Der IWF senkt wegen des Iran-Kriegs seine Wachstumsprognose für die Eurozone und erwartet zugleich eine höhere Inflation. Angesichts der Stagflationsrisiken fordert er eine straffere Geldpolitik der EZB. Auch die Weltbank sieht die Konjunktur durch hohe Energiepreise belastet.
Die Wachstumsaussichten für die Eurozone trüben sich laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen des andauernden Iran-Kriegs ein. Die Wirtschaftsleistung der Länder mit der Gemeinschaftswährung dürfte im laufenden Jahr nur noch um 0,9 Prozent steigen, heißt es in einem jüngsten IWF-Bericht. Das sind 0,5 Punkte weniger als noch vor dem Krieg angenommen. Zugleich dürfte die Gesamtinflation auf 2,8 Prozent steigen und damit 0,8 Punkte höher ausfallen als noch im Januar erwartet wurde.
Nach IWF-Schätzungen dürfte 2027 das Wachstum dann mit 1,2 Prozent um 0,2 Punkte schwächer ausfallen. Die Inflation erwarten die Ökonomen dann bei 2,3 Prozent – 0,4 Punkte höher als noch zu Beginn dieses Jahres antizipiert.
Das Institut mit Sitz in Washington warnte davor, dass ein anhaltender Energieschock die Inflation und die Inflationserwartungen weiter anheizen könnte, während ein Vertrauensverlust oder finanzielle Schwierigkeiten die Nachfrage abbremsen könnten. Ein Wiederaufflammen des Krieges der USA gegen den Iran stelle noch ein zusätzliches Risiko dar.
Aufgrund der Sorgen um eine Stagflation riet der IWF, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im laufenden Jahr noch deutlicher straffen müsse als gedacht. Sollten die Energiepreise weiter steigen, könnte die EZB gezwungen sein, noch drastischer einzugreifen. Die EZB mit Sitz in Frankfurt/Main hob vor kurzem den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Punkte auf 2,25 Prozent an.
Unterdessen kritisierte der IWF erneut europäische Regierungen für breit gestreute Entlastungen für ihre Bürger. »Jede Fortführung solcher oder neue Maßnahmen sollte gezielter darauf ausgerichtet sein, gefährdete Haushalte zu schützen und gleichzeitig die Preissignale zu erhalten«, hieß es. Bereits zuvor hatte das Institut mit Sitz in Washington gemahnt, eine nicht zielgerichtete Unterstützung komme überproportional einkommensstarken Haushalten zugute, die mehr Energie verbrauchten.
Die Bundesregierung etwa hatte einen temporären Tankrabatt seit dem 1. Mai eingeführt. Die Steuersenkung zur Entlastung von den stark gestiegenen Spritpreisen infolge des Iran-Kriegs soll Ende Juni auslaufen. Die Koalition hatte die Spritsteuer um knapp 17 Cent pro Liter gesenkt.
Auch die Weltbank passte ihre Prognosen für die Eurozone an. Mittlerweile geht sie von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im laufenden Jahr aus, also 0,1 Punkte weniger als bislang angenommen. Grund dafür seien die gestiegenen Öl- und Gaspreise, deren negative Auswirkungen die positive Konjunkturentwicklung zum Jahreswechsel sowie die Entlastung durch niedrigere US-Zölle mehr als aufwögen, hieß es.
2027 dürfte die Leistung dann allerdings mit 1,3 Prozent 0,1 Punkte stärker ausfallen, da die Weltbank dann mit einer stärkeren Binnennachfrage infolge sinkender Energiepreise rechnet. Zudem dürften staatliche Unterstützungen und Investitionen, allen voran in Deutschland, die Wirtschaftsleistung zusätzlich stützen. Für 2028 wird ebenfalls mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet.