Halbleiter: Allokation aber kein Aufschwung?

16. Oktober 2009, 13:40 Uhr | Iris Stroh, Markt&Technik

»Wenn TSMC öffentlich von Allokation spricht, dann muss es mit der Verfügbarkeit von Produkten wirklich schwierig sein«, erklärte Malcolm Penn, CEO von Future Horizons, auf dem diesjährigen International Electronics Forum in Genf.

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Laut Maria Marced, President von TSMC Europe, arbeitet die weltweit größte Foundry mittlerweile in allen Fabriken mit einer Auslastung von 85 bis 100 Prozent und kann trotzdem die Nachfrage nur bedingt erfüllen. Wer jetzt glaubt, dass dies ein Zeichen für den neuen Aufschwung sei, der irre sich. So betont Marced auch: »Wir haben das ganze Jahr unter der Rezession gelitten, und auch wenn es jetzt schon Zeichen gibt, dass das Schlimmste vorbei ist, kann man sich nicht sicher sein.«

Und der sonst so optimistische Penn mag nicht so recht in Euphorie ausbrechen. So sieht er die größte Gefahr in einem so genannten »Double-Dip«, also eines erneuten Abrutschens der Konjunktur nach dem Aufschwung: Sobald die weltweiten Stimulationsprogramme auslaufen, könnte es wieder abwärts gehen. Penn sieht zwar auch Anzeichen dafür, dass sich die weltweite Wirtschaft allmählich aus der Rezession befreit, aber es gäbe große regionale Unterschiede, die Stabilisierung verlaufe nicht gleichmäßig und dazu auch noch sehr schleppend.

Dass Marktstudien immer mit einer gewissen Unschärfe verbunden sind, ist klar. Was an diesem Jahr neu war, waren die häufigen Änderungen der Marktprognosen. Selbst der Internationale Währungsfonds (IMF) hat seine Prognose in diesem Jahr gleich dreimal verändert, was eine Bestätigung für die fehlende Transparenz des Marktes ist. Die neueste IMF-Prognose geht davon aus, dass das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr erstmals um 1,4 Prozent sinken wird.

»Am stärksten sind die etablierten Wirtschaftsregionen betroffen, allerdings hat es auch die aufstrebenden Regionen wie China erwischt«, so Penn weiter. Das BIP der etablierten Industrieregionen wird laut IMF in diesem Jahr um 3,8 Prozent zurückgehen, die aufstrebenden Länder erreichen noch ein Plus von 1,5 Prozent. Für nächstes Jahr erwartet der IMF wieder ein positives BIP-Wachstum von 2,5 Prozent weltweit, wobei auch hier die »etablierten« Wirtschaftsregionen schlechter abschneiden und nur ein Plus von 0,6 Prozent erreichen. Die aufstrebenden Länder kommen auf ein Plus von 4,7 Prozent.

Als positive Meldungen sind beispielsweise die Quartalszahlen von Intel, Samsung und Qualcomm zu interpretieren. Die Zahlen für das zweite Quartal waren deutlich besser als erwartet. Das deutet darauf hin, dass sich die PC- und Mobiltelefonmärkte wieder erholen. »Anders verhält es sich mit den Märkten für Automotive und Konsumelektronik«, so Penn. »Diese Bereiche waren am stärksten betroffen, und hier sind bislang noch keine wirklichen Anzeichen für eine Besserung zu sehen.«

Positiv interpretieren die Marktforscher von Gartner, dass ein Unternehmen wie Xilinx erst kürzlich seinen Ausblick auf die Quartalszahlen nach oben korrigiert hat. Das spreche dafür, dass nicht nur der PC- und Mobiltelefonmarkt wieder anzieht, sondern auch die anderen Märkte, denn die Xilinx-Produkte wandern in eine Vielzahl von Endmärkten. Vollkommen unklar ist indessen für Penn, inwieweit die Finanzsysteme wieder stabilisiert sind und was passiert, wenn die öffentlichen Stimulationsprogramme auslaufen. In der Summe erwartet Penn, dass China und die anderen aufstrebenden asiatischen Länder als erste wieder auf die Füße kommen werden. Penn: »Europe wird sich wahrscheinlich als letzte Region von der Rezession erholen.«


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