Nach einem fünfjährigen Boom steigen die Stückzahlen für MEMS-Mikrofone 2009 nur noch um sieben Prozent. Bis 2013 wird die Produktion laut iSuppli trotzdem auf über 1 Mrd. Stück steigen.
Auch wenn das Wachstum für MEMS-Mikrofone 2009 geringer ausfällt, als ursprünglich erwartet, so prognostiziert die jüngste iSuppli-Studie diesem MEMS-Marktsegment bis 2013 ein Stückzahlwachstum auf über 1 Mrd. Bauteile. Im Zeitraum von 2008 bis 2013 hätte sich damit die Produktion, ausgehend von 328,5 Mio. Einheiten 2008, mehr als verdreifacht, wie Jérémie Bouchaud, Director and Principal Analyst für den MEMS-Bereich bei iSuppli, erläutert.
Das schnelle Wachstum dieses MEMS-Marktsegments führt er auf bekannte Skalierungseffekte zurück: »Mit den wachsenden Stückzahlen sinken die Kosten, gleichzeitig stechen die halbleiterbasierten Mikrofone ihre konventionellen Vorgänger in puncto Größe, Skalierbarkeit und Soundqualität aus«. Dazu kommt, dass sich in der Applikation durch den Einsatz digitaler MEMS-Mikrofone Aufgaben wie Rauschunterdrückung oder Akustikbündelung einfacher realisieren lassen. Es sind vor allem diese Pluspunkte, die den Einsatz von MEMS-Mikrofonen in Laptops, aber auch in Handys in den letzten Jahren ansteigen ließen.
So rosig die Zukunftsaussichten auch sein mögen, das Jahr 2009 war für Hersteller von MEMS-Mikrofonen bislang kein Zuckerschlecken. Nachdem die Produktions-Stückzahlen über fünf Jahre hinweg zweistellig wuchsen, müssen sich die Hersteller in diesem Jahr nach Angaben von iSuppli mit einem Wachstum von sieben Prozent zufrieden geben. Steigende Stückzahlen, aber fallende Preise, das hat ein schrumpfendes Marktvolumen zur Folge. Auf voraussichtlich 132,4 Mio. Dollar taxiert Bouchaud den Umsatz mit MEMS-Mikrofonen in diesem Jahr, nach 135,7 Mio. Dollar im Vorjahr.
Für die Wachstumsdelle des Jahres 2009 gibt es nach Auskunft des Analysten verschiedene Gründe. Den größten Einfluss hatte demnach Motorola. »Motorola war der erste Hersteller, der im großen Umfang MEMS-Mikrofone in seinem Verkaufsschlager RAZR eingesetzt hat«, erläutert der Analyst, »damit war das Unternehmen im Vorjahr für den Einsatz von mehr als 30 Prozent der in Handy-Lösungen verbauten MEMS-Mikrofone verantwortlich«. Doch Motorola verliert Marktanteile. Belegte das Unternehmen 2006 noch weltweit Rang zwei, war es im Vorjahr bereits auf Position vier abgerutscht. Die sinkende Marktbedeutung wirkt sich direkt auf die Entwicklung des MEMS-Mikrofon-Marktes aus. Dazu kommen der insgesamt rückläufige Handy-Markt in diesem Jahr und die Tatsache, dass die älteren Elektret-Kondensator-Mikrofone nun auch als SMD-Versionen erhältlich sind, und preislich deutlich günstiger sind als MEMS-Mikrofone.
Ungeachtet dieser Entwicklungen, zieht der Markt für MEMS-Mikrofone aber nach wie vor Neueinsteiger an. So haben sich in den letzten sechs Monaten allein Bosch und Epcos über die Akquisitionen von Akustica und Puls Engineering (ehemals Sonion) Zugang zu diesem Wachstumsmarkt verschafft und noch in diesem Jahr werden die ersten MEMS-Mikrofone von NXP in Handys zum Einsatz kommen. Derzeit beliefern insgesamt neun Hersteller den Markt. Rund 80 Prozent der am Markt erhältlichen MEMS-Mikrophone liefert Knowles. Mit Infineon und MemsTech haben sich nach Angaben von Bouchaud, inzwischen aber zwei weitere Hersteller als Großserienlieferanten etabliert. »Für den Markt ist das eine absolut erfreuliche Entwicklung«, stellt der Analyst fest, »den bisher wurde das Marktwachstum unter anderem auch dadurch limitiert, dass es zu wenig Second-Source-Möglichkeiten für Großserienaufträge gab«.
Markt-Prognose für MEMS-Mikrofone:
| 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | |
| Millionen Einheiten | 202 | 244 | 329 | 353 | 470 | 693 | 885 | 1113 |
Quelle: iSuppli