»RISC-Prozessoren haben in Netbooks keine Chance«

27. Oktober 2009, 9:47 Uhr | Frank Riemenschneider, Elektronik

Im Gegensatz zu Konkurrent ARM sieht John Bourgoin, CEO des Core-Herstellers MIPS, keine Zukunft für sein Unternehmen und dessen Konkurrenten im Netbook-Markt.

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Bourgoin glaubt fest daran, dass der Netbook-Markt, der momentan zu über 90 Prozent von Intels Atom-Prozessor dominiert wird, auch zukünftig in x86-Hand bleiben wird. Das sagte Bourgoin, der Ende 2009 nach elfjähriger Tätigkeit als MIPS-CEO zurücktreten wird, in einem Gespräch mit der »Elektronik«.

Als Grund führte er an, dass in Japan, Europa und Amerika die Computer-Nutzer seit über 20 Jahren an Windows gewöhnt sind und keine grundsätzlichen Wechseltendenzen erkennbar seien. Im Hinblick auf die Wachstumsmärkte China und Indien, in denen die Menschen ja nicht durch Windows »vorbelastet« sind und zudem der Preis die entscheidende Rolle spiele, sagte Bourgoin, dass es in diesen Ländern sicher im Privatbereich Möglichkeiten für Linux-basierende Netbooks gäbe. Die Unternehmen könnten sich in der globalen Wirtschaft hingegen nicht von einem Quasi-Weltweit-Standard abkoppeln.

Bourgoin kündigte einen neuen Core an - den MIPS14. Er soll der Öffentlichkeit am 2. November vorgestellt werden und ARMs Platzhirsch bei den Mikrocontrollern, den Cortex-M3, angreifen. Der MIPS14 sei energieeffizienter, benötige weniger Siliziumfläche und würde bei der Synthetisierung im gleichen TSMC-Prozess erheblich mehr Rechenleistung bieten als der Cortex-M3.

Schließlich äußerte sich Bourgoin auch zu der gescheiterten Übernahme des portugiesischen Analog-IP-Herstellers Chipidea, der 2007 für 147 Mio. Dollar gekauft und 18 Monate später für nur noch 22 Mio. Dollar an Synopsys »verramscht« wurde. Er sagte, dass der Kauf im Wesentlichen kreditfinanziert wurde und die Finanzkrise zu nicht vorhersehbaren hohen finanziellen Belastungen für MIPS geführt hätte. Die gescheiterte Übernahme sei somit in seiner sonst erfolgreichen Karriere das größte Desaster überhaupt gewesen.

Vorwürfen von ehemaligen Chipidea-Managern, dass die Integration der Analog- und Digital-Verkaufsteams durch falsche Management-Entscheidungen gescheitert sei, trat Bourgoin entschieden entgegen: Digital- und Analog-IP würde ja in den gleichen Projekten zur Anwendung kommen, getrieben seien diese in der Regel durch den Core und erst sekundär durch Analog-IP. Von der Sache her sei der Kauf von Chipidea richtig, lediglich der Zeitpunkt vor der Finanzkrise aus heutiger Sicht falsch gewesen.


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