Die Hersteller von DRAMs können den Bedarf nicht decken: Preiserhöhungen und Allokation sind die Folge. Haben in den vergangenen Jahren die Kunden wegen der »Schnäppchenpreise« gejubelt, so müssen sie jetzt wohl die Zeche bezahlen.
»Die Telefone glühen, der Ansturm ist riesig«, sagt Robert Herth, Prokurist und Sales & Marketing Direktor der IT Group von MSC. Es hat sich zum Teil herumgesprochen, dass die IC-Hersteller nicht mehr genügend DDR2-Chips zur Verfügung stellen können. Der Markt ist mit voller Fahrt in die Allokation geschlittert.
Dass es zu einem Engpass kommen musste, haben viele Branchenkenner bereits vor Monaten vorhergesagt: Zu drastisch waren die Einschnitte, die die finanziel angeschlagenen DRAM-Hersteller in Produktion und Entwicklung vornehmen mussten, und zu herb die Verluste, die die gesamte DRAM-Branche angehäuft hat.
Die Auswirkung dieser Entwicklung spürt jetzt der Kunde: »Innerhalb von nur vier Wochen sind die Preise für Speichermodule um bis zu 70% gestiegen«, berichtet Herth, MSC. Obwohl der Branchenkenner seit mehr als 20 Jahren die Ereignisse am Speichermarkt verfolgt, hat er eine solche Situation, wie sie jetzt eingetreten ist, erst extrem selten erlebt. Ähnliches berichtet auch Tommaso Randò, Vice President Sales OEM EMEA des Modulherstellers Swissbit: »Das Denken bei den Kunden ’Ich kann heute bestellen, was ich morgen benötige’ hat sich in den letzten Jahren verfestigt. Aber es trifft längst nicht mehr zu. Die Situation hat sich grundlegend gewandelt!«
Die Lieferzeiten von DDR2-Speichern – so hört man aus der Branche – liegen bei zum Teil »Null«. Das bedeutet: Ware erhält nur der Kunde, der einen Forecast abgegeben hat. Vor empfindlichen Preiserhöhungen sei man ohnehin nicht gefeit, trotz langfristiger Verträge. Denn dafür ist die Ware momentan viel zu begehrt.
Ausgenommen von der extremen Verknappung sind allerdings DDR3- ICs, womit die wenigsten Marktbeobachter gerechnet haben. So warnten die Marktanalysten von iSuppli erst vor kurzem vor einem Engpass bei DDR3-Chips. Mit dieser Einschätzung lagen sie falsch, so wie wohl viele DRAM-Hersteller. »Die Halbleiterindustrie hat in ihrem Produktmix zu sehr auf DDR3 gesetzt«, betonen sowohl Tommaso Rando von Swissbit als auch Robert Herth von MSC. Es werde mindestens drei Monate dauern, bis die Industrie diese Fehleinschätzung in ihrer Produktion korrigieren kann. Deswegen ist davon auszugehen, dass die schnelleren und energieeffizienteren DDR3-ICs bald preiswerter sind als die DDR2-Typen – verkehrte Welt am Speichermarkt.