Die Vorstellung einer neuen MCU-Familie mit dem geringsten Energieverbrauch überhaupt durch ein Startup, hat die etablierten Hersteller offensichtlich mehr getroffen, als sie zugeben wollen.
Bei einer Podiumsdiskussion auf der ARM TechCon 2009 stellten NXP, STM und TI dann zumindest Produkte mit vergleichbaren Daten in Aussicht.
Auf die Frage von EEMBC-Präsident Markus Levy, warum es NXP, TI und STM über Jahre nicht geschafft hätten, Produkte mit vergleichbarer Energieeffizienz wie die 30-Mann-Firma EnergyMicro aus Norwegen zu entwicklen, reagierte NXP-Manager Geoff Lees gereizt: Er erklärte nicht nur im Namen seiner eigenen Firma, sondern auch gleich im Namen von ST Microelectronics und Texas Instruments, dass man mit Sicherheit derartige Produkte entwickeln könne und werde.
Gegenüber der »Elektronik« erklärte Levy nach der Diskussion, dass die Norweger alle drei anwesenden etablierten Hersteller mehr oder weniger vorgeführt hätten. Atmel hatte die Teilnahme an der Diskussion trotz vorheriger Ankündigung sogar abgesagt.
Eigentlich sollte sich die Podiumsdiskussion um die Unterschiede der einzelnen Cortex-M3/M0-Implementierungen aus den Häusern NXP, TI und STM drehen. Dazu gab es jedoch nicht viel Neues zu sagen.
NXP-Manager Lees argumentierte, dass NXP industrieweit die meisten MCUs mit Cortex-M3-Cores von ARM anbietet und die erste Cortex-M0-Implementierung vorzuweisen hat. Außerdem betonte er, dass NXP den schnellsten Flash-Speicher (125 MHz) anbietet.
Auch Semir Haddad von STM erklärte, dass seine Firma die größte Auswahl an Cortex-M3-basierenden MCUs anbiete. Den offensichtlichen Widerspruch zur Aussage von Lees, der dieses ja gerade für NXP in Anspruch genommen hatte, konnte Haddad nicht erklären. Spezielle technische Vorteile der STM32-Familie, in denen sich diese von den Konkurrenten abheben würde, nannte er nicht.
Jean Anne Booth von Texas Instruments betonte, dass die Stellaris-Familie ein schnelle I/O-Schnittstelle beinhaltet und gut für Motion-Control-Anwendungen geeignet ist (PWM).
Als erfolgskritisch wurden von allen Herstellern die zukünftigen Anforderungen an die Peripherie (CAN, Ethernet, LCD) bezeichnet, wo die Diskussionsteilnehmer die größte Möglichkeit zur Differenzierung der diversen ARM-Hersteller sehen. Die Krise in der Automobilindustrie sieht Lees als große Chance, für das Thema Energieeffizienz. Er hob hervor, dass sich der Energieverbrauch durch elektrische Verbraucher im Auto in den letzten 10 Jahren vervierfacht habe.
Während Levy die Meinung vertrat, dass die Anzahl der MCUs keine Rolle spiele, solange die richtige dabei ist, die der Kunde braucht, wurde ihm von allen Herstellern widersprochen: Unterschiedliche Projekte brauchen unterschiedliche MCUs, wichtig ist aus ihrer Sicht, dass durch ein einheitliches Ecosystem schnell von einem Produkt zum nächsten gewechselt werden kann.