Bei Reuters ist zu lesen, dass Kwak Noh-jung, CEO von SK Hynix, der Überzeugung ist, dass die weltweite Speicherindustrie im Jahr 2027 auf den größten Angebotsengpass ihrer Geschichte zu steuert.
So prognostiziert Kwak Noh-jung, dass die Nachfrage nach Speicherchips trotz aggressiver Kapazitätserweiterungen bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein die Produktionskapazitäten des Unternehmens übersteigen werde. »Wir gehen davon aus, dass das nächste Jahr aus Sicht der Versorgung das schlimmste Jahr in der Geschichte der Branche sein wird«, erklärt Kwak am Freitag in einem Interview mit Reuters – an dem Tag, an dem der südkoreanische Speicherchip-Hersteller den Handel an der Nasdaq aufnahm.
»Die Nachfrage unserer Kunden steigt weiter an, während unsere Kapazitäten begrenzt sind«, so Kwak weiter. »Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Kundennachfrage auch über das Jahr 2030 hinaus höher sein wird als unsere Lieferkapazität. Aber wir tun unser Bestes, um das Problem zu lösen.«
Kwaks Äußerungen folgen auf ein glänzendes Debüt des südkoreanischen Chipherstellers, der zu einem zentralen Unternehmen in der KI-Lieferkette geworden ist, indem er bei der Entwicklung von High-Bandwidth-Memory (HBM) eine Vorreiterrolle übernommen hat, das in Chipsätzen von Nvidia (NVDA.O) zum Einsatz kommt.
Die Aktien von SK Hynix legten am Freitagnachmittag an der Nasdaq um 13,3 Prozent auf 168,85 Dollar zu.
Laut Kwak sind die Vereinigten Staaten weiterhin einer von mehreren Kandidaten für künftige Investitionen in die Waferfertigung, obwohl noch keine Entscheidung gefallen sei. Er erklärt, das Unternehmen werde Standorte priorisieren, die ausreichend Land, Strom, Wasser und qualifizierte Arbeitskräfte zu wettbewerbsfähigen Produktionskosten bieten können. »Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kommen die USA, Japan und Südostasien alle in Betracht«, so Kwak. »Es ist noch nichts entschieden. Wir prüfen derzeit, welcher Standort den größten geschäftlichen Vorteil bietet.«
Neben dem Ausbau der internationalen Präsenz betreibt SK Hynix seine wichtigsten Werke in Icheon, dem Unternehmenssitz, sowie in Cheongju. Darüber hinaus errichtet das Unternehmen einen großen Produktionsstandort in Yongin.
Sowohl SK Hynix als auch Samsung Electronics beteiligen sich an einem Plan der südkoreanischen Regierung, die Produktionskapazität des Landes für Speicherchips innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Dazu gehören Investitionen in Höhe von jeweils 400 Billionen Won (266 Milliarden Dollar) für Chip-Produktionsanlagen im Südwesten des Landes.
Der Plan hat jedoch einige Investoren verunsichert, die befürchten, dass die Unternehmen dadurch im Falle eines Abschwungs einem größeren Risiko ausgesetzt sein könnten.
In den USA investiert das SK Hynix rund 4 Milliarden Dollar in den Bau einer modernen Werks für das Chip-Packaging in Indiana. Zudem investiert es 10 Milliarden Dollar in den Aufbau eines Unternehmens für KI-Lösungen in den USA, um neue Wachstumsmöglichkeiten im KI-Bereich zu erschließen.
Dennoch gibt es Spekulationen, dass sich der KI-Investitionszyklus einem Wendepunkt nähert, was für den jüngsten Rückgang der Chip-Aktien verantwortlich war.
Die Bedenken haben zugenommen, nachdem Berichte bekannt wurden, dass Apple Teile seiner Halbleiter-Lieferkette diversifizieren und chinesische Zulieferer einbeziehen will, und dass Meta überschüssige KI-Rechenkapazitäten vermarkten möchte.
Branchenvertreter und Analysten der Branche sind jedoch der Ansicht, dass das Angebot an Speicherchips weiterhin hinter der Nachfrage zurückbleibt.
Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte im vergangenen Monat, dass die Engpässe bei KI-Speicherchips aufgrund der starken Nachfrage noch mehrere Jahre anhalten würden, und fügte hinzu, dass SK Hynix der größte Speicherlieferant des Unternehmens bleiben werde. Die Analysten von UBS wiederum gehen davon aus, dass die weltweiten DRAM-Verbraucher mindestens bis zum zweiten Quartal 2028 unterversorgt bleiben werden.
Auch die Bank of America sieht den KI-Investitionszyklus weiterhin positiv und schätzt, dass die weltweiten Investitionsausgaben der Hyperscaler in diesem Jahr etwa 851 Milliarden Dollar und im nächsten Jahr 1,15 Billionen Dollar erreichen werden. Begründet wird dies mit hohen Auftragsbeständen im Cloud-Geschäft, verbesserten Renditen bei KI-Investitionen und eine wachsende Nachfrage nach rechenintensiven KI-Anwendungen. Nach Einschätzung der Bank spiegeln die rund 244 Milliarden Dollar, die führende Hyperscaler in diesem Jahr aufgenommen haben, vor allem eine Optimierung ihrer Bilanzen wider und nicht etwa Finanzierungsschwierigkeiten. Kapital stehe weiterhin in ausreichendem Umfang für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung.
Diese optimistische Einschätzung wurde am Donnerstag untermauert, als Micron bekannt gab, bis 2035 mehr als 250 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten investieren zu wollen – eine Aufstockung gegenüber dem im letzten Jahr angekündigten Plan von 200 Milliarden Dollar. Als Gründe nannte das Unternehmen die steigende Nachfrage nach Speicherchips im KI-Zeitalter sowie die Bemühungen von Präsident Donald Trump, die heimische Halbleiterproduktion zu stärken.
SK Hynix gehört zu den größten Nutznießern des KI-Booms. Ausschlaggebend dafür waren die frühzeitigen Investitionen in High Bandwidth Memory (HBM), eine Technologie, die zunächst skeptisch betrachtet wurde, heute jedoch als vorausschauende Entscheidung gilt. Der operative Gewinn erreichte 2025 einen Rekordwert von 47 Billionen Won (31 Milliarden Dollar) – doppelt so viel wie im Vorjahr und eine Erholung nach einem operativen Verlust im Jahr 2023. Die Dynamik hat sich auch in diesem Jahr fortgesetzt. Das zweite Quartal (April bis Juni) dürfte sogar noch besser ausfallen: Nach dem LSEG SmartEstimate dürfte der operative Gewinn 65,5 Billionen Won erreichen.
Auch die Aktien des Unternehmens sind in die Höhe geschossen. Zwar verlor die Aktie von SK Hynix in den vergangenen zwei Wochen infolge von Zweifeln an der Nachhaltigkeit der KI-Rally rund 18 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich der Kurs jedoch auf mehr als das Siebenfache erhöht.