Interview mit Ralf Hasler, Lacon

»Hardware-Maker für die Digitalisierung der Industrie«

23. Oktober 2019, 13:34 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Neue Ressourcen

Inwieweit bauen Sie im Zuge dieser Partnerschaft neue Ressourcen auf?

Die Entwicklungskapazitäten der Lacon embedded werden am Hauptsitz in Karlsfeld weiter ausgebaut, genauso wie sich der Geschäftsbereich Industrial Engineering mit jungen, international ausgerichteten Technikern verstärkt, die jetzt auch in die asiatischen Märkte hinein agieren können.

Die Makroöknomie ist derzeit sehr turbulent. Welchen Einfluss bzw. Auswirkungen haben die diversen weltweiten Zollstreitigkeiten auf Ihr Geschäft?

Bislang keine. Wir merken allerdings bei unseren UK-Kunden eine gewisse Zurückhaltung, da die Auswirkungen eines Brexits – wie immer er jetzt auch aussehen mag – vollkommen unklar sind. Da das britische Pfund vermutlich weiterhin fallen wird, gehen wir von eher stagnierenden Umsätzen aus.

Welche Rolle spielt der globale Einkauf aus Ihrer Sicht? Dieser steht ja oft in Widerspruch zu regionalen Handels- und Vertriebsstrukturen von Herstellern und Distributoren.

Zwei Aspekte aus der Perspektive eines mittelständischen EMS-Dienstleisters: Der Zugang zu Nicht-Mainstream-Technologien – z.B. LCD-Gläser, Leiterplattenanschlusstechnik, kundenspezifischen Bauteilen – ist in Asien wesentlich besser als in Europa. Wir haben aus diesem Grund auch ein Asian Procurement Office in Shenzhen eingerichtet. Die vertragliche Abwicklung der meisten Einkäufe – insbesondere Leiterplatten – nehmen wir aber grundsätzlich nur mit Intermediären vor, sodass unser Vertragspartner immer eine deutsche Rechtseinheit mit guter Bonität ist. Der Direktbezug aus China ist mit vielen Unwägbarkeiten und Risiken verbunden. Es gibt nur wenige verlässliche Partner; insbesondere der Umgang mit Reklamationen ist sehr schwierig.

Bilder: Lacon
Dr. Hasler überzeugt das IoT-Publikum vom Smart Integrator Lacon.
© Bilder: Lacon

Welchen Stellenwert wird in Zukunft die Digitalisierung beim Materialeinkauf einnehmen?

In unserem „High Mix/Low Volume“-Business mit änderungsfreudigen Baugruppen spielt das nur eine geringe Rolle. Eine enge Abstimmung zwischen unseren Kunden und den verschiedenen Instanzen ist essenziell, um eine hohe Liefertreue und Null-Fehler-Qualität zu erreichen. Das mag in einem Mid- und High-Vol­ume-Business anders aussehen.

Wir haben uns auch schon die ein oder anderen Male an E-Auktionen für Leiterplattenbestückung beteiligt, aber haben das dann doch rasch ziemlich entnervt aufgegeben. Unsere Stärken können wir dabei nicht einmal im Ansatz ausspielen und wir sind nun mal kein Kostenführer in der Leiterplattenbestückung. Und nur diese werden bei dieser Art von Vergaben das Rennen machen.

Die Anforderungen der Kunden werden immer höher, was sich zum Beispiel in der Forderung nach dedizierten Zertifizierungen zeigt – preislich gibt es dagegen wenig Spielraum. Wie stellt sich dieses Spannungsfeld bei Lacon dar?

„Wichtigstes Qualitätskriterium ist der Preis.“ Wir bemerken eine zunehmende Diskrepanz zwischen Qualitätsanforderungen einerseits – Audits, Pauschalen für Reklamationsbearbeitung, ungerechtfertigte Reklamationen – und massiven, teils erpresserischen Forderungen nach preislichen Zugeständnissen.

Des Weiteren gibt es etliche Kunden, die trotz der Zertifikate immer noch auf eigene Audits bestehen. Die Zertifizierungen laufen daher eher als Marketingmaßnahme, aber nicht als das Instrument, für das sie gedacht waren, nämlich eine gegenseitige Vertrauensbasis in eine sichere Prozesslandschaft.


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