Interview mit Margret Gleiniger, KSG »Zwei ehemalige Wettbewerber ziehen nun an einem Strang«

Margret Gleiniger, KSG Leiterplatten: »Im hochinnovativen Maschinenbau und der Elektronikindustrie in Europa bieten sich hervorragende Chancen für unsere Branche. Denn durch die Weiterentwicklung der Elektronik werden auch immer wieder neue Innovationen auf den Weg gebracht.«

KSG ist einer der ältesten aktiven Leiterplattenhersteller Europas. Margret Gleiniger, seit 2015 CEO von KSG, kam schon 1984 ins Unternehmen und hat dessen bewegte Zeiten vom staatlichen Betrieb der DDR bis zur Reprivatisierung 1994 miterlebt.

Seit der Übernahme des Konkurrenten Häusermann im Jahr 2017 ist KSG der drittgrößte Leiterplattenproduzent in Europa. Wir haben die Firmenchefin zum Gespräch getroffen.

Markt&Technik: Die Übernahme von Häusermann durch KSG ist nun etwa 1,5 Jahre her – wie sieht Ihr Fazit bislang aus?

Margret Gleiniger: Unser Fazit ist bisher äußerst positiv. Wir haben unsere Kapazitäten sowie die technologischen Möglichkeiten aus zwei erfolgreichen Unternehmen gebündelt und können den Kunden somit ein noch größeres Technologieportfolio anbieten. Die Kapazitäten in Gars, jetzt KSG Austria, haben wir begonnen auszubauen. Dafür haben wir bisher 8,7 Millionen Euro investiert.

Wo genau wurde investiert?

Wir haben den Muster- und Expressservice in Gars ausgebaut und können nun kürzere Lieferzeiten durch neue Fertigungsanlagen in Gars bieten. Bei den Fertigungsanlagen haben wir ganz speziell im Bereich Chemie und in der mechanischen Bearbeitung investiert. Wir haben auch in Gornsdorf einen Investmentplan für Teilkapazitätserweiterungen und möchten eine Steigerung der Produktivität erreichen. Bisher sind wir durch Kapazitätserweiterungen gewachsen. In Zukunft wollen wir durch Rationalisierung und Produktionssteigerungen freie Kapazitäten gewinnen. Darüber hinaus investieren wir in ein neues ERP-System, das zuerst in Gornsdorf und dann in Gars ausgerollt werden soll, um dem Kunden kurze Abwicklungsprozesse seiner Bestellungen bieten zu können.

Häusermann war eine gut eingeführte Marke – wie kam es zu dem Schluss, diese aufzugeben?

Die Entscheidung, die Marke Häusermann aufzugeben, haben wir uns nicht leicht gemacht. Schließlich war Häusermann eine sehr gut etablierte Marke vor allem auf dem deutschsprachigen Leiterplattenmarkt. Doch mit dem Hauptprodukt Leiterplatte liegen beide Standorte in der technologischen Vielfalt nahe beieinander, auch die Zielgruppen unterscheiden sich nicht wesentlich. Klar gibt es Unterschiede im Detail, jedes Haus hat seine spezifischen Stärken und Mehrwerte, die wir nun gemeinsam an die Kunden weitergeben können. Aber diese Unterschiede waren aus unserer Sicht und auf Basis durchgeführter Recherchen und Befragungen zu gering, als dass die Kunden eine glaubwürdige Markendifferenzierung erkennen können hätten.

Den Weg zur neuen Marke sind wir ganz bewusst und strategisch geleitet gegangen. Das war ein langer Prozess, der von Januar bis zum Herbst 2018 andauerte. In einem ausführlichen Markenbildungsprozess wurden die Stärken von Häusermann ebenso wie von KSG eruiert und in der neuen Marke KSG zusammengeführt. Daraus haben wir unsere Botschaften entwickelt. Das Ergebnis ist eine neue starke Marke mit lebendiger Identität und hohem Aufmerksamkeitswert. Wir merken, dass dies bei unseren Mitarbeitern auch am Standort der ehemaligen Häusermann GmbH so wahrgenommen wird und diese sich in der neuen Marke wiederfinden. Aber auch unsere Kunden melden uns das zurück. Natürlich stellt uns das intern vor Herausforderungen. Vormals zwei Wettbewerber ziehen nun an einem Strang. Aber wir sind auf gutem Weg, diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Und: wir arbeiten natürlich permanent daran weiter.

In Ihrer Presseerklärung vom Oktober 2018 heißt es: „Mit der Übernahme startete in beiden Firmen ein intensiver Konsolidierungsprozess unter dem Motto ‚Das Beste aus zwei Welten‘. Beide Werke bleiben als eigenständige Unternehmen bestehen und sind jetzt unter der Marke KSG vereint“. Inwieweit zahlt sich die Konsolidierung aus bzw. was genau wurde verändert?

Durch massive Investitionen wurden 2018 Zusatzkapazitäten aufgebaut, die sich bereits jetzt durch kürzere Muster- und Serienlieferzeiten auf dem Markt bemerkbar machen. Der Schwerpunkt des geplanten Kapazitätsausbaus findet am Standort Gars am Kamp statt. Hier wird in den nächsten Jahren durch Investitionen in die Fertigung die Kapazität verdoppelt. Zudem haben wir Restrukturierungen im Vertrieb vorgenommen mit dem Ziel, dem Kunden einen festen Ansprechpartner für seine Anliegen zu bieten. Ein weiterer Vorteil liegt im höheren Bekanntheitsgrad und in der Möglichkeit, Kunden situationsspezifischer anzusprechen. Auch die neue Positionierung der Marke und der geringe Koordinationsaufwand gehören zu den Vorteilen der Konsolidierung.