Jahresausblick VDE sieht Fachkräftemangel als größte Konjunkturbremse

Faktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung 2019/2020 gefährden.
Faktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung 2019/2020 gefährden.

Die Elektro-Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Um Wachstum zu realisieren, bleibt aber oft nur, Personal aus dem Ausland zu rekrutieren. Eine Spezies ist ganz besonders gefragt.

Allen Warnungen vor einer konjunkturellen Abkühlung zum Trotz, rechnen 60 Prozent der Unternehmen der Elektroindustrie für das kommende Jahr mit einer stabilen Entwicklung, 26 Prozent erwarten sogar einen Aufschwung. Das geht aus dem »VDE Tec Report 2019« hervor, den der Verband heute auf der Hannover-Messe vorstellt.

Als größte Gefahr für eine Abkühlung der Konjunktur nennen die Unternehmen:

  • den Fachkräftemangel (60 Prozent),
  • die Auswirkungen des Brexits (39 Prozent)
  • politische Unsicherheiten (35 Prozent) und
  • das wirtschaftliche Schwächeln Europas (33 Prozent).

Branchenunternehmen, aber auch Hochschulen finden hierzulande nicht mehr genügend Ingenieure und IT-Fachleute. Dabei sind Konzerne, Mittelständler und Hochschulen gleichermaßen betroffen. »Um ihren Bedarf an qualifizierten Mitarbeitenden zu decken, haben Konzerne, der Mittelstand, Start-ups und Hochschulen nur eine Chance: Sie müssen ihr Personal auch aus dem Ausland rekrutieren. Fast jeder Vierte ist dazu gezwungen«, sagt der CEO des VDE, Ansgar Hinz. Damit ist der Mangel an geeigneten Fachkräften immer noch virulent.

Sicherheitsexperten verzweifelt gesucht

Vor allem IT-Sicherheitsexperten sind gefragt bzw. verzweifelt gesucht. 87 Prozent der Hochschulen und 70 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, IT-Sicherheitsfachleute zu bekommen. »In den kommenden zehn Jahren werden in Deutschland deutlich über 100.000 junge E-Ingenieure mehr benötigt, als hierzulande ausgebildet werden«, erklärt Ansgar Hinz. »Der Groschen ist sprichwörtlich gefallen. In der aktuellen Umfrage haben 83 Prozent der Unternehmen und Hochschulen eingesehen, dass wir durch die Digitalisierung über Jahrzehnte gravierende Arbeitsmarktprobleme bekommen werden, wenn wir es nicht schaffen, die heute Berufstätigen fortzubilden«, fügt Hinz hinzu. Sie fordern, dass die digitale Bildung auf allen Stufen der Schul- und Hochschulbildung, aber auch der beruflichen Weiterbildung in Form und Inhalt massiv verbessert werden muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bremsfaktor auch für KI

Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz sehen die Unternehmen das mangelnde Wissen hierzulande, verbunden mit dem Fachkräftemangel, als stärksten Bremsfaktor. Deshalb erwarten sechs von zehn Befragten eine Implementierung von industrieller KI bis 2025 in den USA und China und erst später in Deutschland.

Positiv bewertet Prof. Hans Schotten, Mitglied des VDE-Präsidiums und wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, dass 44 Prozent der Unternehmen und Hochschulen 2019 mit steigenden Budgets für Forschung und Entwicklung rechnen. Mehr als die Hälfte geht von gleichbleibend hohen F+E-Ausgaben aus. »Deutschland setzt auf Innovationen, das ist eine sehr erfreuliche Nachricht«, erklärt Prof. Schotten. »Allerdings wollen 69 Prozent der Unternehmen in der Elektrotechnik unter zehn Prozent ihrer Ausgaben in die Erforschung von KI stecken. Dies könnte in vielen Fällen zu wenig sein. Hier ist das Potential von KI offensichtlich noch nicht überall erkannt«, warnt Schotten.