Globalfoundries-Chairman Ruiz in Insidergeschäfte verwickelt?

29. Oktober 2009, 9:39 Uhr | Frank Riemenschneider, Elektronik

Amerikanischen Medienberichten zufolge soll der frühere CEO von AMD und jetzige Globalfoundries-Chairman Hector Ruiz, Insiderinformationen über die Auslagerung der AMD-Produktion weitergegeben haben.

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Der Fall um die Insider-Geschäfte von Raj Rajaratnam, der Gründer der Investmentfirma Galleon Group, weitet sich auch auf die Halbleiterbranche aus. Kürzlich hatte das html - external-link-new-window "Opens external link in new window">Wall Street Journal über eine mögliche Verstrickung von Ex-AMD-Chef Hector Ruiz berichtet.

Ruiz, der seit 2007 an der Trennung der Fertigung von AMD gearbeitet hatte, hatte in offiziellen Telefonkonferenzen Analysten stets gesagt, dass es sich »um eine komplexe Angelegenheit handele, die mehr Zeit benötigt, als gedacht«.

Bereits am 15. August 2008, also rund 2 Monate bevor AMD die Auslagerung offiziell bekannt gab, wurde von Ermittlern ein Telefonat zwischen Rajaratnam und der ebenfalls angeklagten Danielle Chiesi, einer 43jährigen Managerin bei der Investmentfirma New Castle, aufgezeichnet.  Dabei habe Rajaratman sie gefragt, ob der »AMD-Manager ihr die vollständigen Fakten« über den Deal gegeben habe. Chiesi antwortete »Oh, ja!«.

In einem weiteren aufgezeichneten Telefonat zwischen Chiesi und Mark Kurland, einem ebenfalls angeklagten Partner bei New Castle, sagte Chiesi, dass sie eifrig AMD-Aktien kaufe. Als Kurland Zweifel äußerte, ob der Abschluss der AMD/Globalfoundries-Transaktion nicht doch länger dauern würde, sagte Chiesi, dass sie »die Bestätigung habe« und sich der »AMD-Manager« kurzfristig mit den Investoren aus Abu Dhabi treffen werde.

Am 26. August 2008 soll dieser gegenüber Chiesi nach Angaben der Ermittler gesagt haben, dass »alles sehr kompliziert sei«, aber AMD einen Grossteil seiner Schulden in die neue Firma (also Globalfoundries) übertragen könne.

Schließlich versicherte er Chiesi in einem weiteren Telefonat, drei Wochen vor offizieller Bekanntgabe des Deals, dass die Wall Street wegen des Umfangs der Transaktion überwältigt sein würde, und »jeden da draußen schockieren würde«.

Die »San Jose Mercury News« schreibt, dass es sechs unabhängige Quellen dafür gebe, dass es sich bei dem zitierten AMD-Manager um Hector Ruiz handele. Ruiz (63) ist mexikanischer Einwanderer, dessen Grundgehalt bei Globalfoundries 1,15 Mio. Dollar beträgt, hatte von AMD seinerzeit für seine Mitwirkung bei der Auslagerung eine Prämie in Höhe von 3 Mio. Dollar erhalten.

Mittlerweile hat die Zeitung auch erste Reaktionen auf diesen Fall veröffentlicht. So habe AMD-Mitgründer Jerry Sanders mit Unverständins reagiert. Man rede einfach nicht über interne Angelegenheiten, ob man nun davon profitiere oder nicht, wird er zitiert.


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