Laut Analysen von Omdia sind die PC-Verkäufe (ohne Tablets) im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 7 Prozent gefallen, der stärkste Rückgang seit dem dritten Quartal 2023.
Das Marktforschungsunternehmen spricht von 18,5 Mio. Einheiten, die im ersten Quartal 2026 verkauft wurden. Der starke Rückgang spiegelt laut Analysten Lieferengpässe bei Komponenten sowie steigende Kosten infolge stark gestiegener Preise für PC-Arbeitsspeicher und -Speichermedien wider. Hinzu kommt eine Nachfrageschwäche, weil viele Unternehmen ihre PCs im Zuge der Umstellung auf Windows 11 bereits erneuert haben. Entsprechend besteht derzeit nur ein geringer Bedarf an neuen Geräten.
Der Vergleich wurde zudem durch ein starkes erstes Quartal 2025 beeinflusst, in dem zollbedingte Vorzieheffekte bei den Lagerbeständen die Auslieferungen in die Höhe trieben, sowie durch eine moderate Lagerauffüllung im Vertriebskanal im ersten Quartal 2026 im Vorfeld erwarteter Speicherpreissteigerungen.
Der Vergleich wird zudem dadurch beeinflusst, dass das erste Quartal 2025 besonders stark ausgefallen war: Damals hatten zollbedingte Vorzieheffekte bei der Lagerhaltung die Auslieferungen erhöht. Im ersten Quartal 2026 kam es außerdem zu einem moderaten Lageraufbau im Handel im Vorfeld erwarteter Preissteigerungen bei Speicherbausteinen.
Da DRAM- und NAND-Speicher-ICs zunehmend in KI-Servern eingesetzt werden, steigen die Kosten für diese Komponenten. Das wiederum schmälert die Margen der Hersteller bei Einsteigergeräten, so dass preisgünstige PCs zunehmend unrentabel werden. Das spiegeln auch die Zahlen wider: So gingen eie Auslieferungen von PCs unter 500 Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18,7 Prozent zurück. Die Analysten von Omdia gehen davon aus, dass sich der branchenweite Rückgang aufgrund der anhaltenden Lieferengpässe bis zum Ende des Jahres 2026 fortsetzen wird. Für das Gesamtjahr wird ein Rückgang der PC-Verkäufe in den USA um 14,4 Prozent gegenüber 2025 prognostiziert.
Scott Braverman, Senior Analyst bei Omdia, erklärt weiter: »Die Auswirkungen der Lieferengpässe bei Komponenten auf die PC-Auslieferungen wurden im ersten Quartal 2026 auf dem US-Markt deutlich sichtbar. Dabei gingen die Verkäufe im Privatkundensegment deutlich stärker zurück als der Gesamtmarkt, nämlich um 9,5 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Quartal des Vorjahres. Viele Verbraucher haben angesichts höherer Preise und der angespannten wirtschaftlichen Lage den Kauf eines neuen PCs verschoben. Im Geschäftskundensegment fiel der Rückgang mit 5,0 Prozent deutlich geringer aus.«
Omdia geht davon aus, dass das erste Halbjahr 2026 die stärkere Phase für die Nachfrage nach Business-PCs ist. Gleichzeitig wird erwartet, dass das Kostenumfeld für Komponenten die Preise im Einstiegssegment bis 2027 auf einem hohen Niveau halten und damit die Nachfrage auf der Verbraucherseite dämpfen wird.
»Auch Segmente mit begrenztem Budget standen unter Druck, wenngleich die Auslieferungen in den Bildungsbereich im ersten Quartal 2026 nur um 6,2 Prozent zurückgingen. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den zweistelligen Rückgängen, die in jedem der drei vorangegangenen Quartale verzeichnet wurden. Diese Entwicklung dürfte jedoch nicht anhalten. Da Schulen und Bildungseinrichtungen überwiegend günstige PCs beschaffen, treffen die steigenden Preise gerade dieses Segment besonders stark. Auch Behörden und andere öffentliche Einrichtungen kauften weniger PCs, weil die Preissteigerungen ihre ohnehin knappen Budgets zusätzlich belasteten. Beide Segmente dürften deshalb auch 2026 unter Druck bleiben. Mit einer spürbaren Erholung ist voraussichtlich erst 2027 zu rechnen.«
»Während die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASP) im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um 4 Prozent stiegen, erwartet Omdia für das zweite Quartal einen Anstieg um 12 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte 2026 dürften die Preise aufgrund der Angebotsengpässe die 12-Prozent-Marke sogar überschreiten«, sagt Kieren Jessop, Research Manager bei Omdia. »Zudem treiben auch Veränderungen auf der Nachfrageseite die durchschnittlichen Verkaufspreise in die Höhe: der Anteil KI-fähiger PCs stieg auf 44 Prozent aller Auslieferungen. Vor allem Großunternehmen beschaffen zunehmend kostspieligere KI-fähige PCs.«
Für Business-PCs erwartet Omdia, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise in diesem Jahr um 11 Prozent steigen werden, während im Privatkunden- und im öffentlichen Sektor ein Anstieg um 10 Prozent erwartet wird. Im Bildungsbereich dürften die durchschnittlichen Verkaufspreise unverändert bleiben, da dieses preissensible Segment die Erneuerung seiner PC-Bestände aufgrund der raschen Preissteigerungen hinauszögert.
Die Entwicklung der einzelnen PC-Hersteller fiel im ersten Quartal 2026 sehr unterschiedlich aus. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die Ausrichtung auf einzelne Marktsegmente sowie die jeweiligen Preisstrategien. HP verzeichnete mit einem Rückgang um 21,6 Prozent den stärksten Einbruch unter den großen Anbietern. Das führte dazu, dass HP im ersten Quartal 2026 seine Spitzenposition in den USA verlor. Dell übernahm mit einem Marktanteil von 25,0 Prozent die Führung und verzeichnete trotz des allgemeinen Marktrückgangs ein Wachstum von 1,1 Prozent. Auch Lenovo legte um 1,2 Prozent zu und erreichte damit einen Marktanteil von 20,0 Prozent. Beide Hersteller profitierten vor allem von deutlichen Marktanteilsgewinnen im Consumer-Segment (jeweils 4 Prozentpunkte im Jahresvergleich). Damit verringerten sie den Abstand zu Apple und HP.
Apple schnitt mit einem Absatzrückgang von 1,6 Prozent besser als der des Gesamtmarkt ab, sodass das Unternehmen einen Marktanteil von 16,9 Prozent halten konnte. Dazu trug die weiter steigende Verbreitung von MacBooks im Unternehmensumfeld bei, in dem Apple inzwischen einen Marktanteil von 15,3 Prozent erreicht hat.
Auch kleinere Anbieter gerieten unter Druck: Ihre Auslieferungen gingen um 13,1 Prozent zurück, da diese Marken nicht über die gleichen Verhandlungsmacht verfügen wie die großen Anbieter.