Rohm übernimmt MEMS-Spezialist Kionix

19. Oktober 2009, 15:54 Uhr | Engelbert Hopf, Markt&Technik

Rohm übernimmt zu einem nicht genannten Betrag den amerikanischen MEMS-Spezialisten Kionix, der nach Einschätzung des Marktforschungsinstituts iSuppli im Jahr 2008 einen Umsatz von rund 50 Mio. Dollar erzielte.

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Durch die Übernahme wird Kionix zu einer 100prozentigen Rohm-Tochter. Rohm plant das Unternehmen unter seinem eingeführten Namen als eigene Geschäftstätigkeit am Standort Ithaca, im Staat New York weiterzuführen. In Ithaca steht auch die 6-Zoll-Fertigung von Kionix, deren Kapazität er in diesem Jahr verdoppelt worden ist.

Kionix rangiert nach Angaben von Jérémie Bouchaud, Director an Principal Analyst für den MEMS-Bereich bei iSuppli, im Consumer-MEMS-Bereich 2008 hinter STMicroelectronics und Analog Devices au Rang 3. »Rohm hat sich damit einen der größten und erfolgreichsten, am Markt agierenden konzernunabhängigen MEMS-Hersteller ausgewählt«, kommentiert er die Übernahme, »für Rohm stellt diese Übernahme zwar nicht den völligen Neueinstieg in das MEMS-Geschäft dar, schließlich hat das Unternehmen seit der Oki-Übernahme im Mai 2008 bereits erste Erfahrungen im MEMS-Segment gesammelt, mit der Akquisition von Kionix, wird das Unternehmen aber nun zum einem namhaften Player im MEMS-Geschäft«.

Für Bouchaud stellt die Übernahme aber auch aus Sicht von Kionix einen konsequenten Schritt dar. »In einigen Teilbereichen wächst der MEMS-Consumer-Markt jährlich um 50 bis 70 Prozent«, erläutert der Analyst, »mit einer 6-Zoll-Fertigung wird man da an Grenzen stoßen, mit einer 4-Mrd.-Dollar Company wie Rohm im Rücken, eröffnen sich in diesem Milliarden Dollar schweren Boommarkt natürlich neue Möglichkeiten«. Bouchaud weist auch darauf hin, dass Rohm mit einem Portfolio von Hall-Effekt-, Licht-, Temperatur- und Beschleunigungssensoren über einen breiten Zugang zum Sensormarkt verfügt, »da könnten sich in Zukunft durchaus neue Produktideen ergeben«.
Kionix wurde 1993 mit Mitarbeitern der Cornell University gegründet, die dem Startup eine Exklusiv-Lizenz für die an der Universtät entwickelte Plasma-Micromachining-Technolgie zur MEMS-Fertigung erteilte. Auf der Basis dieser Lizenz fertigte das Unternehmen unter anderem Beschleunigungssensoren, Mikrofluidic-Lösungen, Mikro-Relais und Mikro-Spiegel-Arrays.

Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen wegen seines Mikro-Spiegel-Know-hows von Calient Networks übernommen. Kurz vor der Übernahme hatte sich ein neues Spinoff-Unternehmen aus Kionix gelöst, das sich auf Beschleunigungssensoren, Mikrofluidik und Massenspeicherlösungen konzentrierte. Dem neuen Unternehmen gelang es, sich wieder den alten Namen Kionix zu sichern. In der Folgezeit präsentierte Kionix unter anderem den ersten dreiachsigen Beschleunigungsaufnehmer im Small-Formfaktor-Gehäuse (5 x 5 mm), den ersten Beschleunigungsaufnehmer mit integriertem Algorithmus zur Fallerkennung und den ersten, für den Automotive-Einsatz geeigneten dreiachsigen Beschleunigungssensor im Small-Faktor-Plastikgehäuse.

Derzeit beliefert Kionix vier große MEMS-Anwendungsbereiche im Consumer-Segment: Game Controller, Festplattenschutz-Lösungen, Handys und mobile Navigationsgeräte. So beliefert das Unternehmen Sony exklusiv mit Beschleunigungssensoren für die Playstation, Kionik-MEMS sind auch im MAC-Book oder in Handys von Samsung zu finden. Seit Oktober 2007 unterhält Kionix zudem eine Lizenzvereinbahrung mit SensorDynamics, die dem österreichischen, auf das Automotive-Segment fokussierten Unternehmen, Zugriff auf seine Gyroskop-IP gibt.


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