Interview »Die Community steht im Vordergrund«

Am 2. und 3. März 2019 findet die Make Munich in der Zenith-Halle und dem Kohlebunker München statt.
Am 2. und 3. März 2019 findet die Make Munich in der Zenith-Halle und dem Kohlebunker München statt.

Eine kreative Messe braucht kreative Köpfe. Einer davon ist Martin Laarmann, Geschäftsführer des Sozialunternehmens Make Germany, das die Make Munich überhaupt erst möglich macht. Zusammen werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Maker-Festivals.

Herr Laarmann, wie ist die Make Munich entstanden?

Martin Laarmann: Die Maker-Bewegung hat sich um 2004 entwickelt. Ein maßgeblicher Protagonist dabei war Neil A. Gershenfeld vom MIT, der dort auch das erste FabLab gegründet und damit einen wesentlichen Grundstein gelegt hat. Die Wurzeln der FabLabs sind aber in Deutschland zu finden, z. B. mit der ersten offenen Werkstatt, dem Haus der Eigenarbeit (HEI) in München oder der Hackerkultur des Chaos Computer Clubs. Beide wurden in den frühen 1980er-Jahren gegründet. Es ist wieder ein typischer Fall, bei dem eine gute Idee erst ins Ausland exportiert und dort marketingtechnisch aufbereitet werden musste, um zu etwas Großem zu werden. 2012 fanden in New York und der San Francisco Bay Area bereits Maker ­Faires statt, die an einem Wochen­ende über 100.000 Leute anlockten. Am „Technologiestandort“ München gab es so etwas nicht und das war für die Gründer der Make Munich der Ansporn, im April 2013 die erste Make Munich zu organisieren.

So entstand also die Idee für das Maker-Festival. Wie ging es weiter?

Laarmann: Es wurde eine Halle gemietet – das war teuer. Geplant war, irgendwie 500 zahlende Besucher zusammen zu bekommen, wenn jeder der Organisatoren seine Freunde und Bekannten einlädt. Doch es kam ganz anders: Statt 500 Besuchern kamen über 1500 und alle waren happy. Die erste Make Munich ist also aus einem kleinen Projekt heraus entstanden. Allerdings haben die Gründer gleichzeitig festgestellt, dass so eine Veranstaltung ganz schön viel Arbeit macht. Ob es eine zweite Make Munich geben würde, war also zu dem Zeitpunkt noch in der Schwebe.

Wie wurden Sie ein Teil des Teams?

Laarmann: Bei der ersten Make Munich war ich tatsächlich nur Besucher, aber seitdem hat mich der Maker-Virus voll erfasst. Damals habe ich am Ostbahnhof den Start-up-Inkubator Werk1 aufgebaut, der 2013 Dreh- und Angelpunkt der Münchner Digitalszene war. So lernte ich das Team von Make Munich und vor allem auch Jenny Ludwig kennen, mit der ich heute unsere Firma habe. Gemeinsam stemmen wir die Make Munich. In diesem Jahr findet im März bereits die fünfte Make Munich statt und ist enorm gewachsen. Klar mussten wir irgendwann eine GmbH anmelden, um den rechtlichen Rahmen zu schaffen. Trotzdem steht für uns die Community nach wie vor im Vordergrund, und wir starten die Make Munich jedes Mal mit einem Aufruf, dass sich Maker im Orga-Team beteiligen können. Unsere Treffen finden häufig in den Münchner Werk­stätten, FabLabs und MakerSpaces statt, um den direkten Kontakt zur Community zu halten und Interessierte in die Organisation einzubinden.

Was wollen Sie mit der Make Munich erreichen?

Laarmann: Wir wollen einen Nährboden für die digitale Gesellschaft schaffen. Unsere Gesellschaft steckt mitten in einem großen Wandel, der von vielen begrüßt wird, aber nicht von allen. Die Digita­lisierung ist ein Thema das vielen auch Angst macht, weil sich zum Beispiel die Arbeitsplätze verändern. Beschäftigen sich die Menschen mit der Digitalisierung, kann es ihnen jedoch die Angst nehmen. Das geht aber nur, wenn wir das Thema ins Private der Leute tragen. Nicht über den Konsum, sondern indem wir es erklären. Dadurch wird klar, dass es gar nicht so kompliziert ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Genau das fasziniert auch unsere Besucher. Auf der einen Seite haben sie auf der Make Munich die Möglichkeit, neue Entwicklungen mit eigenen Augen zu sehen, ­andererseits bekommen sie die Techniken so gezeigt, dass sie auch selbst kreativ werden können.

Welche Felder sind für die Make Munich interessant?

Laarmann: Wir versuchen, thematisch sehr breit aufgestellt zu sein. Die Maker-Bewegung ist für uns das »Do-It-Yourself 2.0« oder das »digitale Do-It-Yourself«. Ganz klassische Maker-Themen sind Elektronik, 3D-Druck und Lasercutting. Für uns ist es aber viel wichtiger zu zeigen, wie aus dem Zugang zu solchen Produktions­mitteln innovative Ideen entstehen. Menschennahe Innovationen, die nicht aus der Marketingabteilungen irgendwelcher Firmen kommen. Jeder kann heute selbst zum Produzenten und zum Gestalter von Innovation werden. Robotik, Fashion Technology, Energy Maker, Bio-Hacking, Design, Architektur, Mobilität – es gibt so viele spannende Felder, mit denen sich Maker befassen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Messe?

