Megatrends als Bedarfstreiber

»Wir prüfen laufend einen Ausbau unserer Fertigungskapazitäten«

15. Juni 2023, 08:00 Uhr | Engelbert Hopf
Wijburg Dr. Rutger
© Infineon Technologies

Mit der größten Investition der Firmengeschichte in Dresden, sowie der bereits laufenden 300-mm-Dünnwafer-Fab in Villach stellt Infineon, so versichert es COO Dr. Rutger Wijburg, die Massenproduktion klassischer Silizium-Halbleiter in Europa sicher. Beide Werke werden im virtuellen Verbund arbeiten.

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Virtuelle Fertigungssteuerung

Im Zusammenhang mit dem Spatenstich für Modul 4 wurde von einem virtuellen Verbund mit Villach gesprochen. Was konkret ist darunter zu verstehen? In welcher Form wird dadurch die Fertigungsflexibilität von Infineon nachhaltig verbessert?

Wir harmonisieren die 300-Millimeter-Fertigungen in Villach und Dresden so weit, dass wir sie für viele Fertigungstechnologien so steuern können, als wären sie eine Fabrik. Die standortübergreifende virtuelle Fertigungssteuerung schafft zusätzliche Flexibilität für unsere Kunden. Fertigungsvolumina für unterschiedliche Produkte können rasch zwischen den Standorten verschoben werden, um damit noch schneller auf ihren Bedarf zu reagieren. Das ist insbesondere in Phasen schnellen Wachstums ein entscheidender Vorteil, erhöht aber auch die Zuverlässigkeit: Zwei große Fertigungsanlagen, die diese kritischen Leistungshalbleiter im Hochvolumen herstellen können, erhöhen die Ausfallsicherheit.

Infineon Technologies ist der klare Marktführer im Bereich Leistungshalbleiter. In welchem Verhältnis steht der Umsatzanteil der Leistungshalbleiter zu den übrigen Halbleiteraktivitäten von Infineon Technologies? Rechnen Sie damit, dass die Umsatzbedeutung bis zum Ende dieses Jahrzehnts noch deutlich zunehmen wird?

Gegenwärtig liegt der Umsatzanteil der Leistungshalbleiter bei rund 55 Prozent, dieser Anteil war in der Vergangenheit höher. Die Trends der Dekarbonisierung und Digitalisierung sind stark. Davon profitieren zahlreiche unserer Produktkategorien. Nehmen Sie beispielsweise Lösungen für das Internet der Dinge, Mikrocontroller für das Auto sowie Sensorlösungen. Bitte haben Sie aber Verständnis, dass wir für einen Ausblick bei einzelnen Produktkategorien nicht ins Detail gehen können.

Das Thema Fachkräftemangel ist in Deutschland omnipräsent. In Dresden entstehen nun zusätzliche 1000 Arbeitsplätze. Wann wird Dresden nach Ihrer Einschätzung für die Halbleiterbranche an eine Grenze stoßen, was die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter angeht? Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie gegenzusteuern?

Silicon Saxony ist Europas größter Mikroelektronik-Cluster und ein Kompetenzhub für die Halbleiterindustrie. Natürlich stehen hier viele Unternehmen im Wettbewerb miteinander um Fachkräfte. Allerdings gibt es hier auch sehr viel Kompetenz, auf die man zugreifen kann. Einen wachsenden Bedarf haben wir beispielsweise an Mitarbeitenden, die Maschinen und Systeme steuern sowie die Anlagen warten und optimieren. Wir erhöhen deswegen schon ab dem kommenden Jahr die Anzahl der Ausbildungsplätze. Darüber hinaus unterstützen wir die sächsische Staatsregierung bei allen Bemühungen, den Wirtschaftsstandort Dresden für Fachkräfte aus anderen Regionen attraktiver zu machen. Besondere Würdigung verdient hier der Plan von Ministerpräsident Michael Kretschmer, eine »Chip-Akademie« zu errichten.

Dresden und Sachsen kämpfen immer wieder mit dem Problem der Fremdenfeindlichkeit. Infineon beschäftigt in Dresden Mitarbeiter aus 47 Nationen. Für wie kritisch erachten Sie das Thema für den Halbleiterstandort Dresden/Sachsen im Allgemeinen, und in welcher Form engagiert sich Infineon dagegen?

Der Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und für Chancengleichheit ist eine fortwährende Aufgabe in unserer Gesellschaft. Infineon setzt sich deswegen für Diversität und Inklusion ein. Mit Schulungen, Veranstaltungen und unternehmensinternen Netzwerken fördern wir diese Werte. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass Unternehmen hier klar Flagge bekennen. Deshalb ist Infineon Dresden seit vielen Jahren Mitglied im Verein »Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen«.

Sie haben die zeitintensiven Beratungen rund um den European Chips Act hautnah mitverfolgt. Wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit für den Bau von Modul 4 in Dresden gewesen, gäbe es die Fördermöglichkeit des European Chips Act nicht? Können Entscheidungen über den Bau milliardenschwerer Chipfertigungen nach Ihrer Einschätzung weltweit überhaupt noch ohne staatliche Förderungen erfolgen?

Wir können uns natürlich eine ideale Welt ohne staatliche Förderungen vorstellen. Doch wir müssen uns mit der Realität auseinandersetzen. Chips haben eine strategische Bedeutung erhalten – und sie sind der Schlüssel zu Innovation und Wohlstand einer Region. Deswegen fördern zahlreiche Staaten mit sehr hohen Beträgen die Halbleiterindustrie. Die EU hat sich das Ziel gesetzt, den Anteil an der Halbleiterfertigung auf 20 Prozent zu erhöhen und den European Chips Act auf den Weg gebracht. Damit soll die technologische Souveränität sowie Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten gesteigert werden. Wir nutzen diesen Rückenwind, um unsere Investition in Dresden entschieden voranzutreiben. Der Bau der neuen Fab ist die größte Einzelinvestition von Infineon.


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