Thermisches Management auf Leiterkarten

Kühlkonzepte für steigende Leistungsdichten

26. März 2026, 7:00 Uhr | Von Dipl.-Phys. Jürgen Harpain, Entwicklungsleiter bei Fischer Elektronik
Kühlkonzepte, die sich direkt in das Leiterplattenlayout und die Montageprozesse integrieren lassen: Bauteilnahe Wärmeabfuhr auf Board-Ebene.
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Die fortschreitende Miniaturisierung elektronischer Systeme bei gleichzeitig steigender Leistungsdichte stellt Entwickler zunehmend vor thermische Herausforderungen. Insbesondere auf der Leiterkarte selbst entstehen Hotspots, die geeignete Maßnahmen erfordern.

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Fingerkühlkörper
Fingerkühlkörper: Sie bestehen aus einer Grundplatte zur Bauteilmontage sowie lamellenartigen Strukturen, die die Oberfläche zur Wärmeabgabe vergrößern.
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Gefragt sind Kühlkonzepte, die sich direkt in das Leiterplattenlayout und die Montageprozesse integrieren lassen. Während klassische Gehäuse- oder Systemkühlung weiterhin eine Rolle spielt, rückt die bauteilnahe Wärmeabfuhr auf Board-Ebene immer stärker in den Fokus.

Elektronische Bauteile wandeln einen Teil der aufgenommenen elektrischen Energie in Verlustwärme um. Mit steigender Leistungsdichte moderner Halbleiter – etwa in Leistungselektronik, Spannungsreglern oder LED-Anwendungen – wächst die thermische Belastung lokal stark an.

Ein effektives Wärmemanagement folgt daher einem zentralen Prinzip: Die Wärme sollte möglichst nah an ihrer Entstehungsquelle aufgenommen und abgeführt werden.

Daraus ergeben sich Anforderungen an Board-Level-Kühlkörper: Sie müssen eine geringe Bauhöhe und kompakte Geometrie aufweisen, mit THT- und SMT-Prozessen kompatibel sein, einen definierten thermischen Kontakt zum Bauteil ermöglichen und sich mechanisch stabil in die Leiterkarte integrieren lassen.

Für klassische Gehäuseformen wie TO-220, TO-247 oder vergleichbare Leistungstransistoren kommen häufig sogenannte Fingerkühlkörper zum Einsatz. Diese bestehen aus einer Grundplatte zur Bauteilmontage sowie lamellenartigen Strukturen, die die Oberfläche zur Wärmeabgabe vergrößern. Durch ihre Bauform bieten sie eine hohe spezifische Oberfläche bei geringem Volumen, eine direkte thermische Kopplung an das Bauteil sowie flexible Montagemöglichkeiten, etwa über Klemmen, Schrauben oder Haltefedern.

Ein entscheidender Faktor ist dabei der thermische Übergangswiderstand zwischen Bauteil und Kühlkörper, der durch Anpressdruck, Oberflächenbeschaffenheit und gegebenenfalls eingesetzte Wärmeleitmaterialien beeinflusst wird. Fingerkühlkörper eignen sich insbesondere für Anwendungen mit mittleren Verlustleistungen, begrenztem Bauraum und freier Konvektion ohne aktive Kühlung.

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SMD Kühlkörper
SMD Kühlkörper
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Für oberflächenmontierte Bauteile stehen spezielle SMD-Kühlkörper zur Verfügung, die sich direkt in automatisierte Bestückungs- und Lötprozesse integrieren lassen. Sie werden entweder mittels Wärmeleitfolie oder Epoxidkleber auf das Bauteil aufgebracht oder auf dafür vorgesehene Kupferflächen der Leiterkarte gelötet.

Letztere Variante nutzt die Leiterkarte selbst als Wärmespreizer, wobei der Wärmepfad vom Bauteil über die Kupferfläche zum Kühlkörper und schließlich an die Umgebung führt. Zu den Vorteilen zählen die vollständige Integration in Reflow- oder Wellenlötprozesse, der Entfall zusätzlicher Montageschritte sowie die Eignung für hohe Stückzahlen.

Allerdings sind dabei die thermische Leitfähigkeit der Leiterplatte, die Dimensionierung der Kupferflächen sowie mechanische Belastungen infolge unterschiedlicher Ausdehnungskoeffizienten zu berücksichtigen.

Mit weiter steigenden Verlustleistungen stoßen kompakte Board-Level-Kühlkörper an ihre Grenzen. In solchen Fällen kommen größere, auf der Leiterkarte montierte Kühlprofile zum Einsatz.
Mit weiter steigenden Verlustleistungen stoßen kompakte Board-Level-Kühlkörper an ihre Grenzen. In solchen Fällen kommen größere, auf der Leiterkarte montierte Kühlprofile zum Einsatz.
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Mit weiter steigenden Verlustleistungen stoßen kompakte Board-Level-Kühlkörper an ihre Grenzen. In solchen Fällen kommen größere, auf der Leiterkarte montierte Kühlprofile zum Einsatz.

Diese zeichnen sich durch eine deutlich vergrößerte Oberfläche, optimierte Rippengeometrien zur Unterstützung der freien Konvektion sowie stabile Befestigungskonzepte aus, etwa über Lötstifte oder mechanische Verbindungen.

Die Montage der Leistungshalbleiter erfolgt typischerweise über Schraubverbindungen oder über Federmechanismen mit definiertem Anpressdruck, die eine schnelle Montage bei gleichzeitig reproduzierbarem thermischem Kontakt ermöglichen.

Die Wahl des geeigneten Kühlkonzepts hängt von mehreren Faktoren ab. Zu den thermischen Anforderungen zählen insbesondere die Verlustleistung des Bauteils, die maximal zulässige Sperrschichttemperatur sowie die Umgebungstemperatur. Hinzu kommen mechanische und geometrische Randbedingungen wie der verfügbare Bauraum, die Einbaulage und die vorhandene Luftströmung.

Auch fertigungstechnische Aspekte wie die Integration in SMT- oder THT-Prozesse, der Montageaufwand und die Stückzahlen spielen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist zudem der gesamte Wärmepfad - vom Übergang zwischen Bauteil und Kühlkörper über die Wärmeverteilung in der Leiterplatte bis hin zur Abgabe an die Umgebung.

Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren bestimmt die tatsächliche Kühlleistung.
Mit steigender Leistungsdichte moderner Elektronik gewinnt das thermische Management auf Leiterkarten zunehmend an Bedeutung.

Board-Level-Kühlkörper ermöglichen eine gezielte Wärmeabfuhr direkt am Bauteil und lassen sich in viele Anwendungen und Fertigungsprozesse integrieren. Die optimale Lösung ergibt sich jedoch nicht allein aus der Wahl des Kühlkörpers, sondern aus der ganzheitlichen Betrachtung des thermischen Systems - vom Halbleiter über die Leiterplatte bis hin zur Umgebung. (sc)


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