Schwaches TV-Geschäft Loewe gerät ins Straucheln - und will durchstarten

TV-Fertigung Made in Germany im fränkischen Kronach
TV-Fertigung Made in Germany im fränkischen Kronach

Loewe hat in den letzten Jahren Vieles versucht, um das schwächelnde TV-Geschäft abzufangen. Nun ist das Unternehmen ein Sanierungsfall.

Mit Innovationskraft, deutlich verschlankt, noch internationaler, mit starken Partnerschaften und neuen Produkten will das fränkische Unternehmen neu durchstarten und sich in Eigenverwaltung sanieren.

1923 gegründet, ist Loewe einer der letzten europäischen TV-Produzenten und hatte in den vergangenen Jahren stark mit der weitaus billigeren Konkurrenz aus Fernost zu kämpfen. Die Qualitätsfertigung in Franken (Bayern) konnte im Preiskampf nicht mithalten. Neue Strategien und die Auftragsfertigung (EMS) sollten in der Vergangenheit die Produktion auslasten und neue Partnerschaften für zusätzliches Kapital sorgen. Der nachhaltige Erfolg blieb jedoch aus.

„Wie in der gesamten Branche wird auch unser Geschäft durch die anhaltende Marktschwäche bei Fernsehgeräten schwer belastet“, betont der Vorsitzende der Loewe Geschäftsführung Dr. Ralf Vogt. „Unser relevantes Marktsegment in der gehobenen Preisklasse ist im laufenden Quartal um 20 Prozent rückläufig. Wir haben uns deshalb entschlossen, auf diesem Weg die weitere Sanierung von Loewe im Rahmen unseres Zukunftskonzeptes zu forcieren.“

Die Eigenverwaltung bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Die unternehmerische Verantwortung bleibt in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert. Die Geschäftsführung wird dabei von Reiner Denzler (Kanzlei DDHW) und Dr. Sebastian Braun (Rechtsanwälte Reinhart Kober Großkinsky) unterstützt. Die Eigenverwaltung ist immer dann möglich, wenn Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. „Der Geschäftsbetrieb von Loewe geht während der Sanierung ohne Einschränkungen weiter“, unterstreicht Ralf Vogt. „Wir können alle Kundenaufträge planmäßig erfüllen und werden auch unsere Lieferantenverbindlichkeiten begleichen, die während des Verfahrens entstehen.“ Die Löhne und Gehälter der gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Sanierungsphase gesichert.

Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Rechtsanwalt Rüdiger Weiß von der bundesweit auf Unternehmenssanierung spezialisierten Kanzlei Wallner Weiß bestellt. Er überwacht den Sanierungsprozess im Interesse der Gläubiger.

„Das Loewe Management ist erst vor wenigen Wochen angetreten, die Marke und das gesamte Unternehmen wieder erfolgreich zu machen“, so Ralf Vogt. „Wir mussten jetzt erkennen, dass dies schneller und konsequenter geschehen muss, als wir das noch zum Jahresbeginn angenommen hatten. An den Eckpfeilern unseres Zukunftskonzeptes ändert sich dabei nichts.“
Besonders in der Produktentwicklung wird Loewe vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Erfahrung seine spezielle Kompetenz weiter ausbauen und zusammen mit Partnern wie Toyoichi auf weitere Felder übertragen. Geplant ist hier unter anderem eine gemeinsame Software-Entwicklung für Front-End-Lösungen, wie z.B. mobile Applikationen, in Indien.

„Loewe wird sich noch intensiver auf seine Kernkompetenzen, Kernprozesse und Schlüsselaktivitäten konzentrieren. Das bedeutet ein noch konsequenteres Arbeiten im internationalen Partner-Netzwerk,“ betont Ralf Vogt. Beides schafft die Grundlage für einen umfassenden strukturellen und personellen Umbau der Loewe Organisation und eine Verschlankung des gesamten Unternehmens.