ARM-CTO befürchtet nicht nutzbares Silizium

23. Oktober 2009, 15:55 Uhr | Frank Riemenschneider, Elektronik

Spätestens im Jahr 2020 könnten die Anzahl der Transistoren auf einem Chip und mangelnde Fortschritte bei der Senkung der Leistungsaufnahme dazu führen, dass Designer nur noch 9 Prozent der Chipfläche nutzen können.

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Bei seiner Eröffnungs-Ansprache auf der ARM-Entwicklerkonferenz »TechCon 2009« erklärte ARM-Mitgründer und CTO Mike Muller, dass es bei Erreichen der 11-nm-Prozesstechnik 16 mal so viel Transistoren im Vergleich zu heutiger Technik geben würde. Diese Transistoren würden außerdem 2,4-mal so schnell schalten, während die Leistungsaufnahme nur um den Faktor 3 sinkt. Das ist allerdings zu wenig, denn 11-nm-Strukturen dürften deutlich weniger Leistung vertragen. Die Folge: Es könnten theoretisch weniger als 9 Prozent aller Transistoren gleichzeitig betrieben werden (1/(16 x 2,4 x 0,3) = 0,0868). 

Um dieses Szenario zu verhindern, arbeiten laut Muller Forscher an Energiespartechniken der Zukunft, zu denen u.a. Energie-Recycling auf dem Chip, 3D-Architekturen mit drahtlosen Verbindungen der einzelnen Dies und Energiespar-Management auf System- und Task-Ebene gehören.

Xilinx mit weiteren Details zur ARM-Partnerschaft

In einer Podiumsdiskussion erläuterte Xilinx weitere Details seiner kürzlich bekannt gegebenen Kooperation mit ARM. Vice-President Vin Ratford erklärte, dass die bisher verwendete Schaltmatrix »Core Connect« von IBM durch ARMs AMBA-Bus der nächsten Generation abgelöst werde. Er soll mit ARM-Cores aber auch mit PowerPC- und MicroBlaze-Softcores arbeiten. 2010 sollen erste Produkte mit AMBA-Bus verfügbar sein.

Auch Cypress zielt auf den FPGA-Markt. In seiner Ansprache erklärte CEO T.J. Rodgers, dass der Mikrocontroller-Markt für Cypress’ PSoC-Architektur bald ausgereizt sei und man sich neue Märkte suchen wolle. Eine Möglichkeit sei, PSoC in Richtung FPGA weiterzuentwickeln. Rodgers sprach auch davon, zukünftig DSP- und Ethernet-MAC-Blöcke in PSoC-Produkte zu integrieren.

Die Ausstellung der Konferenz wird von taiwanischen Netbook-Herstellern dominiert, die Produkte mit ARM-basierenden Prozessoren zeigen. Muller zeigte einen Netbook der Firma
Foxconn, der einen Nvidia-Tegra-Processor enthält, mit dem sich Adobe-Flash-Videos der Version 10 abspielen lassen: Das ist ein  weiterer Seitenhieb auf Konkurrent Intel, der nach wie vor behauptet, das PC-Internet lasse sich am besten auf Netbooks mit x86-Prozessoren, namentlich dem Atom, übertragen. Gegenüber der »Elektronik« bezeichnete Muller Intels Behauptung als nicht gerechtfertigt. Er sieht vor allen Dingen China und andere schnell wachsenden neue Märkte, die in der Vergangenheit nicht durch Microsofts Windows und Office dominiert wurden, als Ziele für ARM-basierende Netbooks. Dort kommt es laut Muller primär auf den Preis an, zudem hat Linux dort mangels Historie von MS-Produkten eine weit höhere Akzeptanz hat als in westlichen Ländern.

Die Frage, ob Microsoft dank wesentlich kleinerem Mikro-Kernel im Vergleich zu Windows XP oder Vista daran denke, Windows 7 auf ARM zu portieren, beantwortete Muller nicht.

Wäre eine Portierung noch unter Vista eine »Mission Impossible« gewesen, erscheint sie technisch und wirtschaftlich mit Windows 7 zumindest nicht mehr unmöglich.


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