Mit dem Chipkarten-Forschungsprojekt BioP@ss stellt Europa die Weichen für den EU-weit gültigen elektronischen Peronalausweis.
Infineon Technologies und NXP Semiconductors Germany sowie der Chipkartenhersteller Giesecke & Devrient gehören zu den elf Unternehmen aus sechs EU-Staaten, die im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes BioP@ss an der Entwicklung einer hochsicheren Chipkartenplattform forschen.
BioP@ss ist das größte Chipkarten-Forschungsprojekt der Europäischen Union. Das Forschungsprojekt soll Ende Juni 2011 abgeschlossen sein. Sein Gesamtbudget beläuft sich auf etwa 13 Millionen Euro und wird zur Hälfte von den Partnern aus Industrie und Wirtschaft getragen. Die andere Hälfte wird als Teil der europäischen EUREKA-Clusters CATRENE/MEDEA+ aus Mitteln nationaler Behörden gedeckt. Im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt BioP@ss im Rahmen seines Programms »Informations- und Kommunikationstechnologie 2020« (IKT 2020) mit etwa 2,8 Millionen Euro.
Ziel des BioP@ss-Projektes ist es, die Chipkartentechnik noch sicherer und einfacher nutzbar zu machen, damit EU-Bürger beispielsweise per elektronischen Personalausweis über das Internet verschiedene Behörden- und Regierungsdienstleistungen nutzen können. Dazu gehören Services wie Ummeldung des Wohnsitzes, Anmeldung des Fahrzeugs oder Abgabe der Steuerklärung (eGovernment), die Stimmabgabe bei Wahlen (eVoting) und andere Dienste von Handel, Banken und Versicherungen (eBusiness). Das Forschungsprojekt BioP@ss umfasst die Weiterentwicklung der Chips, des Karten-Betriebssystems und der Sicherheits-Software für die Internet-PCs der Bürger und Behörden. Chips, Betriebssysteme und Software sollen dabei den Standards nationaler Personalausweis-Dokumente entsprechen, die bisher von EU-Staaten entwickelt wurden.
Ein Beispiel für die mögliche Umsetzung der BioP@ss-Forschungsergebnisse, wäre die Europäische Bürgerkarte. Sie würde es EU-Bürgern erlauben, ihre Steuerklärung unabhängig von ihrem Aufenthaltsort europaweit abzugeben. Eine europäische Bürgerkarte erlaubt die elektronische Identifikation, die elektronische Authentikation und die elektronische Unterschrift im Netz.
Infineon und NXP arbeiten im BioP@ss-Projekt an der Weiterentwicklung von Verschlüsselungstechnologien für Chips. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Erhöhung der Datenübertragungsraten zwischen Chipkarte und Lesegerät. G&D entwickelt ein neuartiges Chipkarten-Betriebssystem, das durch den Einsatz der gängigen Internetprotokolle (beispielsweise TCP/IP, HTTP, TLS und SOAP) eine Nutzung der Chipkarte für den Internet-PC ohne Installation zusätzlicher Software-Komponenten ermöglichen soll. Der Anschluss der Chipkarte an den PC kann dabei via USB-Schnittstelle oder drahtlos erfolgen.
Bulgarien, Deutschland, England, Frankreich, Rumänien, Polen, die Schweiz und Tschechien haben bereits angekündigt, in den nächsten Jahren elektronische Personalausweise einzuführen, die internationalen Standards folgen. Insgesamt leben in den 27 EU-Mitgliedsstaaten derzeit etwa 500 Mio. Einwohner, etwa 380 Mio. von ihnen verfügen über einen Personalausweis.