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Bidens Konjunkturpaket pusht auch deutsche Wirtschaft

11. März 2021, 10:37 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Bidens Konjunkturpaket pusht auch deutsche Wirtschaft
© Bild: Adobe Stock

Das Konjunkturprogramm der Biden-Regierung wird nicht nur das Wachstum der US-Wirtschaft in diesem Jahr um rund drei Prozentpunkte und damit so stark wie zuletzt in den frühen 80er Jahren erhöhen, meldet die Hans-Böckler-Stiftung. Den Effekt soll auch die deutsche Wirtschaft deutlich spüren.

Obwohl Joe Bidens „American Rescue Plan“ vor allem darauf angelegt ist, die US-Konsumnachfrage und die inländischen Dienstleistungsbranchen anzukurbeln, erhält das deutsche BIP zusätzliche Wachstumsimpulse um 0,3 Prozent in diesem und um 0,1 Prozent im kommenden Jahr. Für das laufende Jahr wäre das mehr, als gemeinhin als Wachstumsimpuls der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung 2020 zugeschrieben wird. Relevante Inflationsrisiken entstünden durch den massiven Konjunkturimpuls in den USA hingegen nicht, so neue Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Das kürzlich vom amerikanischen Senat freigegebene Konjunkturpaket hat ein Volumen von 1,9 Billionen US-Dollar. Im Zentrum steht eine Einmalzahlung von 1.400 Dollar pro Person, wobei Haushalte mit hohen Einkommen ausgenommen sind. Hinzu kommen massive Ausgaben zur Stärkung des Gesundheitssystems, zur Beschleunigung der Covid19-Impfkampagne, Unterstützung für Schulen, um schnell auch unter Pandemiebedingungen wieder öffnen zu können, Transfers an Hochschulen und Unterstützung von Studierenden sowie eine Verlängerung der pandemie-bedingten Arbeitslosenunterstützung. Schließlich sollen Bundesstaaten und Kommunen unterstützt werden, damit diese nicht ihre Ausgaben zurückfahren müssen.

Das IMK berechnet die nationalen und internationalen konjunkturellen Effekte des US-Pakets mit dem Mehrländer-Simulationsmodell NIGEM. Wie von der Regierung in Washington beabsichtigt, gibt der „Rescue Plan“ in erster Linie der amerikanischen Wirtschaft starke Impulse: Das US-BIP wird damit 2021 um 2,9 Prozent und 2022 um 3,0 Prozent höher ausfallen als ohne Rescue-Plan.

Die internationale Ausstrahlung ist deutlich geringer, aber gleichwohl relevant: Neben Deutschland profitieren auch andere EU-Länder von der höheren Nachfrage aus Übersee. Dadurch wird die Wirtschaftsleistung des Euroraums um 0,3 Prozent 2021 und 0,2 Prozent 2022 höher sein. Noch darüber hinaus erwarten die IMK-Fachleute Prof. Dr. Sebastian Dullien, Dr. Silke Tober und Dr. Sebastian Watzka einen positiven psychologischen Effekt, der sich bislang nicht beziffern lässt: „Das Signal einer handlungsfähigen und finanzpolitisch auch handlungswilligen Regierung in den USA könnte die Erwartungen der Unternehmen weltweit in der Corona-Pandemie stabilisieren. Die verringerte Unsicherheit könnte einen zusätzlichen Wachstumsimpuls auch für die europäischen Volkswirtschaften bedeuten“, schreiben sie.

Eine Überhitzung der amerikanischen Wirtschaft, die zu anhaltend verstärkter Inflation führen könnte, halten Dullien, Tober und Watzka hingegen für äußerst unwahrscheinlich. Zwar werde die Teuerungsrate in den USA auch durch die verstärkte Nachfrage in diesem und im nächsten Jahr anziehen. Doch sei die Unterauslastung der US-Wirtschaft durch die Corona-Krise und die drastisch gestiegene Arbeitslosigkeit so groß, dass keine längerfristige Preis- und Lohnspirale zu erwarten sei. Umso mehr, da die Konjunkturstütze nur vorübergehend angelegt ist. Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) müsse und werde daher nicht intervenieren, betonen die Forscher: „Die Simulationen zeigen eine schnelle Rückkehr der Teuerungsrate spürbar unter das Inflationsziel der US-Notenbank auch ohne eine Zinserhöhung der Fed.“ Auch die Auswirkungen auf das Wechselkursniveau zwischen US-Dollar und Euro oder das Zinsniveau europäischer Anleihen seien daher gering.

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