Laarmann: Ich würde mich freuen, wenn sie noch größer wird, um mehr Leute erreichen zu können. Das hängt aber auch mit der Finanzierung zusammen. In dieser Hinsicht könnten wir noch mehr Förderung gebrauchen, so wie das teils im Ausland praktiziert wird.
Die Maker-Bewegung ist ja eine Graswurzelbewegung – sie ist aus der Bevölkerung heraus entstanden. Sie ist nicht von oben verordnet und es steht auch kein großer Konzern dahinter. Der ­typische Maker ist eher ein Privatmensch, der Freude an neuen Technologien hat und sieht, was er damit alles erreichen kann. Dies sind unsere Protagonisten – und entsprechend haben wir für die Messe ein Modell, bei dem Privatleute, Vereine, gemeinnützige Organisationen und Start-ups in der frühen Phase einen kostenlosen Stand bekommen. Nur so können wir die einmalige Atmosphäre der Make Munich schaffen, aber dafür brauchen wir auch Mittel.

Das diesjährige Motto der Messe lautet »Du kannst das auch!«. Warum wurde dieses Motto gewählt? Wen soll es ansprechen?

Laarmann: Wir wollen den Leuten zeigen, dass es gar nicht so schwer ist, Dinge selber zu machen und Neues zu erfinden. Im Internet gibt es zum Beispiel viele Anleitungen und Kurse, doch wer lieber in Gesellschaft lernt, kann jederzeit bei einem FabLab oder einem Maker Space vorbei kommen. Gegenseitiges Lernen ist dort an der Tagesordnung, zum Beispiel durch Workshops, Vorträge oder gemeinsames Fachsimpeln. Manche Spaces bieten auch eine gute Online-Kommunika­tionsplattformen.

Auf was freuen Sie sich dieses Jahr bei der Veranstaltung am meisten?

Laarmann: Auf die erstaunten und glücklichen Gesichter der Besucher, vor allem die der weiblichen. Da wir eher ein technisches Thema bedienen, zieht das tendenziell eher männliche Besucher an. Aber auch für Frauen haben wir viele Themen. Ich höre oft von Paaren, bei denen die Frau nur dem Mann zuliebe mitgegangen ist, danach aber von vielen Dingen total begeistert war und selbst ihre Runde gedreht hat. Außerdem haben wir viele interessante Sachen. Zum Beispiel haben wir dieses Jahr eine Kooperation mit dem Münchner Science-&-Fiction-Festival gestartet. Ronit Wolf, die Leiterin des Festivals, wird gemeinsam mit der Make Munich den »Hebocon-Wörld-Champignon-Schip« rausbringen, das ist ein sportlicher Wettbewerb mit Robotern. Es geht darum, etwas zu bauen, was sich bewegt, und anschließend treten die Roboter gegeneinander an. Ziel ist es, den Kontrahenten von der Platte zu schubsen. Das wird sicher eine riesen Gaudi. Wahrscheinlich gibt es dazu auch einen Workshop, aber man kann sich auch bereits im Vorfeld mit seinem Hebocon-Roboter anmelden.

Bei welchem Aussteller sollten die Besucher unbedingt vorbei schauen?

Laarmann: Die spannendsten Projekte kommen natürlich von den vielen Makern. Wir haben ja dieses Jahr zwei Hallen, also nicht nur das Zenith, sondern auch den Kohlebunker. Im Kohlebunker gibt es die Veranstaltung »Maker meets Mittelstand«, die von Allnet organisiert wird. Siemens wird auch einen Stand haben, bei dem vor allem Siemens-interne Maker kommen. Werner von Siemens war letztendlich auch ein Maker durch und durch. Noch dazu ist Siemens auf Maker aus den eigenen Reihen angewiesen. Auch im Bereich Mobility werden wir spannende Sachen haben. Wir werden eine VR/AR-Area (Virtual/Augmented Reality, Anm. der Redaktion) haben, bei der eine solche Brille ausprobiert werden kann. Dort werden wir ebenfalls neueste Entwicklungen zeigen. Außerdem haben wir ein spannendes Vortragsprogramm. Besonders wichtig sind für die Make Munich die Workshops, die an den einzelnen Ständen angeboten werden. Unser Motto ist: Keiner verlässt die Make Munich, ohne selber etwas gemacht zu haben. Vom Löten bis zur postapokalyptischen Schmuck­herstellung ist für jeden etwas dabei.

Was ist ein FabLab?

FabLab steht für Fabrikationslabor, eine offene High-Tech-Werkstatt, die Privatpersonen den Zugang zu modernen Produktionsmitteln ermöglicht.

Martin Laarmann

Martin Laarmann ist der Geschäftsführer der Make Germany GmbH, einem Social Enterprise – ein Sozialunternehmen –, das sich die Förderung und Vernetzung der Maker-Szene auf die Fahnen geschrieben hat und in diesem Sinne Süddeutschlands größtes Maker-Festival Make Munich ausrichtet. Martin Laarmann berät staatliche Institutionen, Gemeinden und Unternehmen zum Maker Movement, sowie zum Aufbau von Maker- und Innovation Spaces.