HR in der Krise: Ritt auf der Klinge

28. April 2009, 16:50 Uhr | Christine Demmer, Markt&Technik

Einerseits sollen die Personalbereiche Beschäftigte abbauen, andererseits die Leistungsträger halten. Sie sollen ältere Mitarbeiter sinnvoll im Betrieb einbinden, die Superstars von morgen entdecken und bei all dem für Ruhe im Karton sorgen. Das wäre machbar, dürfte HR bei der Unternehmensstrategie ein Wörtchen mitreden. Meist darf sie aber nicht.

In diesen Tagen dürfte den Personalern der Lesestoff nicht ausgehen: Von allen Seiten prasseln Studien, Umfrageergebnisse und gute Ratschläge auf sie ein. Erteilt werden sie von Beratern, Stellenbörsen, Wirtschaftsprüfern, Professoren und Messeveranstaltern, und alle, alle wollen nur das eine: Die HR-Verantwortlichen auf Augenhöhe mit den wahren Bestimmern bringen.

Oder sie zumindest damit trösten, dass die Personalfunktion auch anderswo noch nicht so recht als »strategischer Partner« wahrgenommen wird. Denn auf Augenhöhe mit den strategischen Entscheidern sind die meisten HR-Manager immer noch nicht angekommen. Das jedenfalls legten alle empirischen Untersuchungen nahe, meint Christoph Beck, Professor an der Fachhochschule Koblenz: »Im Ergebnis konnte immer wieder eine Diskrepanz zwischen der gefühlten strategischen Bedeutung und der tatsächlichen Bedeutung von HR in der Unternehmensrealität bestätigt werden.

Darüber hinaus stellte man zwar eine wachsende Relevanz von HR in der Unternehmenspraxis fest, konstatierte aber gleichzeitig auch, dass die damit verbundene Rollenveränderung von HR zum Business Partner noch nicht vollzogen ist.« Augenfällig wird das in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise.

Die Mehrheit der Personaler dient als Exekutor dessen, was die oberste Heeresleitung als Direktive ausgibt, glaubt es aber besser zu wissen, weiß es auch wirklich oftmals besser und quält sich darob mit einem klaffenden Widerspruch zwischen Eigen- und Fremdbild. Noch dazu stehen die Verwalter des Humankapitals unter enormem Druck.

Derzeit hat HR reichlich unangenehme Jobs zu erledigen: Höfliche Verabschiedung von Leiharbeitnehmern und Externen, Abbau selbst bei den Stammbelegschaften, Kosteneinsparungen an allen Ecken und Kanten, Erhöhung der Effizienz und noch mehr Gas geben bei der Auslagerung von Aktivitäten, die bisher im eigenen Haus durchgeführt wurden. Zusammengefasst: bei der Beschleunigung des eigenen Bedeutungsschwundes.

»Selbstbewusst und produktiv auf die Krise reagieren«

Darüber macht sich die Hauptkundschaft der HR-Bereiche keine Illusionen, wie Christoph Beck unlängst mit einer Befragung der selten zu Wort Kommenden herausgefunden hat. »Die Wahrnehmung darüber, dass HR vornehmlich und mehrheitlich die Rolle des administrativen Experten ausfüllt und nur wenig die Rolle des Business Partners und die des Change Agents, bestätigte sich aus der Perspektive der Mitarbeiter.«

 


  1. HR in der Krise: Ritt auf der Klinge
  2. In der Krise regiert der Rotstift
  3. »Aktive Interaktion mit den Mitarbeitern«
  4. Grundsätze ordnungsgemäßer Personalarbeit