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Loewe schließt

Investor dringend gesucht

01. Juli 2019, 06:26 Uhr   |  Heinz Arnold

Investor dringend gesucht
© David-Wolfgang Ebener/dpa

Nach jahrelanger Krise stellt der insolvente Fernsehhersteller Loewe heute den Betrieb ein.

Loewe stellt den Betrieb ein. Der Großteil der über 400 Mitarbeiter ist freigestellt. Innerhalb von vier Monaten muss ein Investor gefunden werden.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Weiß verbleibt eine Kernmannschaft von zehn bis fünfzehn Mitarbeitern an Bord von Loewe, die in den kommenden Monaten nach einem rettenden Investor suchen wird.

»Wir gehen davon aus, dass wir noch vier Monate für den Investorenprozess brauchen werden«, sagte Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß. »Wir werden alles tun, um jemand zu finden, es gab auch bereits erste Investorengespräche.«

Eine der dringlichsten Aufgaben für den vorläufigen Insolvenzverwalter und den Loewe-Betriebsrat ist nun die Aushandlung eines Sozialplans für die Belegschaft. Weiß hofft, dies bis Mitte Juli abschließen zu können, wie der Bayreuther Rechtsanwalt am Wochenende sagte. Derzeit sind die Mitarbeiter zwar freigestellt und bekommen auch kein Gehalt mehr von Loewe, doch gekündigt worden ist bislang niemand. Findet sich kein Investor, könnten die Arbeitsverträge nach den Worten des vorläufigen Insolvenzverwalters längstens bis Ende Oktober gehalten werden.

Für Loewe ist es die zweite existenzbedrohende Krise innerhalb weniger Jahre. »Loewe hatte schon seit Jahren einen defizitären Geschäftsbetrieb«, sagte Weiß. »Alle im Unternehmen sind sich einig, dass die Vergütungsstruktur nicht angemessen ist. Allein um die Personalkosten zu decken, wäre ein Jahresumsatz von 150 Millionen Euro erforderlich, für eine schwarze Null bräuchten wir 180 Millionen Euro Umsatz. Tatsächlich waren es zuletzt 120 Millionen.«

Will Inestor Riverrock an den Trümmern verdienen?

Doch mit der IG Metall gibt es heftige Auseinandersetzungen. Der bayerische Bezirksleiter Johann Horn wirft der britischen Investmentgesellschaft Riverrock ein übles Spiel mit Loewe vor. Laut IG Metall hat Riverrock Loewe in der Vergangenheit mit einem zweistelligen Millionenkredit über Wasser gehalten, nun aber einen neuerlichen Kredit verweigert. Die frühere Geschäftsführung hat demnach auch den Markennamen Loewe an Riverrock verpfändet.

Die IG Metall verweist als Negativbeispiel einer Sanierung durch Riverrock auf den baden-württembergischen Küchenhersteller Alno Küchen, der Ende 2017 ebenfalls vorübergehend stillgelegt wurde, bevor das Unternehmen den Betrieb wiederaufnahm, laut Gewerkschaft mit um 15 Prozent gekürzten Löhnen.

IG-Metall-Bezirksleiter Horn hat die Vorwurf in den Raum gestellt, dass Riverrock bei Loewe ähnlich vorgehen wolle: Vorübergehende Stilllegung, um drastische Lohnkürzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen durchsetzen zu können. »Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen«, kritisierte Horn am vergangenen Montag.

Der vorläufige Insolvenzverwalter weist diese Vorwürfe zurück: »Die Kritik der IG Metall kann ich nicht nachvollziehen«, sagte Weiß. »Der Betriebsrat ist im vorläufigen Gläubigerausschuss vertreten und hat mit am Tisch gesessen. Es sind alle möglichen Modelle für eine Sanierung mit dem Betriebsrat in Anwesenheit der IG Metall abgestimmt worden. Für die Fortführung des Betriebs bis Jahresende hätten wir 5,5 Millionen Euro benötigt, für eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft für alle Mitarbeiter weitere 3,4 Millionen Euro.« Dies sei in ganz enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall verhandelt worden.

Die Rolle der Postbank

Nach Weiß' Worten spielte die Postbank eine entscheidende Rolle: »RiverRock hatte als letzter möglicher Investor mitgeteilt, dass sie bereit wären, die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu finanzieren, sofern die Fortführung des Factorings durch Postbank sowie die Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs sichergestellt sei.« Factoring bedeutet, dass ein Lieferant – in diesem Fall Loewe – seine Forderungen an die Kunden einem Finanzinstitut überträgt. Der Factor, also die Postbank, bezahlt stellvertretend die Rechnungen an den Lieferanten und treibt offene Forderungen ein.

»Leider konnte der Factor bislang keine positive Fortführungsentscheidung treffen, worüber der Betriebsrat informiert wurde«, sagte Weiß. »Es war dann die gemeinsame Entscheidung, die Verhandlungen aufgrund der geringen Erfolgsaussichten nicht über den 1. Juli 2019 hinaus fortzuführen, da dann die Arbeitnehmer ihr Entgelt für April verloren hätten oder zur Eigenkündigung gezwungen worden wären. Insofern kam die Entwicklung nicht überraschend.«
 

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