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Interview mit Jürgen Kern, NetModule

»5G Standalone erfordert vorerst Campusnetze«

25. März 2021, 22:01 Uhr   |  Andreas Knoll

»5G Standalone erfordert vorerst Campusnetze«
© NetModule, WEKA FACHMEDIEN

Jürgen Kern, NetModule: »Bis 5G in der Breite eingesetzt wird, dürfte noch einige Zeit vergehen.«

Für 5G gibt es vielfältige Anwendungen in Industrie und Verkehrswesen, wobei die vom Vorgänger 4G unabhängige Betriebsart 5G Standalone noch auf sich warten lässt. Jürgen Kern, Geschäftsführer von NetModule, skizziert den Stand von 5G, beschreibt Anwendungen und erläutert NetModules 5G-Strategie.

Markt&Technik: In welchen Anwendungen innerhalb und außerhalb der Industrie sehen Sie 5G?

Jürgen Kern: Innerhalb der Industrie sehen wir 5G hauptsächlich in der Automatisierung und Prozesskontrolle. Die Anbindung von Sensoren ist hier ein entscheidendes Thema. Zunehmenden Bedarf stellen wir auch in der Robotik und der Produktionslogistik fest. Immer wichtiger wird die Möglichkeit, Wireless-Anwendungen zu erstellen, zudem für Condition Monitoring und Predictive Maintenance. Und last but not least ist 5G ein Mittel, um die während des Produktionsprozesses von Sensoren erfassten Daten in die Cloud zu kommunizieren - Stichwort: Big Data - und mit entsprechender Anwendungs-Software daraus Erkenntnisse zu gewinnen.


Inwieweit sind öffentliche Verkehrsmittel ein Anwendungsfeld für 5G?

Der öffentliche Verkehr ist auf jeden Fall eine sinnvolle Anwendung außerhalb der klassischen Industrieanwendungen. Wir sind als NetModule mit unserem Portfolio stark im öffentlichen Verkehr positioniert. Im öffentlichen Nahverkehr setzen wir unsere Produkte, die als Wireless-Router arbeiten, schon jetzt mit 4G ein, um Informationen oder Unterhaltung in die Verkehrsmittel zu übertragen und den Fahrgästen zu ermöglichen, ihr Smartphone über WLAN zu benutzen. Dies wird in unterschiedlichen Verkehrsmitteln wie Bus, Tram und Zug angeboten, so dass die Fahrgäste dafür nicht unbedingt ihren Mobilfunkvertrag nutzen müssen. Ein weiterer starker Trend kommt aus dem Bereich E-Ticketing. Auch werden Condition Monitoring und Predictive Maintenance im öffentlichen Verkehr wichtig, wobei die Erfassung, Übertragung und Auswertung von Betriebsdaten ebenfalls hohe Datenraten erfordert. Hinzu kommt, dass es entweder ab diesem oder ab nächstem Jahr vorgeschrieben sein wird, Barrierefreiheit zu ermöglichen, wobei die mobile Interaktion mit dem Fahrer dies unterstützen kann.

Bei öffentlichen Verkehrsmitteln, besonders bei E-Bussen, kommt die Elektromobilität künftig stark zum Einsatz; hier gibt es einen großen Bedarf an Batterie-Management. Dies wird wichtig, weil die Verkehrsgesellschaften ihre Fahrzeuge, vor allem Elektrobusse, zunehmend im Leasing-Verfahren betreiben. Das heißt, sie mieten die Verkehrsmittel von einem Unternehmen, das genau abrechnet, wieviel Batterieleistung konsumiert wird. Diese Information ist wichtig, aber relativ aufwändig zu beschaffen, was meist hohe Datenraten erfordert. Auch dies wird über Mobilfunk-Anbindungen realisiert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist zudem die Lokalisierung: Wo ist das Fahrzeug, wo ist der Bus? Und momentan noch Zukunftsmusik - erste Versuche laufen bereits - ist das autonome Fahren, wobei Verkehrsmittel künftig ohne Fahrer gesteuert werden. Last but not least steht das sogenannte Car2x vor der Tür, sprich: die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit ihrer Umwelt; auch dabei sind große Datenmengen zu transportieren.


Welche Anwendungen von 5G sehen Sie im Fernverkehr?

Im Fernverkehr sind die Anforderungen prinzipiell ähnlich; dort kommt noch hinzu, dass die Reiseplanung und Buchung per Online erfolgen kann.

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2. 5G, Wi-Fi 6, LPWAN oder was?
3. Die 5G-Strategie von NetModule

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