Einkaufsmanager-Index

Deutsche Industrie gewinnt im Juli weiter an Fahrt

4. August 2020, 12:42 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

Produktion: Der saisonbereinigte Teilindex Produktion setzte seinen steilen Aufwärtstrend im Juli fort und verbesserte sich weiter vom Rekordtief im April. Zudem wurde erstmals seit über anderthalb Jahren wieder die Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten überschritten. Laut Befragten ging das jüngste Plus auf einen kräftigen Schwung an Neuaufträgen zurück.

Auftragseingang insgesamt/Auftragseingang Export: Die über die vergangenen Monate angestaute Nachfrage entlud sich im Juli in einer regelrechten Flut an Neuaufträgen. Das Ergebnis markiert eine Trendwende gegenüber dem Rekordminus im Auftragseingang zu Beginn des zweiten Quartals. Der saisonbereinigte Teilindex notiert damit zum ersten Mal seit September 2018 wieder auf Wachstumsterrain und erreichte gleichzeitig den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren - der auch deutlich über dem der Produktion liegt.

Auch die Exportorder stiegen im Juli kräftig an. Nach einer 22-monatigen Schrumpfungsphase – inklusive dem Allzeittief im April – kehrte dieser Teilindex ebenfalls in die Wachstumszone zurück und erreichte den höchsten Wert seit April 2018 (wenngleich noch deutlich unter dem Gesamt-Auftragseingang). Vor allem aus China kamen mehr Aufträge; aber auch in etlichen europäischen Ländern zog die Nachfrage wieder an.

Jahresausblick: Die Hersteller zeigen sich zunehmend optimistischer hinsichtlich ihrer zukünftigen Produktion. Demnach hofft die Mehrheit, dass die Nachfrage weiter anzieht und die Corona-bedingten Restriktionen weltweit nach und nach gelockert werden. Der entsprechende Teilindex stieg auf den besten Wert seit August 2018. Allerdings gaben viele Manager an, dass jegliches Wachstum von einem niedrigen Level startet und die Geschäftstätigkeit noch eine ganze Weile unter dem Niveau, das vor der Pandemie herrschte, bleiben wird.

Beschäftigung: Die aktuellen Daten signalisieren einen weiteren deutlichen Rückgang der Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe. Mehr noch, die Schrumpfungsrate zog gegenüber dem Vormonat an und erreichte fast den Wert vom 11-Jahrestief im Mai. Etwa 30 Prozent der Umfrageteilnehmer meldeten Kürzungen beim Personal, die zumeist mit der Kündigung von Leiharbeitern sowie der Nichtbesetzung von offenen Stellen erreicht wurden.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der erbitterte Wettbewerb unter den Zulieferern sowie die fallenden Rohstoffkosten bewirkten, dass die durchschnittlichen Einkaufspreise abermals sanken. Die Rückgangsrate blieb kräftig, schwächte sich aber den zweiten Monat in Folge ab. Das fünfzehnte Minus hintereinander markierte die längste Schrumpfung in dieser Kategorie seit Beginn der Umfrage im Jahr 1996.
Auch zu Beginn des dritten Quartals war die Preismacht der Hersteller begrenzt. Der enorme Wettbewerbsdruck ermöglichte es vielen Kunden, teils vehement Rabatte zu fordern.

Über den EMI: Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Er ist eine Momentaufnahme des Verarbeitenden Gewerbes – errechnet aus den Teilindizes für Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormaterialbeständen. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

 


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