Das müssen Personaler jetzt wissen Google for Jobs startet in Deutschland

Tristan Niewöhner, Gründer und Geschäftsführer von persomatch 
und Experte für „Google for Jobs“
Tristan Niewöhner, Gründer und Geschäftsführer von persomatch und Experte für 'Google for Jobs'.

Google for Jobs befindet sich in Deutschland in der Testphase; es wird erwartet, dass der deutschlandweite Rollout kurz bevorsteht. Wie verändert sich die Online-Jobsuche von Fachkräften? Wir haben Tristan Niewöhner von persomatch um eine Einschätzung gebeten.

Im Sommer 2017 startete Google seine eigene Jobbörse „Google for Jobs“ in den USA. Anfang 2018 folgte Lateinamerika mit Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Mexiko, dann Teile Afrikas, Indien und Kanada. Seit Mai letzten Jahres können die Spanier die Goo­gle-eigene Jobsuche nutzen, seit Juli auch die Briten. In Deutschland ist das Feature noch nicht verfügbar, aber laut Goo­gle aktuell »in der Testphase«.

Die Verheißung für Unternehmen: Talente gleich zu Beginn ihrer Suche, wenn sie sich einen Überblick verschaffen wollen, abholen und in den eigenen Recruiting-Prozess überführen – ohne den Umweg über Stepstone und Co. Dazu braucht es freilich Kenntnisse in Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenmarketing (SEM). Beides ist das Metier von Tristan Niewöhner von persomatch. Der Experte für das Thema Suchmaschinenmarketing im Rahmen der Personalgewinnung hat das Startup in Bielefeld gegründet, um die Stellenanzeigen von Unternehmen in der Goo­gle-Suche nach ganz oben zu hieven.

Wie beurteilt er den Einstieg von Goo­gle in den Stellenmarkt? »Goo­gle for Jobs wird den Online-Stellenmarkt hierzulande noch einmal ordentlich aufmischen«, ist sich Tristan Niewöhner sicher. Und vermutet, dass die Goo­gle-
Nutzer die neue Jobsuche hierzulande gut annehmen werden: »Künftig wird sich die Online-Stellensuche immer mehr zu Goo­gle verlagern. Die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass sich die Nutzer schnell an die neue Darstellung von Suchergebnissen gewöhnen, wie man beispielsweise bei der Hotelsuche über Goo­gle sieht. Mit der Jobsuche wird es ähnlich sein: Den Umweg über mehrere Jobbörsen werden dann nur noch wenige gehen.«

Der Experte empfiehlt Unternehmen, spätestens mit dem Start von Goo­gle for Jobs alle relevanten Kriterien zu erfüllen, um ihre Stellenanzeigen beim Suchmaschinengiganten zu positionieren. »Hier geht es um Basics wie die Optimierung der eigenen Seiten für die mobile Suche, den Einsatz von strukturierten Daten, sprechenden URLs oder auch die Ladezeit, um nur einige Beispiele zu nennen«, so Niewöhner. Ein wesentlich entscheidender Faktor sei darüber hinaus die Aufbereitung der Stellenausschreibungen anhand festgelegter Standards: »Hier kann ich nur dazu raten, sich einmal mit dem Thema ‚Strukturierte Daten‘ auseinanderzusetzen. Goo­gle hat mit anderen Global Playern schon vor Jahren die Seite www.schema.org ins Leben gerufen, auf der dargestellt wird, wie Jobangebote für Suchmaschinen bestmöglich aufbereitet werden können. Wer also das ABC der Suchmaschinenoptimierung und die Anforderungen von Goo­gle an die Darstellung von Jobangeboten berücksichtigt, hat gute Chancen, seine Stellen in der „Goo­gle for Job“-Box unterzubringen.«

Wird Google for Jobs eine Verbesserung für die Besetzung offener Stellen bringen? Niewöhner: »Sagen wir es so: Es führt kein Weg daran vorbei. Unternehmen werden Goo­gle for Jobs ernst nehmen müssen und sie müssen versuchen, ein Teil von Goo­gle for Jobs zu werden. Denn Goo­gle for Jobs wird es dem Jobsuchenden sehr einfach machen, potenzielle Arbeitgeber zu finden. Er muss nicht mehr verschiedene Jobbörsen besuchen, um dann doch immer dieselben Stellen zu finden – und Stellen, die er nicht gesucht hat; Stichwort: schlechte Verschlagwortung. Bei Goo­gle for Jobs bekommt er alles auf dem Präsentierteller.«

Welche Formalitäten und technischen Vorgaben gilt es zu beachten, um von Goo­gle for Jobs als relevant eingestuft zu werden? Niewöhner: »Das beinhaltet z. B. die Optimierung der eigenen Stellenanzeige für die mobile Suche, inkl. einer akzeptablen Ladezeit. Auch sollten die URLs (die Internet- oder Webadresse) „sprechend“ sein, sie sollten also die Keywords oder den Jobtitel enthalten. Mit https://firma_beispiel.de/jobs2019/index12345 als URL kann Google nicht viel anfangen. In der URL sollte es auch nicht zu viele Hierarchie-Ebenen geben, denn das erschwert Google ebenfalls die Suche. Schlechtes Beispiel: ­https://firma_beispiel/jobs/jobsuche/industriekauffrau. Grundsätzlich gilt: Je mehr Informationen Goo­gle über die Stellenanzeige erhält, desto eher wird Goo­gle eine Relevanz für die jeweilige Suche feststellen und die Anzeige in der „Goo­gle for Jobs“-Box ausspielen. Die Menge der Informationen wird auch über die Reihenfolge, in der die Anzeigen in der „Goo­gle for Jobs“-Box erscheinen, entscheiden.

Anscheinend wird Google auch Gehaltsangaben sehen wollen – was hierzulande aber unüblich ist. Trübt das die Begeisterung für das neue Tool? Niewöhner: »Die Gehaltsangabe wird nicht zwingend erforderlich sein. Aber: je mehr Informationen Goo­gle bekommt, desto relevanter wird Goo­gle die Stelle einstufen und sie somit ausspielen. Wenn wir ehrlich sind, ist es auf jeden Fall bewerberfreundlicher, wenn das mit der Stelle verknüpfte Gehalt angezeigt wird. Wie schwierig ist es sonst für die Bewerber, wenn sie einen Gehaltswunsch angeben müssen? Ist er zu niedrig, bekommen sie nicht das Gehalt, das sie hätten bekommen können, und ist er zu hoch, wird die Bewerbung meistens nicht mehr berücksichtigt. In Österreich ist es seit ein paar Jahren sogar gesetzlich vorgeschrieben, das Gehalt in Stellenanzeigen anzugeben. Das Thema wird auf jeden Fall heftig diskutiert.«