Schwerpunkte

Neue EBV Business Unit “Logistics Only”

Wie pure Logistik zum Erfolgsrezept wird

04. Juni 2021, 10:54 Uhr   |  Karin Zühlke

Wie pure Logistik zum Erfolgsrezept wird
© EBV

Thorsten Eyle, EBV Elektronik: »Die Zuwachsraten bei LogOn sind enorm. Wir liegen bei 15 Prozent vom Gesamtumsatz der EBV. Ziel ist es, in den nächsten Jahren auf 20 Prozent zu wachsen.«

Reine Logistik- und Fulfillment-Services sind der Kern von LogOn, der jüngsten Business Unit von EBV. LogOn steht für Logistics Only und macht inzwischen 15 Prozent des EBV-Umsatzes aus. Und dabei sieht Thorsten Eyle, Director LogOn EMEA von EBV, sogar noch Luft nach oben.

Markt&Technik: Was genau ist LogOn?

Thorsten Eyle: Lassen Sie mich an der Stelle auf Ihr Interview mit unserem President Thomas Staudinger von Anfang des Jahres zurückkommen. Darin nennt er unsere neue Business Unit LogOn als Beispiel für Innovation bei EBV. Wir haben LogOn aufgrund der Veränderungen und Entwicklungen im Distributionsgeschäft gegründet, und wir sind die Spezialisten, sprich: eine eigene Sales-Region bei EBV für Logistik und Fulfillment.

EBV hat immer größten Wert auf seine Rolle als Demand-Creation-Distributor gelegt. Wie passt da nun die Gründung von LogOn ins Bild?

Das ist richtig. Wir waren ca. 50 Jahre als reiner Demand-Creation-Distributor im Markt bekannt. Allerdings gab es in den letzten Jahren, wie Sie sicher wissen, die Entscheidung einiger Hersteller, die Demand-Creation-Aktivitäten direkt mit dem Kunden zu forcieren. Das mussten wir akzeptieren. Aber wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf. Denn beide Seiten – Hersteller und Kunden – benötigen am Ende einen Partner für die reine Logistik und die damit verbundenen Dienstleistungen. Und genau das ist unsere Chance, uns auf neuen Pfaden zu bewegen, weil wir das reine Logistik-Geschäft – sprich: Fulfillment – bisher nicht so stark priorisiert hatten.

Welche Kundensegmente haben Sie für LogOn im Visier?

Eine wichtige Kundengruppe sind Firmen, die nur mit EMS, also Auftragsfertigern, arbeiten, die aber gerade in diesen Zeiten gar nicht wissen, welche Mengen der EMS wo bestellt hat. Und ob die Teile überhaupt vom Endkunden freigegeben sind. Daraus ist bei uns als Projekt „SPOT“, Single Point of Trade, entstanden. Das heißt, die EMS werden projektbezogen von LogOn bedient und unmittelbar nach Prioritätsvorgabe des Endkunden. Nach dieser Vorgabe verteilen wir die Ware an die Auftragsfertiger.

Das zweite wichtige Thema für LogOn ist der OEM-Transfer. Vor genau einem Jahr haben wir als Ergebnis einer sehr intensiven Zusammenarbeit mit mehreren Herstellern über sechs Monate das Projekt TAM to DTAM – also Total Available Market to Distribution Total Available Market – gestartet. Wir geben unseren Herstellern damit die Chance, ihr Direktgeschäft zu uns zu transferieren, wenn es aus ihrer Sicht nicht mehr logistisch zu bewältigen ist. Wir haben dann exklusiv für LogOn systemisch ein Setup erstellt, bei dem sowohl Kunden als auch Hersteller 100 Prozent Transparenz bezüglich aller wichtigen Parameter erhalten.

Die Absicht war also nicht, die bestehenden Kunden aus der klassischen EBV zu LogOn zu transferieren, sondern neue Kunden aus dem OEM-Kanal zu gewinnen, die bisher nicht bei der Distribution gekauft haben. Das gesamte TAM-to-DTAM-Konzept haben wir übrigens elektronisch umgesetzt, um dem Anspruch der Digitalisierung gerecht zu werden.

Die da wären?

Wir sprechen über große namhafte Hersteller aus Europa in den Bereichen Industrie und Automotive.

Wie ist die Ware im Rahmen von TAM to DTAM zugeteilt?

Wir haben die Kunden intern separiert, das heißt, der Warenzufluss erfolgt zu 100 Prozent an die Kunden aus dem Programm. Die Ware ist genau für einen bestimmten Kunden zugeteilt und wir platzieren die Bestellungen auf Kunden-Level. Das heißt, der Hersteller weiß genau, um welchen Kunden es sich handelt.

Worin besteht der Vorteil für den Kunden, wenn er mit LogOn arbeitet?

Der Kunde arbeitet mit einer flexiblen Organisation, die SPOT inklusive Sicherheitslager-Konzept mit anderen Verpackungseinheiten – etwa veränderte Rollengrößen, spezielle Verpackungsrichtlinien oder die Programmierung von Bausteinen – anbietet. Er erhält also eine „Tailor made“-Logistik für komplexe Supply-Chain-Anforderungen, und zusätzlich ist unser Cost-of-Service-Modell auch kommerziell sehr interessant.

Und wie sehen die Hersteller Ihren Ansatz?

Die Hersteller nehmen LogOn sehr positiv auf. Sie wenden sich aktiv an uns und wir kommunizieren hier sehr eng mit den Herstellern. Die Vorteile für die Hersteller liegen auf der Hand: Sie können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren.

Kommen wir nochmal auf Ihren Ansatz „TAM to DTAM“ zurück. Eigentlich geht der Trend bei einigen Herstellern in die umgekehrte Richtung. Was also haben die Hersteller von Ihrem Ansatz?

Wie gesagt, die Hersteller wollen sich auf das Design und die Herstellung der Bauteile konzentrieren, und wir sollen sie genau dabei entlasten und die Logistik übernehmen. Die Themen werden immer komplexer, und das können sie gar nicht mehr umsetzen. Sich einen adäquaten Logistikpartner auszuwählen ist die logische Konsequenz.

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