Bewerbung

»Bewertungsportale sind zum Ort der Wahrheit geworden«

14. Februar 2022, 9:31 Uhr | Corinne Schindlbeck
Kununu
Die Elektronikindustrie ist auf Kununu zahlreich vertreten.
© Kununu

Einer wissenschaftlichen Studie zufolge nutzen Bewerber Bewertungsportale wie Kununu rege, um sich über Arbeitgeber zu informieren. Was das für Konsequenzen hat.

Entdecken die Bewerber Diskrepanzen zwischen dem, was sie auf Bewertungsportalen lesen, und dem Arbeitgeberauftritt, verzichtet die Hälfte auf die Bewerbung – manche für immer. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1647 Bewerbern durch das HR-Marktforschungsunternehmen Trendence im Auftrag eines interuniversitären Forscherteams der Universität Innsbruck, der FH Krems und der WU Wien.

Demnach nutzt bereits ein Fünftel der Kandidatinnen und Kandidaten Kununu & Co. immer, um sich über Arbeitgeber zu informieren – ein weiteres Drittel aller Bewerber häufig und knapp 30 Prozent immerhin noch gelegentlich. Nur die Karriere-Website des Arbeitgebers wird noch öfter (38 Prozent immer und 36 Prozent häufig) herangezogen. Die meisten Nutzer von Bewertungsportalen tun dies, um sich generell über potenzielle Arbeitgeber zu informieren (78 Prozent). 30 Prozent nehmen stets einen letzten Arbeitgeber-Check vor, wenn ihnen bereits ein Jobangebot vorliegt. Auch während des Beschäftigungsverhältnisses überprüfen viele Mitarbeiter (26 Prozent) ihren aktuellen Arbeitgeber regelmäßig, weitere 37 Prozent tendenziell. »Für Unternehmen erhöht das den Druck, authentisch zu kommunizieren«, erklärt Wissenschaftler Markus Latzke von der IMC Fachhochschule Krems.

Die Folgen für die ausschreibenden Arbeitgeber sind brisant: Mehr als die Hälfte der Kandidaten, die Unstimmigkeiten zwischen Soll und Ist entdecken, gibt an, sich bei diesem Unternehmen nicht mehr bewerben zu wollen, über ein Viertel sogar »nie mehr«.

Von welchen Unstimmigkeiten ist die Rede? »Ein Arbeitgeber, der in seinen Stellenanzeigen mit ausgewogener Work–Life Balance wirbt, bei kununu & Co. aber kritische Beiträge zu diesem Thema erhält, verhagelt sich die Glaubwürdigkeit gegenüber einem Großteil potenzieller Bewerber. Das kann sich in Zeiten des Arbeitskräftemangels eigentlich kein Unternehmen leisten«, so Katharina Pernkopf von der Universität Innsbruck zu den Ergebnissen. Selbst die Kandidaten, die den Bewerbungsprozess aufgrund der wahrgenommenen Diskrepanz nicht beenden, lassen das Thema nicht auf sich beruhen. 46 Prozent der Studienteilnehmer geben zwar an, sich ungeachtet der entdeckten Widersprüchlichkeiten trotzdem zu bewerben, den Arbeitgeber aber in jedem Fall im Vorstellungsgespräch mit diesen zu konfrontieren. Nur knapp 15 Prozent der Bewerber ist es egal, wenn Bewertungen von Mitarbeitenden und Arbeitgeberwerbung nicht zueinander passen.

Ab einem Score von 2,5 von 5 möglichen Sternen verzichten die meisten auf eine Bewerbung beim jeweiligen Unternehmen. Dazu passt: 87 Prozent der kununu-Nutzer achten immer auf den den Gesamt-Score eines Arbeitgebers.

Aber auch Erfahrungsberichte aus dem Bewerbungsprozess stehen hoch im Kurs auf den Bewertungsportalen. Mehr als die Hälfte der Nutzer schauen sich immer oder oft an, wie Arbeitgeber diesen aus Sicht von Bewerbern managen – weitere 30 Prozent gelegentlich.

Das Fazit, das Professor Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien zieht: »Wir sehen: Bewertungsportale sind zum Ort der Wahrheit für Kandidaten geworden, und zwar über die gesamte Prozesskette einer Bewerbung und Einstellung hinweg«. 


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