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Mission gegen Müll im All

High-Tech-Dienstleistung gegen Schrott

Welt
© Bild: Adobe Stock

Die um die Erde kreisende Müllmenge wächst beständig. Immer mehr Satelliten werden in den Orbit gebracht. Fällt einer aus, bleibt er unkontrolliert im All und wird zur Gefahr. In fünf Jahren soll erstmals ein Stück Schrott gezielt zurückgebracht werden.

Sie fliegen Geschossen gleich um die Erde herum. Tausende und Abertausende Trümmerteile, abgeschaltete Satelliten und Teile von Raketenstufen werden zu einer Gefahr für neue Missionen im All. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa will nun zusammen mit einem Industrieteam unter Leitung der Schweizer Firma ClearSpace SA erstmals Weltraumschrott zurückholen und in der Atmosphäre verglühen lassen.

Das von der Esa mit 86 Mio. Euro finanzierte Projekt soll zeigen, wie dieser Müll entsorgt werden kann und es soll als Dienstleistung kommerzialisiert Schule machen, um ein weiteres Anwachsen des High-Tech-Abfalls zu verhindern. Experten der Esa und von ClearSpace SA arbeiten an einem Projekt, im Rahmen dessen 2025 ein Raumfahrzeug mit Greifarmen ein mehr als 100 Kilogramm schweres Schrottteil in rund 700 Kilometern Höhe umfassen und zum Verglühen in die Erdatmosphäre ziehen soll.

»Typische Beispiele für Weltraummüll sind ausgediente Raketenoberstufen und abgeschaltete Satelliten, aber auch das verloren gegangene Werkzeug eines Astronauten gehört dazu«, erklärt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der größte Teil seien aber Trümmer durch Explosionen und Kollisionen.

Die Dimension: Nach mehr als 5500 Starts in fast 60 Jahren Raumfahrt sausen um die Erde Teile in der Größe von Staubkörnern bis hin zu tonnenschweren Objekten. »Es gibt rund 23 000 Objekte, von denen man weiß, wo sie sind«, sagt der Leiter des Programms Weltraumsicherheit der Esa im Kontrollzentrum im Darmstadt, Holger Krag. Das seien die Objekte mit einer Größe von 10 cm und mehr. Laut seiner Aussage gibt es aber noch viel mehr kleine Objekte. »Wir rechnen so mit fast 1 Mio. ab einer Größe von 1 cm«, erklärt Krag. Alles in allem spricht Krag von Schrott mit einem Gewicht von rund 8500 Tonnen - Tendenz steigend.

»Wir achten da jede Minute darauf, ob es eine Kollisionsgefahr gibt«, sagt Krag. Bei einem Zusammenstoß eines Satelliten mit einem 10 cm großen Teil könne es schon eine Trümmerwolke geben. Wenn größere Trümmerteile unkontrolliert wieder in die Erdatmosphäre eintreten und abstürzen, bleibe auch eine Restgefahr für die Menschen. »Die ISS muss ein paar Mal im Jahr Ausweichmanöver machen.« Ein 1 cm großes Teil mit einer Geschwindigkeit von 40 000 km/h habe den gleichen Effekt wie eine in unmittelbarer Nähe explodierende Handgranate. Krag weiter: »Und wir haben viele Objekte im All zurückgelassen, die Tonnen wiegen.«

Die Idee hinter dem Projekt ClearSpace-1 ist, zu zeigen, dass Überbleibsel der Raumfahrtgeschichte zurückgeholt werden können. Ziel sei eine Marktreife der Rückholtechnik, sagt Krak. Zum einen müsse das Entsorgen mit eigenen Bordmitteln besser klappen, also ein kontrollierter Absturz mit Verglühen in der Atmosphäre. Zusätzlich müsse aufgeräumt werden und die Idee sei, zu zeigen, dass dies für einen vernünftigen Preis geht.


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European Space Agency (ESA), dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH