. Die Navify-Algorithm-Suite bündelt medizinische Algorithmen und bindet diese direkt in Klinik- und Laborsysteme ein. So erhalten Ärzte digitale Auswertungen, etwa zur Krebsfrüherkennung, die sie wie einen Laborwert anfordern können.
Statt Ultraschall oder Elastografie genügt für »Adapt« eine ganz normale Blutentnahme. Der Algorithmus verrechnet den Elecsys-PRO-C3-Wert – einen direkten Marker für aktive Fibrogenese – mit Alter, Diabetes-Status und Thrombozytenzahl zu einem Fibrose-Score. Klingt simpel und ist klinisch validiert: Eine prospektive, multizentrische EU-Studie hat belegt, dass sich damit zuverlässig zwischen niedrigem und hohem Fibroserisiko unterscheiden lässt (Cut-offs bei ≥F2, ≥F3).
Transparenz statt Black Box
Wer bei »Score aus Blutwerten« an lernende KI-Modelle denkt, liegt falsch. »Adapt« ist wie viele der Roche-Algorithmen bewusst kein selbst lernendes System, sondern eine feste, nachvollziehbare Formel: Jeder Rechenschritt lässt sich offenlegen, jeder Cut-off ist dokumentiert. Für Ärzte ist damit kein Blackbox-Vertrauensvorschuss nötig, die Algorithmen sind auf Vertrauen und die medizinische Zulassung ausgelegt. »Adapt« trägt als Teil des Leberpanels bereits die CE-Kennzeichnung.
Julian Müller von Roche Diagnostics.
»Der Adapt-Score ist ausschließlich in Verwendung mit dem Pro-C3-Reagenz als Medizinprodukt zugelassen – das heißt, wir brauchen den Algorithmus, um aus dem Blutwert eine medizinische Ableitung treffen zu können«, erläuterte Julian Müller, der bei Roche Diagnostics das Algorithmen-Geschäft im deutschsprachigen Raum verantwortet, im Gespräch mit der Elektronik Medical.
Für den Arzt ändert sich fast nichts
Im Praxisalltag bleibt der Workflow denkbar unspektakulär: Wie alle Algorithmen der Navify-Suite und wie jeder andere Laborwert wird auch »Adapt« über das gewohnte Order-Entry-System angefordert. Im Hintergrund zieht sich die Navify-Algorithm-Suite die nötigen Parameter automatisch per HL7 oder FHIR aus dem Laborinformationssystem, errechnet den Score und liefert ihn direkt als Befund mit Interpretationshilfe zurück. Abgerechnet wird pro Nutzung, ergänzt um eine kleine Plattformgebühr. Leider noch nicht per Abrechnungsziffer der Krankenkassen, aber laut Julian Müller zumindest »quersubventioniert über die Reagenzienpreise«. Und: kein neues Gerät, keine Schulung, kein Extra-Termin – dafür ein um ein Vielfaches beschleunigter Befund für ein sonst lange unsichtbares Krankheitsbild.
Und hier liegt die relevante Veränderung für die Diagnostik und das Gesundheitswesen: Bislang führte der Weg bei auffälligen Leberwerten vom Hausarzt über den Gastroenterologen bis in die Leberambulanz – mit Wartezeiten von teils neun Monaten allein für den Elastografie-Termin. Ein »Adapt«-Score direkt beim Hausarzt oder beim Diabetologen könnte diese Weiche viel früher stellen: Fibrose oder nicht, Überweisung nötig oder nicht. Für überlastete Leberambulanzen bedeute dies eine echte Entlastung bei der Priorisierung. Für Patienten mit tatsächlicher Fibrose einen schnelleren Zugang zur Behandlung. Denn seit auch GLP-1-Abnehmspritzen das Krankheitsbild einer Fettleber nachweislich verbessern können, lohnt sich frühes Erkennen mehr denn je.