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Einkaufsmanager-Index

Deutsche Industrie gewinnt im Juli weiter an Fahrt

04. August 2020, 10:42 Uhr   |  Karin Zühlke

Deutsche Industrie gewinnt im Juli weiter an Fahrt
© Sirichai/stock.adobe.com

Die deutsche Industrie erholt sich. Das signalisiert der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im Juli auf 51,0 Punkte gegenüber 45,2 im Vormonat geschnellt ist.

Der wichtige Frühindikator für die konjunkturelle Lage in der Verarbeitenden Industrie überschritt damit erstmals seit Dezember 2018 wieder die Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit in London mit. Gleichzeitig entfernte sich der deutsche PMI auch weiter von seinem Tiefpunkt (34,5) im April dieses Jahres als weite Teile der Industrie infolge der Corona-bedingten Restriktionen stillstanden. Ausschlaggebend für den Spitzenwert im Juli sei vor allem das kräftige Plus im Auftragseingang gewesen, in dessen Folge auch die Produktionsrate deutlich anstieg.

„Die aktuellen EMI-Daten geben Anlass zur Hoffnung, dass sich der jetzt zu beobachtende Aufwärtstrend im dritten Quartal fortsetzt und weiter verfestigt. Angesichts der noch nicht überwundenen Coronavirus-Pandemie sind allerdings Rückschläge jederzeit möglich“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V..

„Wie schön ist es, den EMI wieder im Expansionsbereich zu sehen. Das zweite Quartal war mit einem Rückgang von 10,1 Prozent schlimmer als in der Finanzkrise und voraussichtlich wird der Jahresdurchschnitt 2020 mit 6,4 Prozent auch schlechter sein als damals mit 5,7 Prozent. Obwohl die Infektionszahlen weiter hoch sind, zeichnet sich eine Erholung im zweiten Halbjahr ab“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Dienstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die expansive Geld- und Fiskalpolitik wirkten unterstützend. Solange es zu keinem nationalen Lockdown mehr komme, gehe das Wirtschaftsgeschehen wieder seinen Weg – Strukturveränderungen inbegriffen. „2021 erwarten wir in Deutschland ein BIP-Wachstum von fünf Prozent. Vor Ende nächsten Jahres wird das Vorkrisenniveau jedoch nicht wieder erreicht werden“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Die guten Stimmungswerte zeigen, dass wir uns noch in dem Bereich der V-förmigen Erholung der Wirtschaft vom Lockdown befinden. Diese Phase wird bald auslaufen und danach werden einige hartnäckige Probleme zum Vorschein kommen“, sagt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Dienstag dem BME. Es fehle Nachfrage, besonders aus dem Ausland, und viele Unternehmen müssten deutliche Kostensenkungen angehen. „Die letzten Meter des Aufholens werden schwer“, so Kater abschließend.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Dienstag dem BME: „Die deutlich verbesserten Erwartungen der Wirtschaft zeigen sich auch an den anziehenden Rohstoffpreisen. So konnte sich der Rohölpreis nachhaltig über 40 US-Dollar je Barrel Brent festigen. Kupfer und einige andere Industriemetalle zogen ebenfalls deutlich an. Zuletzt scheint sogar der Rückgang der Strompreise gestoppt. Eine Sondersituation ist jedoch bei Gold und Silber zu beobachten: Deren Preisanstieg spiegelt immer noch eine große Verunsicherung wider – mit entsprechend spekulativer Nachfrage. Zudem stützt der schwache Dollar.“

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2. Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

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