Forschung lohnt sich!

5. November 2009, 11:27 Uhr | Iris Stroh, Markt&Technik

Das international tätige Forschungszentrum IMEC erzielte 2008 mit 1770 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 280 Mio. Euro. Einen kleinen Teil davon steuert die Regierung von Flandern bei, was gerade in schwierigen Zeiten Anlass zur Kritik gibt.

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Aber die Kritik ist vorschnell, denn Luc Van den hove, President und CEO, erklärt: »Durch unsere Forschungsaktivitäten sind rund 4000 Arbeitsplätze entstanden. Das zeigt, dass sich unsere Strategie, mit den großen Playern in der Industrie zusammenzuarbeiten, für die lokale Region auszahlt.« Und auch sonst können sich die Zahlen vom IMEC sehen lassen: Laut Van den hove bestehen momentan 385 aktive R&D-Verträge und über 100 Partnerschaften mit Universitäten. Das Forschungszentrum hat bereits mehr als 19.000 Publikationen veröffentlicht. 29 Unternehmen wurden aus dem IMEC ausgegründet. Allein in Flandern arbeitet das Unternehmen mit 400 Partnern zusammen.

Macht die derzeitige Krise dem Forschungszentrum zu schaffen? Van den hove: »Natürlich hat die Rezession einen – derzeit allerdings noch geringen – Einfluss auf das IMEC. Denn die meisten Partner wissen, dass Innovation wichtig ist, und wir bieten die Möglichkeit, R&D kosteneffektiv zu tätigen. So ist es uns gelungen, selbst in diesem Jahr einige auslaufende Verträge wieder zu verlängern. Aber wenn auf der Partnerseite eine Konsolidierung stattfindet, wirkt sich das zwangsläufig auch auf uns aus.«

Neben der Notwendigkeit, auch in der Krise Innovationen voranzubringen, hat das IMEC einen weiteren Vorteil: Es ist in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen aktiv, zum Teil auch welche, denen enorme Zuwachsraten ins Haus stehen.

Ein Bereich, der besonders von der Nanoelektronik profitieren kann, ist das Gesundheitswesen. Und hier sind Lösungen dringend erforderlich, denn Statistiken besagen, dass bis 2050 mehr als 21 Prozent der Weltbevölkerung 60 Jahre und älter sein werden, also rund 2 Mrd. Menschen. Ein Lösungsansatz für die damit verbundenen Probleme ist die Telemedizin oder das Telemonitoring. Hier ist das IMEC bereits aktiv und konnte als neueste Errungenschaft ein drahtloses EEG-System für das ambulante Monitoring vorstellen.

Das im Holst Centre (Tochter des IMEC) entwickelte EEG-System mit acht Kanälen ermöglicht eine Überwachung der Patienten in ihrer täglichen Umgebung. Das System lässt sich laut Lindsay Brown, Researcher im Bereich Body Area Network beim IMEC, mit einzelnen Elektroden, Standard-EEG-Hauben oder proprietäre EEG-Headsets verbinden. Die Elektroden können vollkommen unterschiedlich platziert werden, je nachdem was gemessen werden soll. Werden Elektroden mit Gel verwendet, ist die gemessene Signalqualität hervorragend. Laut Lindsays Aussage haben aber auch erste Tests mit trockenen Elektroden gute Ergebnisse gezeigt. Die Daten werden vom EEG-System drahtlos und in Echtzeit zu einem Receiver übertragen, der bis zu 10mvom Patienten entfernt sein kann. Die dazugehörigen Algorithmen wurden von Wolfgang Eberle entwickelt, Senior Scientist/ Project Manager für Bioelektrische Systeme beim IMEC.

Das EEG-System ist mit einer MSP-430-MCU, einem analogen ASIC und einem Funk-IC aufgebaut, alle Chips sitzen auf einer 47 x 27 mm großen Platine. Das Low-Power-ASIC verbraucht laut Brown lediglich 200 μW und arbeitet mit einer Sample-Rate von 512 bis 1024 Hz. Da die gemessenen Signale nur sehr schwach sind, ist auf dem ASIC ein Verstärker (120 dB, 2,3 μA, 60 nV/Wurzel Hz) integriert. Außerdem befindet sich auf dem Chip ein 11- Bit-A/D-Wandler. Das gesamte System mit Status-LED benötigt nur 1,8 mA, so dass mit einer Li-Ion-Batterie mit 160 mAh ein Dreitagebetrieb möglich ist.


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